IBM-Watson-CMO Newman: "Watson kann sehen und hören"

Deon Newman, Chief Marketing Officer von IBMs Supercomputer Watson IoT, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Alltag, die Bedeutung für die Wirtschaft und die Angst vor Datenmissbrauch.

IBM-Watson-CMO Newman: "Watson kann sehen und hören"

Deon Newman, Watson IoT: "Es geht immer um Mensch mit Maschine, nicht um Maschine gegen Mensch."

trend: Mit Watson verbindet man meist die amerikanischen TV-Spieleshow "Jeopardy", bei der der Supercomputer im Jahre 2011 gewonnen hat. Was geschah mit Watson nach der Show, und wo ist der Unterschied zu Ihrem heutigen System?
Deon Newman: Der Auftritt bei Jeopardy war ein Experiment mit der Aufgabe, herauszufinden, ob es möglich ist, einen Computer derart zu programmieren, dass er menschliche Sprache versteht sowie den Inhalt im Kontext analysieren und entsprechende Antworten finden kann - und das sehr schnell. Seit damals haben wir Watson gezielt weiterentwickelt und mit vielen Fähigkeiten ausgestattet, um verschiedene Aufgabenstellungen zu lösen. Aber auch die Welt hat sich völlig verändert: Heute gibt es enorm viele Daten von unterschiedlichsten Quellen. Alles und jedes wird zunehmend digitalisiert. Und dafür benötigt man ein System, quasi ein Gehirn, um alle Muster, die in diesen Daten enthalten sind, zu identifizieren und zu visualisieren.

Welche Aufgabenstellungen sind das?
Newman: Das beginnt im Gesundheitswesen, wo Watson zum Beispiel Onkologen dabei unterstützt, alle Forschungsergebnisse zu durchforsten, um für ein konkretes Krankheitsbild die optimale Behandlungsmethode zu finden. Schließlich ist kein Arzt der Welt in der Lage, sämtliche Forschungsergebnisse zu lesen und stets parat zu haben - Watson hingegen schon. Watson wird auch in der Finanzindustrie eingesetzt, um etwa Aktienempfehlungen abzugeben oder Manager bei ihren finanziellen Entscheidungen zu unterstützen. Das System lässt sich im Versicherungsbereich nutzen, um Auffälligkeiten im Datenbestand zu finden und so rechtzeitig Problemfälle zu identifizieren. Watson kann aber auch mit Drohnen zusammenarbeiten, um etwa im landwirtschaftlichen Bereich Feldanalysen für Bauern durchzuführen, damit sie wissen, wo sie mehr oder weniger düngen oder bewässern sollten.

Ihr System heißt in der Zwischenzeit ja auch Watson IoT, wobei IoT für "Internet of Things" steht, womit die Vernetzung aller Dinge gemeint ist. Ist das Internet der Dinge für Watson so etwas Ähnliches wie für uns die menschlichen Sinne?
Newman: Mit Hilfe von IoT kann Watson tatsächlich sehen, hören oder spüren. Ein Beispiel: Wenn in einem Gebäude am Boden Flüssigkeit ausgeschüttet wurde, kann Watson dies über die Überwachungskameras erkennen und das Gebäudemanagement darauf aufmerksam machen oder aber auch gleich die Reinigungsfirma verständigen und auf diese Weise einen Unfall verhindern. Wenn jemand ein Hochgeschwindigkeitsboot fährt, kann Watson dem Kapitän alle relevanten Informationen, die von den am Schiff angebrachten Sensoren stammen, quasi als Kopilot mitteilen. Und mit einer Akustikanalyse ist Watson in der Lage, zu hören, sobald eine Maschine unrund läuft, und so einen drohenden Maschinenschaden abwenden, lange bevor ein Warnsignal auf einer herkömmlichen Anzeigetafel aufleuchten würde.

