Handys: Rufnummer-Mitnahme zum halben Preis

Handys: Rufnummer-Mitnahme zum halben Preis

Die Mitnahme der Rufnummer beim Wechsel des Mobilfunkanbieters wird ab 1. März wesentlich billiger. Und auch für Unternehmen gibt es wesentliche Erleichterung, die Vielzahl der Telefonnummern zum neuen Anbieter zu portieren. Ab 26. Februar wird auch die Kündigungsfrist bei neu abgeschlossenen Verträgen verkürzt, womit die Wechselbereitschaft der Konsumenten befeuert werden kann.

Wien. Einst heftig umstritten, nach der Einführung fand die Portierung der Rufnummer beim Betreiberwechsel dann doch nicht die große Aufmerksamkeit. Die etablierten Netzbetreiber - etwa A1 - befürchteten vor der Einführung der Rufnummernmitnahme im Jahr 2003, dass viele ihrer Kunden zur günstigeren Konkurrenz damals vor allem zu Telering, One oder Drei abwandern, falls sie von einem kleineren Netzbetreiber einen günstigeren Tarif (und damals noch sogenannte Null- oder Ein-Euro-Handy). Der Wille der Österreicher zu wechseln blieb lange Jahr ein Nebenschauplatz.

Doch nun, 13 Jahre Später, steht der nächste große Schritt bevor. Der Netzbetreiberwechsel bei gleichzeitiger Mitnahme der Rufnummer zum neuen Anbieter soll billiger werden. Statt 19 Euro werden künftig an den abgebenden Betreiber nur noch zehn Euro fällig, wie die heimische Telekom-Regulierer RTR heute mitgeteilt hat. Ab 1. März gilt die Regelung.

Auch für Unternehmen gibt es wesentliche Erleichterungen: Maximal muss ein Unternehmen künftig das Entgelt für bis zu 80 Rufnummern zahlen (also maximal 800 Euro), ungeachtet ob es mehrere hundert Rufnummern zum neuen Netzbetreiber portieren will. Bisher war das Portierentgelt theoretisch pro Anschluss zu berappen. In der Praxis wurde bei der Portierung freilich gefeilscht bzw. waren Teil des Deals mit dem neuen Anbieter, der mit entsprechenden Zugeständnissen gelockt hat, heißt es in Mobilfunkkreisen.

NÜV soll einfacher werden

Der eigentliche Vorgang der Portierung - die Einholung der Nummernübertragungs-Information (NÜV-Information) - soll ebenso vereinfacht werden. Die NÜV-Info ist für die Durchführung der Rufnummernmitnahme erforderlich. Damit wird ein Überblick über die beim bestehenden Anbieter bis zum Ende der Vertragsdauer anfallenden Kosten dargestellt.

Zu heftige Diskussionen ist es bis zuletzt immer wieder gekommen, weil das Wechselprozedere zu lange gedauert hat. Versprochene zwei oder gar die maximal drei Tage werden bis heute oft nicht eingehalten. Einer der Gründe: Die hinterlegten Daten beim abgebenden Mobilfunker waren oft nicht aktuell.

Und noch eine Vereinfachung: Die NÜV kann künftig auch per E-Mail erfolgen. Bisher musste der Kunde ins Geschäft gehen. Vor Ort hatten die Netzbetreiber nochmals ein günstiges "letztes Angebot" (etwa durch einen günstigen Tarif, neues Handy zum Sonderpreis) gemacht, um den abwanderungswilligen Kunden nochmals zu einer Vertragsverlängerung zu überreden.

Einfacher kündigen

Mehr Bewegung in den Mobilfunkmarkt kann durch die neue Kündigungsfrist kommen. Wer ab dem 26. Februar einen neuen Vertrag abschließt, hat nur noch eine Kündigungsfrist von einem Monat. Dies gilt allerdings nur für Konsumenten. Die Kündigungsfristen von Unternehmern sind davon ausgenommen und können länger sein.

Weniger Portierungen

Das Portierungsgeschäft war zuletzt jedoch rückläufig. Vom 1. auf das 2. Quartal 2015 ist die Zahl der Portierungen mobiler Rufnummern um 8,0 Prozent auf 48.886 genutzten Rufnummern sogar zurückgegangen. im ersten Halbjahr 2015 gingen im Vergleich zum Vorjahr die die Zahl der Portierungen von 128.000 auf 102.056 zurück.

Dennoch wird die RTR nicht müde die Bedeutung der neuen Rahmenbedingung zu betonen. „Das ist ein wichtiger Schritt, den Wechsel des Mobilfunkanbieters für Kundinnen und Kunden finanziell zu erleichtern“, meint Johannes Gungl, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post.

Im Jahr 2003 gingen die Befürworter der Portierung - das waren die kleineren Anbieter und Herausforderer des Ex-Monopolisten A1 - noch davon aus, dass die Zahl der zu portierenden Rufnummern locker pro bei über einer halben Million Kunden Anklang finden würden. Studien aus Hongkong, einem stark durch Wettbewerb fokussierten Markt, sollten als Argument herhalten, dass das Potenzial sogar noch höher liegen könnte. In Hongkong hatten pro Jahr bis zu 1,5 Millionen Kunden die Rufnummer zu ihrem neuen Netzbetreiber mitgenommen.

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