Olympische Winterspiele 2018: Daten auf Speed

Olympische Winterspiele 2018: Daten auf Speed

Schneller, höher, stärker: Getreu dem Motto der Olympischen Spiele wird in Pyeongchang die fünfte Generation des Mobilfunks (5G) zeigen, wozu sie imstande ist.

Südkorea ist Vorreiter bei der Entwicklung und beim Ausbau der 5G Technologie. Zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang wollen die lokalen Anbieter bereits ein 5G-Netz vorführen. Warum die nächste Generation der Mobilfunknetze mehr bietet als ein schlichtes Upgrade, warum die Digitalisierung auf diese Netze angewiesen ist und warum die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft davon abhängen kann.

Zwei Sänger intonieren ein Ständchen: Inbrünstig schmettern sie im Duett. Beeindruckend ist hier nicht der Gesang an sich, sondern der Umstand, dass sie - räumlich getrennt - live singen, verbunden über eine gemeinsame Datenleitung. Wer sich die Zukunft der Telekommunikation vorstellen will, hat zwei Möglichkeiten: Die Fantasie spielen zu lassen oder eine Fact-Finding-Mission in Asien zu unternehmen. In Japan oder Korea sind viele der möglichen Anwendungsszenarien des Mobilfunks von morgen bereits im vorkommerziellen Stadium zu besichtigen; und die Telekomindustrie gerät schier in Verzückung darüber, was mit dem neuen Standard 5G (fünfte Generation) alles möglich sein wird.

Mit dem neuen Standard werden die Daten nicht nur erneut ordentlich beschleunigt durch die Netze flitzen, ändern wird sich dadurch aber noch mehr. 5G wird als der Schlüssel betrachtet, mit dem die im Diskurs omnipräsente Digitalisierung tatsächlich Alltag werden kann. "Die Industrie legt zu Recht große Hoffnung auf diesen Technologiestandard", sagt Telekom-Experte Karim Taga vom Berater Arthur D. Little. "Telekomanbieter könnten in der Digitalisierung vieler Industrien eine Schüsselrolle spielen." Will heißen: Sie arbeiten intensiv an Konzepten, nicht nur den nackten Datentransport zu übernehmen, sondern tiefer in die Wertschöpfungskette einzelner Branchen vorzudringen, etwa Komplettlösungen für die Vernetzung von Maschinen anzubieten, intelligente Stromzähler und Produkte für die Heimvernetzung (Smart Home) zu liefern, Infrastrukturen für ganze Städte, die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen zur Verfügung zu stellen. "Noch ist für Telekomanbieter diese Rolle als Plattformbetreiber neu", sagt Taga, "am ehesten ist es im Smart-City-Bereich zu beobachten." Was am Smartphone eine App ist, könnte in einem smarten City-Netz ein Bürgerdienst sein - von einer optimal gesteuerten Müllabfuhr bis zum smarten Parkpickerl.

Pyeongchang: Die Daten-Olympiade

Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie so eine Plattform im Echtbetrieb laufen könnte, wird es zu den Olympischen Spielen in Südkorea geben, wo Austragungsstätten und andere Hotspots mit einem 5G-Netz verbunden sind und alle Beteiligten, vom Sportler bis zum TV-Sender, sich in dieses Ökosystem einloggen und Dienste nutzen können: Das soll von selbstfahrenden Bussen bis hin zu spektakulären neuen Liveübertragungen reichen. In Pyeongchang wird der neue Datenspeed seinen ersten wichtigen Feldtest zu bestehen haben.

Sportliche Großereignisse sind eine gute Bühne: Im Alltag werden andere Technologien Einzug halten. Blockchain, künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge - kein Digitalisierungsbestreben kommt ohne 5G aus. Anders gesagt: Ohne starke Datenleitung keine Intelligenz, nichts ist "smart". Der konkrete Nutzen wird für Unternehmen und Konsumenten daraus bestehen, dass Kommunikation tatsächlich in Echtzeit geschieht und IT-Anwendungen noch enger mit Telekommunikation verschmelzen werden.

