Österreich bei Glasfaser-Ausbau Schlusslicht in Europa

Österreich bei Glasfaser-Ausbau Schlusslicht in Europa

Beim schnellen Internet geht reflexartig der Ruf an den Staat. Doch auch Telekom-Companys, Gemeinden und ganze Regionen stehen in der Pflicht selbst aktiv zu werden.

Hochleistungsfähige Internetleitungen via Glasfaser sind in der Alpenrepublik Mangelware. Der flächendeckende Glasfaserausbau bis zum Endkunden ist teuer. Und es wird noch lange dauern. Der Ruf nach dem Staat wird lauter. Es gibt aber auch andere Lösungen.

Wien. Hochwertige Glasfaseranschlüsse bis zum Konsumenten (FTTH) oder zu Gebäuden (FTTH/B) sind in Österreich noch Mangelware. Aber auch in der EU ist die Verbreitung im Rückstand gegenüber anderen Regionen der Welt. Und das wir wohl auch noch lange so bleiben. Europaweit ist Österreich bei diesen Anschlüssen auf dem letzten Platz. Die Gründe dafür sind laut Nachfrage beim Telekomregulator RTR vielfältig.

Der Versorgungsgrad mit FTTH und FTTH/B liegt in Österreich laut Computer Measurement Group (CMG-AE) bei nur 1,1 Prozent. Damit ist die Alpenrepublik hinter Serbien mit 1,4 Prozent letzter in Europa. Zum Vergleich hat der führende Staat in Europa, Lettland, einen Anbindungsgrad von 50,6 Prozent. Das macht weltweit immerhin den zehnten Rang.

Allerdings: Wie Österreich ist auch Deutschland noch weit abgeschlagen und hält mit 2,3 Prozent Glasfaserabdeckung nur den fünftletzten Platz im CMG-AE-Ranking. Der EU-Durchschnitt liegt bei 13,9 Prozent.

Weltweit führend sind die Vereinigten Arabischen Emirate mit 94,3 Prozent gefolgt von Katar mit 90,4 Prozent und Singapur mit 90,3 Prozent.

Die Preisschere

Die Gründe für die schwache Abdeckung in Österreich seien laut Telekom-Regulator RTR vielfältig. Die Kosten für die Verlegung seien hierzulande vergleichsweise hoch, gleichzeitig sind die Preise, die Telekom-Operator vom Kunden einheben können, gering. Und auch bei der Zahlungsbereitschaft für höhere Bandbreiten schaut es in Österreich eher schlecht aus. Verglichen mit anderen Staaten wie etwa Spanien (33,9 Prozent Versorgungsgrad), Portugal (29,1 Prozent) oder Frankreich (14,9) fehle es an bestehenden Leerrohren. Vor diesem Hintergrund sei ein schrittweiser Ersatz des Kupfernetzes durch Glasfaser zuerst zum Hauptverteiler, dann weiter zum Kabelverzweiger und teilweise bis zu den Häusern, eher wirtschaftlich vertretbar.

Die Breitbandförderung für Anschlüsse zu den Haushalten sei laut RTR außerdem noch nicht "sichtbar". Das liege daran, dass viele Projekte gerade umgesetzt werden.

Die großen Hoffnungen, dass mit der nächsten Mobiflunktechnologie 5G ein entscheidender Sprung gemacht werden könnte, dämpft die RTR. Die deutlich höhere Bandbreiten an der Luftschnittstelle alleine würde freilich nicht genügen. 5G hängt auch davon ab, ob die Antennen bzw. die Basisstationen mit Glasfaser angebunden sind. "Also wird ein weiterer Glasfaserausbau sowohl im Festnetz als auch als Bassi für den Mobilfunk erforderlich sein", glauben die Experten der RTR.

Die Region als Verbund

CMG-AE-Vizepräsident Heinz Pabisch wies im Zusammenhang mit der Finanzierung von Glasfaserversorgung darauf hin, dass Gemeinden auch selbst aktiv werden müssten. Es sei der falsche Ansatz, Glasfasernetze nur mit Förderungen der öffentlichen Hand anzugehen. "Glasfasernetze sind genauso zu finanzieren wie andere Infrastrukturvorhaben auch." Daher sollten einzelne Kommunen Kooperationen eingehen, um als Region aufzutreten.

Dies wäre auch ein klares Zeichen an künftige Investoren. "Dadurch werden Gemeinden von jenen Investoren überhaupt erst wahrgenommen, die langfristige Projekte suchen und intelligente Finanzierungsvarianten ermöglichen". meint Pabisch. Das würde auch die öffentliche Hand zu einem guten Teil entlasten und insgesamt die Umsetzung von Infrastrukturvorhaben beschleunigen. Wo der Ausbau wirtschaftlich nicht möglich sei, blieben Förderungen freilich "wünschenswert und erforderlich".

Auch Nina Krecht-Hammerschmidt, Loan Officer bei der Europäischen Investitionsbank (EIB), gibt zu bedenken, dass es Gemeinden gebe, die beispielsweise aufgrund ihrer Größe oder geografischen Lage für den marktwirtschaftlichen Infrastrukturausbau schlichtweg uninteressant seien: "Aus eigener Kraft lässt sich ein Ausbau nicht finanzieren."

Digital

Datenforum 2018: Rechtssicherheit im Dialogmarketing & CRM

KTM Innovation GmbH Geschäftsführer Walter Sieberer

Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft

Ready for Digital: KTM vernetzt das Motorrad

Nach dem Tequila steht Tesla-Chef Musk auf Video-Games

Digital

Nach dem Tequila steht Tesla-Chef Musk auf Video-Games