Warum die Nintendo-Aktie über 20 Prozent an Wert gewonnen hat

Warum die Nintendo-Aktie über 20 Prozent an Wert gewonnen hat

Die "Pokemon"-Figuren sind seit den 1990er-Jahren vor allem unter Kindern sehr bleiebt - als Handy-Spiel feiern sie nun ein Revival.

Positive Meldungen sind bei Nintendo eher rar: Die Spielekonsole Wii U entwickelte sich zum Ladenhüter, mobile Geräte fielen dem Smartphone-Boom zum Opfer. Aufgrund eines aktuellen Verkaufsschlagers setzen Investoren aber nun auf eine Trendwende beim gebeutelten japanischen Konzern.

"Wenn sich eine große Anzahl von Quapsel in deiner Umgebung aufhalten, aber keine Quaputzi in der Nähe sind, kannst du ganz viele Quapsel einfangen, um schließlich eins davon zu einem Quaputzi entwickeln zu können," heißt es auf der Website des Handyspiels "Pokemon Go". Für die meisten Leser von trend.at dürften diese Worte recht wenig Sinn ergeben - deutlicher ist da schon die Sprache, die Nintendos Aktie spricht: Diese stieg am Montag an der Börse Tokio um 24,52 Prozent auf einen Wert von 20.260 Yen, nachdem sie schon am Freitag deutlich im Plus geschlossen hatte.

Was die Pokemons mit dem Profit der Anleger zu tun haben, das ist leicht erklärt: Das besagte Handy-Spiel des Nintendo-Konzerns entwickelt sich in Australien, Neuseeland und den USA zu einem regelrechten Hit. Kein Tech-Blog auf der anderen Seite des Atlantiks kann den bahnbrechenden Erfolg des Pokemon-Spiels ignorieren, soziale Netzwerke sind überfüllt mit Screenshots, die Nutzer von dem Spiel gemacht haben. Früher hätte man einen derartigen Publikumserfolg als "Straßenfeger" bezeichnet, doch dieser Ausdruck ist hier fehl am Platz. Denn "Pokemon Go" ist ein so genanntes "Augmented Reality"-Spiel: Über die Kamera des Smartphones sehen die Spieler ihre reale Umgebung, in der zusätzliche Fantasiefiguren - die Pokemons - auftauchen. Aufgabe des Spielers ist es, diese Figuren einzusammeln.

Ein Nebeneffekt dieser Herangshensweise ist, dass die Nerds ihre dunklen Dachböden verlassen und auf die Straße zurückkehren - mit teils recht obskuren Folgen: In sozialen Netzwerken beklagen sich manche Nutzer, dass das Plus an Bewegung ihnen Muskelkater verursacht. In einem Fall entdeckte eine Spielerin auf der Suche nach dem nächsten Pokemon eine reale Wasserleiche und alarmierte umgehend die Polizei. Ein anderes Mal lockten Kriminelle die ahnungslosen Spieler über gefälschten Hotspots - die "Pokestops" - an einen entlegenen Ort, um sie dort auszurauben.

Google-Spinoff brachte den Erfolg

Entwickelt wurde das Spiel nicht von Nintendo selbst, sondern vom US-Unternehmen Niantic. Dieses ist in der mobilen Gaming-Szene kein unbeschriebenes Blatt, feierte es doch zuvor mit dem Handy-Spiel "Ingress" Erfolge: Auch hier rennt der Spieler mit seinem Smartphone in der Gegend herum und muss diverse Hotspots erobern. Niantic Labs wurde 2010 von Mitarbeitern des Google-Konzerns gegründet und im Oktober 2015 aus Google ausgegliedert, nachdem dort der Entschluss gefallen war, das Unternehmen in "Alphabet" umzubenennen und neu zu strukturieren.

Während sich Ingress auch in Europa großer Beliebtheit erfreut, müssen Pokemon-Fans in Österreich noch abwarten: Derzeit kann das Handy-Spiel nur in ausgewählten Ländern heruntergeladen werden, der hiesige Start wird sich nach jüngsten Informationen noch verzögern - unter anderem, weil es auf Grund des massiven Andrangs in den bestehenden Märkten zu einer Überlastung der Server kam, heißt es von Nintendo.

Trendwende in Tokio?

Für Nintendo könnte der Erfolg von Pokemon Go eine Trendwende markieren - denn das Spiel mit den putzigen Tierchen ist das erste Handy-Game, mit dem der japanische Konzern einen durchschlagenden Erfolg verzeichnen kann. Zuvor hatten sich die Japaner jahrelang gesträubt, im Markt der Handy-Spiele mitzumischen, da man eine Kannibalisierung des eigenen Geschäfts mit mobilen Spielekonsolen fürchtete. Doch diese Herangehensweise entpuppte sich als Eigentor: Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende März zu Ende ging, sanken die Verkäufe der mobilen Nintendo-Konsolen um gut 22 Prozent auf 6,79 Millionen Geräte, die Zahl der verkauften Spiele brach um ein Drittel ein - die Spieler zocken nun mal lieber auf dem iPhone, als ein weiteres Gerät mit sich herum zu schleppen.

Mit entsprechender Begeisterung wird es von Aktionären begrüßt, wenn Nintendo Erfolge im Segment der Smartphone-Spiele verzeichnet - das war schon im März vergangenen Jahres so: Damals gab das Unternehmen seine Entscheidung bekannt, statt nur für die eigene Hardware auch Spiele für die weit verbreiteten Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS anzubieten. Die Aktie stieg an nur einem Tag um 21,31 Prozent.

Wii U bleibt ein Ladenhüter

Die Erfolge im Smartphone-Segment stehen allerdings im Schatten von Nintendos Kerngeschäft: die Wii U, Nintendos Spielekonsole für das Wohnzimmer, verkauft sich deutlich schlechter als die Konkurrenzprodukte von Sony und Microsoft. Für das aktuelle Geschäftsjahr, das bis Ende März 2017 läuft, prognostiziert Nintendo einen Absatz von nur noch 800.000 Geräten. In dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr verkaufte sich die Wii U noch 3,26 Millionen Mal. Insgesamt setzte Nintendo seit dem Start Ende 2012 bisher 12,8 Millionen Geräte der Wii U ab, von der 2006 gestarteten Vorgänger-Konsole Wii hatte der Konzern noch mehr als 100 Millionen Stück verkauft.

Im März 2017 will Nintendo eine neue Spielekonsole auf den Markt bringen und damit der Konkurrenz die Stirn bieten.

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