5G - Mobilfunk der nächsten Generation

  • In der nächsten Ausbaustufe der Mobilfunknetze ändert sich einiges - vor allem im Netzdesign: Da die Reichweite geringer ist, müssen die Netze engmaschiger werden.
  • Dafür kann auf den Frequenzen ein Vielfaches an Daten transportiert werden, und das in einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Die japanische KDDI und Samsung schafften Anfang Dezember bereits eine Datenübertragung von 1.700 Megabit pro Sekunde in einem 100 km/h fahrenden Zug. Zum Vergleich: Die aktuellen Durchschnittsgeschwindigkeiten in Österreich liegen mobil bei 30 Mbit.
  • Das Signal wird im Endausbau gerade mal um eine Millisekunde verzögert sein - damit reagiert die Telekommunikation erstmals so schnell wie die menschlichen Nervenzellen.
  • Noch arbeitet die Industrie an der Erarbeitung gemeinsamer Standards, ab 2025 sollen 5G-Netze aber auch in Europa in Live-Betrieb gehen.

5G als Standortfrage

Auch die Politik hat 5G mittlerweile als Schlüsselkompentenz für die Digitalisierung identifiziert. Die für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissarin Mariya Gabriel will den 5G-Ausbau in der EU konzertiert und rasch vorantreiben. "Wir dürfen diesen Zug nicht verpassen und uns nicht von Ländern wie Korea und Japan abhängen lassen. Das Schicksal Nokias sollte uns eine Lehre sein." Abfahren wird der Zug aber wohl doch etwas später als geplant. War Gabriels Vorgänger noch von einem 5G-Start im Jahr 2020 ausgegangen, haben sich die Infrastrukturminister Anfang Dezember auf einen realistischeren Fahrplan verständigt: "Bis zum Jahr 2025 wollen wir ein gut ausgebautes Netz in allen großen Städten und entlang der Hauptverkehrsrouten in jedem Mitgliedsstaat", sagt die estnische IT-Ministerin Urve Palo.

Ein zügiger Ausbau tut tatsächlich Not, denn der Bandbreitenbedarf steigt schneller, als die Kapazitäten derzeit erweitert können. Der Netzwerkkonzern Cisco misst das regelmäßig im globalen Kontext und erwartet allein für Deutschland, dass der Bedarf bis zum Jahr 2021 doppelt so schnell wachsen wird, wie Kapazität zur Verfügung gestellt werden kann.

5G-Kraft für Österreich

Möglichst schnell in die kommerzielle Umsetzung zu kommen, will natürlich auch die österreichische Politik. Schon die alte Bundesregierung wollte Österreich zu einem 5G-Vorzeigeland machen - ein Plan, auf den sich sicher auch die neue verständigen wird. Als Erstes müssen dafür allerdings die Frequenzen versteigert werden, und das wird im Herbst 2018 passieren. Der heimische Telekom-Regulator Johannes Gungl hat mit potenziellen Interessenten bereits erste Gespräche geführt und bezeichnet diese Konsultationsphase als sehr konstruktiv. Die von den großen Mobilfunkanbietern präventiv geäußerten Bedenken, dass eine zu teure Versteigerung dem Standort schade, nimmt Gungl schon den Wind aus den Segeln. Die Erlöse werden "deutlich niedriger" ausfallen, sagt er, und verweist auf die bereits erfolgten Auktionen in Irland, Tschechien und Ungarn. Gungl hält das irische Ergebnis am ehesten mit dem für Österreich zu erwartenden, vergleichbar. Irland hat 78 Millionen Euro erlöst.

Spannend wird es in Österreich auch aus einem anderen Grund: Es gibt mehr Interessenten als beim letzten Mal. Energieversorger und lokale Telekomanbieter sind ebenfalls am Evaluieren. Bei den Erstgesprächen waren 15 Interessenten dabei. Gungl ist optimistisch, "genug Bandbreite für alle" zu haben. A1-Technikvorstand Marcus Grausam kann sich durchaus vorstellen, dass "man in manchen Regionen ein gemeinsames Netz aufbaut, damit schneller ist und rascher Wertschöpfung erzielt".

Was die Killeranwendungen sein werden, wagen aber selbst die Experten kaum zu prophezeien. Gerhard Fettweis, 5G-Koordinator an der Uni Dresden, glaubt, "dass die ersten Anwendungen eher nicht die sein werden, wo es um Leben oder Tod geht." Autonomes Fahren wird nicht die erste Massenanwendung. In der Dringlichkeit steht das Lösen von Logistikproblemen weit oben auf der mobilen Bedürfnispyramide. Der japanische Telekomkonzern NTT DoCoMo will schon 2019 ein selbstlernendes Programm am Smartphone anbieten, das Nutzer irgendwo am Land erkennt und ihnen in Kombination mit den öffentlichen Verkehrsmitteln den besten Transportweg vermittelt. Das wäre dann Autostoppen mithilfe künstlicher Intelligenz.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 50-52/2017 vom 15. Dezember 2017 entnommen.

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