Samsung hat Milliarden für Neuausrichtung im Köcher

Samsung hat Milliarden für Neuausrichtung im Köcher

Nach dem Smartphone-Debakel des Vorjahres sieht man bei Samsung die Welt wieder in bunten Farben.

Der koreanische Elektronikkonzern will die Marktführerschaft bei Speicherchips ausbauen. Samsung will alleine 16,4 Mrd. Euro in zwei südkoreanische Produktionsstandorte investieren. Gleichzeitig hat Samsung angekündigt mit sogenannten "Smarten Lautsprechern" ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Die Koreaner nehmen damit Anlauf auf Amazon, Google und Apple, die das Lautsprecher-Geschäft neu ausgerichtet haben.

Seoul. Samsung hat nach seinem Smartphone-Debakel aus dem Vorjahr wieder Mutgefasst. Und will hoch hinaus. Mit einer Milliardeninvestition wollen die Koreaner ihre Marktführerschaft bei Speicherchips weiter ausbauen. Geplant sei, umgerechnet rund 16,4 Mrd. Euro in zwei südkoreanische Produktionsstandorte zu investieren, kündigte der Konzern am Dienstag an. Bis zum Jahr 2021 könnten so 440.000 Arbeitsplätze entstehen.

Auch in China solle die Fertigung der Produktion erweitert werden. Einzelheiten wurden hier nicht genannt. In der Branche wird heuer mit Rekordgewinnen gerechnet. Das knappe Angebot und die zugleich hohe Nachfrage nach mehr Speicherkapazität in Smartphones und Servern haben die Preise für Speicherchips (NAND) nach oben getrieben.

Branchenprimus Samsung investiert in der Regel fast 9 Mrd. Euro im Jahr in die Halbleitersparte. Mit der nach oben geschraubten Investitionssumme wolle der Konzern offenbar den Abstand zu den Rivalen vergrößern, sagten Analysten. Auch Toshiba und SK Hynix investierten in den vergangenen Jahren Dutzende Milliarden in Speicherchips.

Der Kampf um die Lautsprecher

Mit Verzögerung will nun auch Samsung im Geschäft mit smarten Lautsprechern einsteigen. Samsung soll laut Wall Street Journal ein Gerät entwickeln, das sich mit der Smartphone-Assistenten Bixby vernetztet. Damit will Samsung ein Gegengewicht zu Amazon, Google und Apple stellen.

Amazon ist bereits im Jahr 2014 mit dem Lautsprecher Echo und der Assistenzsoftware Alexa gestartet. Alexa reagiert auf Sprachbefehle des Nutzers. Amazon ermöglicht dem Kunden somit über die Ansprache am Lautsprecher waren via Alexa zu bestellen. Google hat mit einem ähnliche Lautsprecher namens Home und dem Programm Google Assistant im Mai 2016 gestartet. Jüngster Neuzugang in dem Markt, der angeblich Milliarden verspricht, ist Apple. Der HomePod soll noch heuer in die Geschäfte kommen.

Und auch der Softwarereise Microsoft steckte beim Konkurrenzgerät "Invoke" seine Assistentin Cortana in Lautsprechertechnik des Hifi-Spezialisten Harman, der im Frühjahr von Samsung gekauft wurde. Harman arbeite auch am Samsung-Lautsprecher mit, schrieb das "Wall Street Journal". Diese Kooperation bei dem Gerät mit dem internen Codenamen "Vega" habe bereits vor der Übernahme begonnen.

Wann Samsung sein Lautsprecher-Pendant auf den Markt bringen wird, ist derzeit noch nicht klar. Dies wird auch abhängen von der Software Bixby, deren Entwicklungsfortschritt und Markteinführung sich unter anderem aufgrund des Smartphone-Debakels mit dem Galaxy Note 7 im Herbst 2015 bis auf weiteres verschoben.

Die Resteverwertung

Das Smartphone-Debakel sowie der Korruptionsskandal um den Chef der Mobilfunksparte Kim Hong-Ji, der ein Enkel des Firmengründers ist, scheint Samsung dennoch halbwegs gut überstanden zu haben. Die aus dem Verkehr gezogenen Smartphones Galaxy Note 7 wurden zum Teil mit neuen Akkus umgerüstet und sollen noch diese Woche in den Handel gehen.

Im vorigen Herbst musste Samsung die Geräte vom Markt nehmen, nachdem sich binnen weniger Woche mehrere Geräte sich entzündet hatten. Samsung-Geräte wurden daraufhin als Sicherheitsrisiko eingestuft und von weit über einem Dutzend Airlines aus den Flugzeugen verbannt. Daraufhin hatte Samsung die gerade ausgelieferten Modelle von Galaxy Note 7 zurückgerufen. Rund 2,5 Millionen Geräte mussten weltweit zurückgenommen werden.

Ab Freitag im Heimatland Südkorea zunächst 400.000 Exemplare verkauft. Die überholte Version des Galaxy Note 7 kostet umgerechnet rund 540 Euro. Der Preis liegt damit etwa 30 Prozent unter dem des Originals.
Das Debakel hatte den Betriebsgewinn um mehr als fünf Milliarden Dollar (4,38 Mrd. Euro) geschmälert. Doch die größte Panne in der Mobilfunkgeschichte dürfte für den koreanischen Konzern überstanden sein. Die Konsumenten scheinen nach den ersten Eindrücken aus dem Debakel wieder Vertrauen gefasst zu haben. Das Nachfolgemodell des Pannensmartphones, das Galaxy S8, hatte sich in den vergangenen Monaten zu einem Verkaufsschlager entwickelt.

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