SAP-Chef Bill McDermott herzt seine neue Liebe Cloud

SAP-Chef Bill McDermott herzt seine neue Liebe Cloud

SAP-Chef Bill Mc Dermott hat seinen Blick auf die Internetwolke Cloud fixiert.

Europas größter Softwarekonzern SAP will unabhängiger von der konjunkturellen Entwicklung werden. Und baut das Geschäftsmodell radikal umgebaut: Statt Softwarelizenzen soll Software zur Miete via Internet-Cloud angeboten werden. Doch der Umbau kostet und zeigt Wirkung: Trotz sattem Umsatzplus ist der Gewinn gesunken.

Walldorf. Der Umbau von Europas größtem Softwarehersteller SAP nimmt Form an. Das neue Geschäft mit gemieteter Software (Cloud-Programme) soll im besten Fall in den kommenden zwei Jahren um jeweils ein Drittel steigen, wie der DAX-Konzern am Freitag mitteilte. Der neue Bereich soll dann mit bis zu 4 Mrd. Euro fast genauso viel einbringen wie das alte Geschäft mit Softwarelizenzen.

Und SAP-Vorstandschef Bill McDermott hat seine neue Liebe fest umschlungen: Das Cloud-Business soll die Zukunft sichern, Wachstum und Profite für das deutsche Softwarehaus geradezu sprießen lassen.

2018 soll die Cloud-Sparte dann sogar größer sein als das Altgeschäft. SAP ist seit einigen Jahren dabei, sein Geschäftsmodell umzustellen. Statt Softwarelizenzen zu verkaufen, sollen Kunden die Programme vermehrt mieten. Das bringt dem Konzern stetigere Einnahmen. Unter anderem dank diverser Übernahmen und positiver Währungseffekte - zuletzt kaufte SAP unter anderem den Anbieter von Software zur Reisekosten-Abwicklung Concur - hatte SAP im vergangenen Jahr die Ziele übertroffen.

Der große Change

Die Investitionen zum Ausbau des Cloud-Geschäfts sind laut Wachstumsziele des Softwarekonzerns sind bereits eingerechnet. "Wenn man viele neue Kunden gewinnt, braucht man ausreichende Infrastruktur", sagte McDermott am Freitag in einem Interview mit Reuters. "Wir haben bereits sehr viel in unsere Infrastruktur investiert, wir hinken da nicht hinterher." Alle Investitionen seien schon in den Ausblick für 2016 und die mittelfristigen Ziele für 2017 und 2020 eingerechnet.

Aus diesem Grund wird SAP auch für die Zeit bis 2017 optimistischer. In dem Jahr soll der Umsatz auf 23 bis 23,5 Mrd. Euro angestiegen sein. Zuletzt war das Unternehmen noch von 21 bis 22 Mrd. ausgegangen. Für den operativen Gewinn - Währungseffekte und Sonderkosten herausgerechnet - erwartet SAP bei einer Spanne von 6,7 bis 7,0 Mrd. Euro ebenfalls etwas mehr.

Die SAP-Aktie hat am Freitag mit einem Abschlag von 1,1 Prozent auf 70,92 Euro notiert.

2015 hatte der Konzern mit einem Umsatzplus von 18 Prozent auf 20,7 Mrd. Euro seine eigenen Erwartungen übertroffen. Der Umbau drückte aber auf den Gewinn, der unterm Strich auf 3,06 Mrd. zurückging.

Die vor rund fünf Jahren eingeführte Datenbank-Technologie Hana hat McDermott zufolge bisher einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro gebracht. Es sei mit ihr gelungen, dem Konkurrenten Oracle Kunden abspenstig zu machen, sagte McDermott. Vor der Entwicklung von Hana hatte SAP keine eigene Datenbank, Kunden nutzten SAP-Software auf Basis von Datenbanken des Erzrivalen Oracle.

Der golden Händedruck

Im Zuge des Umbaus hat SAP weltweit Stellen in Abteilungen gestrichen, die nicht so wie das Neugeschäft wachsen. Ursprünglich sollten rund 2.000 Beschäftigte auf eine neue Position wechseln oder ab einem bestimmten Alter mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. Tatsächlich nahmen etwa 3.000 Mitarbeiter das Angebot an.

Etwa zwei Drittel davon hätten das Unternehmen inzwischen verlassen, sagte Finanzchef Luka Mucic. Ende 2015 beschäftigte SAP mit 76.986 aber trotzdem um gut 2.500 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr. Fast alle davon seien neu zu SAP gekommen, sagte Mucic.

Die Beschäftigten waren trotz des weltweiten Stellenabbaus zufriedener als noch ein Jahr zuvor. Der sogenannte Engagement-Index, mit dessen Hilfe SAP die Stimmung in der Belegschaft misst, stieg 2015 um zwei Prozentpunkte auf 81 Prozent. Die Mitarbeiterbefragung ist bei SAP ein hochsensibles Thema. Der Erfolg der Softwareschmiede hängt von motivierten Entwicklern und Softwareberatern ab.

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