Der Mobilfunk in Österreich zementiert sich endgültig ein

Der Mobilfunk in Österreich zementiert sich endgültig ein

Eine Analyse. Die von der Mobilfunkbranche vor gut drei Jahren geforderte Konsolidierung des Marktes hat die Positionen und vor allem Marktanteile der drei verbliebenen Netzbetreiber einzementiert. Auch wenn alternative Anbieter leicht dazugewinnen konnten, ist der Dreikampf von Telekom Austria, T-Mobile und Drei ein Match ohne Herausforderung. Ein Triple-Win-Situation - ohne Kontrolle.

Nichts geht mehr an Österreichs Mobilfunkmarkt. Mehr als nur ein Schattenboxen rührt sich an dem einst hoch kompetitiven Markt in der Alpenrepublik nicht mehr. Nach der Übernahme von Orange Austria durch Hutchison Drei Austria (Drei - für 1,5 Milliarden Euro - ist der Wettbewerb trotz EU-Auflagen und Vorgaben der heimischen Wettbewerbsbehörde - eingeschlafen.

Nur einen Weckruf hat es kürzlich im Vorjahr gegeben, als Hofer, Spusu, UPC und Allianz als Netzbetreiber ohne eigene Netzinfrastruktur (MVNO) gestartet sind.

Von einem richtigen Wettbewerb ist seit der Übernahme von Orange durch Hutchison Drei Austria (Drei) im Jahr 2013 nicht die Rede. Der Preisindex im Mobilfunk ist kurz nach der sogenannten Konsolidierung von 80 um über 20 Basispunkte auf über 100 gestiegen. Und die Kunden waren die vergangenen Jahre durch zweijährige Verträge an den Netzbetreiber gebunden. Und der Kunde neigt freilich nicht alles zwei Jahre zu wechseln, weil er einfach auf das nächste iPhone spitzt, das nicht billig, aber zu Fast-Diskonttarifen angeboten wird. Und Tarifvergleiche sind ohnehin zu aufwändig.

Der Stellungskampf

Die Marktanteile der drei verbliebenen Netzbetreibern mit eigener Netzinfrastruktur ist nahezu unverändert. Kleine Verwacklungen, um 0,1 oder 0,2 Prozent oder gar 0,3 Prozentpunkte Marktanteile pro Betreiber - hin- oder her, rauf oder runter - sind das Ergebnis der Marktstudie, die quartalsweise von Österreichs Telekom-Regulator RTR alle drei Monate via Telekom-Monitor mit einer Zeitverzögerung von fünf Monaten meldet.

In aktuellen Zahlen - abgerechnet per Ende September, 3. Quartal 2015, überraschen daher kaum: Marktführer Telekom Austria (A1, bob) kam im 3. Quartal 2015 auf einen Marktanteil von 40,5 Prozent (5,4 Mio. Kunden - plus 0,3% Zuwachs oder 100.000 Kunden), T-Mobile hält bei genauso viel Kunden wie zum Sommer 2015, verliert aber nach Marktanteilen auf 28,5 Prozent (um minus 0,7 Prozentpunkten, unverändert bei 3,8 Mio. Kunden) und auch Hutchison Drei Austria kann ebenso die Kundenanzahl von 3,7 Mio. Kunden halten, verliert aber auch Marktanteile auf 28,0 Prozent um minus 0,8 Prozent.

Und auch umsatzseitig geht's wieder in die Höhe. Im 3. Quartal 2015 ist der gesamte österreichische Mobilfunkbereich um 3,7 Prozent auf 646,7 Mio. Euro gegenüber dem Vorquartal. gewachsen, was in einem Markt mit angeblich sinkenden Preisen und Verdrängungswettbewerb eher etwas außergewöhnlich ist.

Die Nische

Die Vielzahl von MVNO, also Mobilfunker ohne eigenem Mobilfunknetz hat dazu gewonnen: Nach Marktanteilen von 2,4 Prozent auf beträchtliche 3,0 Prozent, was 403.000 Kunden sind. Der Zuwachs: Ganze 90.000 Kunden, die in einem Quartal dazugekommen sind. Über ein Dutzend MVNO und Wiederverkäufer teilen sich die Nische.

Apropos Wettbewerb: Die Bundeswettbewerbshörde hatte Anfang 2014 Ermittlungen angekündigt. Einfacher Beweggrund: Der Wettbewerb hat trotz Auflagen zum Orange/Drei-Deal nicht mehr so funktioniert, wie es die Intention der Wettbewerbshüter von BWB und EU berechnet hatten. Doch in der Zwischenzeit ist der Wettbewerbsaufsicht die Kompetenz abhanden gekommen. Die Telekom-Experten der Wettbewerbshüter haben die Leibchen gewchselt und zum Teil "rüber gemacht". Sie sind in die Telekom-Branche oder sonst wohin gewechselt. Die Telekom-Überwachung ist eit fast zwei Jahren so gut wie verwaist, was sie selbst auch per Aussendung zugegeben hat.

Doch ein Hoffnungsschwimmer scheint es am Horizont der Wettbewerbshüter zu geben: Im März (2016, also heuer, und demnächst), will die Bundeswettbewerbsbehörde versäumte Hausübungen nachliefern. Angeblich soll aber nur das Jahr 2014 unter die Lupe genommen worden sein (heißt es rein gerüchteweise bei den Mobilfunkern).

Wonderland Österreich

Die Mobilfunker wird das prolongierte Tohuwabohu auf Seiten der Bundeswettbewerbsbehörde freuen, da ihr Markt bis auf Weiteres einzementiert ist und auch bleibt. Boshaft gesagt: Staatlich garantierte Marktoptimierung. Und gegenüber der Regierung kann weiterhin geschimpft, getadelt und Bashing betrieben werden, weil die Gebühren aus der Mobilfunkversteigerung zu hoch ist. Und der Staat nicht einfach eine Branche mit Subventionen füttern will, wie es die Mobilfunker gerne hätten, die dann auch einmal gerne die Rute "Arbeitsplatz" ins Fenster stellt.

Und jedes Jahr wird das Schattenfechten und Schulterklopfen um "Das beste Netz Österreichs" mit der unabhängigen Instanz eines deutschen Telekom-Magazins mit Inbrunst, Stolz und (Vor-) Freude stattfinden. Und jeder hat dann das schnellste, am weitesten ausgebaute Netz, das Super-LTE oder "Wer-weiß-wie-noch-was-Netz" in Österreich, obwohl es da beträchtliche Unterschiede gibt - beim ein- und demselben Netzanbieter.

Und Zahlen, Daten und Fakten und deren klare Analyse durch die Bundeswettbewerbsbehörde - ob Wettbewerb funktioniert oder nicht - werden bis auf Weiteres nicht beigebracht werden können - aus welchem Grund auch immer.

Und somit scheint allen geholfen, unbequeme Störfeuer von neuen Mitbewerbern wie MVNO bleiben aus, minimiert und nicht zu beachtenden Ausnahme. Wettbewerb unter der Kontrolle der großen Drei - ein Triple-Win-Situation. Und findet nicht mehr unter den Augen strenger Wettbewerbshüter statt. Marktregulierung à la felix Austria eben.

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