Das müsste ja auch für die Wartung von Maschinen von großer Bedeutung sein.
Newman: Genau, das ist der Bereich von Predicitive Maintenance. Angenommen, es ist ein Wartungsintervall von vier Monaten vorgeschrieben mit der Verpflichtung, bestimmte Teile aus Sicherheitsgründen auszutauschen, dann kann das recht teuer werden. Mit Watson müssen die Teile hingegen nur noch ausgetauscht werden, wenn es wirklich nötig ist. Das maximiert die Nutzungsdauer und kann viel an Kosten ersparen.

In welcher Form bietet IBM die Services von Watson an?
Newman: Konkret sind es derzeit 38 Dienste, die wir im Rahmen der IBM-Cloud anbieten. Wir betten diese Anwendungen in unsere IoT-Plattform ein, nutzen Sie für unsere Asset-Management-Software, unser Predictive-Maintenance-Angebot, unsere Manufacturing-Systeme und so weiter. Ein gutes Beispiel ist die kürzlich beschlossene Kooperation zwischen IBM und ABB, um gemeinsam mit Hilfe von Watson neue Produkte zu entwickeln - etwa zur automatisierten Maschineninspektion oder um Stromnetze effizienter zu betreiben und zu warten.

Müssen Ihre Kunden dabei unbedingt Ihre Produkte und Dienste nutzen, oder gibt es eine andere Möglichkeit, die Intelligenz von Watson einzusetzen?
Newman: Ja, Kunden haben auch die Möglichkeit, eigene Anwendungen mit unseren kognitiven Fähigkeiten zu ergänzen.

Sie haben im Februar in München die Zentrale von Watson IoT mit einer Investition von 200 Millionen Dollar eröffnet. Warum gerade in München?
Newman: Es ist das erste Mal in unserer Geschichte, dass wir eine derartige Konzernzentrale außerhalb der USA errichtet haben. Der Grund liegt in der Technologie: Gerade in und rund um München sind viele verschiedene spannende Betriebe angesiedelt - Industrien, die enorm viele Datenmengen produzieren und damit eine gute Voraussetzung für unsere Technologie sind.

Auch Amazon und andere arbeiten an dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. Wo ist der Unterschied etwa zu Alexa?
Newman: Alexa ist eine sehr gute Spracherkennung, sie versteht, was gefragt wird, und sucht nach den richtigen Antworten. Wir haben hingegen in den letzten acht Jahren eine Reihe von vielfältigen Fähigkeiten entwickelt, um nicht nur zu verstehen, was die Leute sagen, sondern auch daraus zu lernen und andere Informationen miteinzubeziehen. Watson ist ein System, das nie aufhört, selbstständig dazuzulernen und zu wachsen. Es schärft die eigenen Algorithmen, reflektiert seine Antworten und liefert immer bessere Ergebnisse.

Klingt ein bisschen nach Science-Fiction und weckt auch Ängste. Was erwidern Sie Leuten, die Angst vor dem Missbrauch ihrer Daten haben?
Newman: Erstens haben wir da ein klares Prinzip: Die Daten der Menschen gehören ausschließlich ihnen selbst. Wir nutzen auch keine Daten, indem wir dafür quasi als Bezahlung Werbung schalten. Zweitens sind Datensicherheit und Verschlüsselung bei uns stets ein sehr wichtiges Thema. Bevor etwa IoT-Geräte, also zum Beispiel Sensoren, in die Cloud eingespeist werden, machen wir immer darauf aufmerksam, unbedingt die Werkseinstellungen durch eigene Passworte zu ersetzen. Und drittens setzen wir Watson auch dazu ein, um innerhalb des Systems nach Sicherheitslecks zu suchen oder Auffälligkeiten zu entdecken und entsprechend darauf zu reagieren.

Watson wird also nicht der nächste HAL - der Computer aus "2001: Odyssee im Weltraum"?
Newman: Nein, ganz sicher nicht. Wir sagen zu den Fähigkeiten von Watson auch nicht so gerne "künstliche Intelligenz", wir bevorzugen den Begriff Augmented Intelligence, die die Menschen unterstützt. Es geht bei uns immer um Mensch mit Maschine, nicht um Maschine gegen Mensch.


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