Michael Krammer wird Aufseher bei Schweizer Sunrise

Michael Krammer wird Aufseher bei Schweizer Sunrise

Michael Krammer wird bei Sunrise Aufseher und trifft auf einen gemeinsamen Mitstreiter aus früheren Jahren - in einer anderen Rolle.

Der Chef des Mobilfunkanbieters Ventocom und Präsident von Rapid Wien, Michael Krammer, zieht in den Aufsichtsrat des Schweizer Telekomunternehmen Sunrise ein, wo derzeit kräftig umgerührt wird.

Wien/Zürich. Beim Schweizer Telekomunternehmen bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Im Management und Aufsichtsrat (Anm. in der Schweiz Verwaltungsrat genannt) wird kräftig umgerührt, nachdem Sunrise Mitte März einen neuen Hauptaktionär bekommen hat. Die britische Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners hatte ihr Aktienpaket von 23,8 Prozent an den deutschen Telecom-Dienstleister Freenet für 778 Mio. Franken verkauft. Freenet hat zudem die Option, zusätzliche 0,7 Prozent des Grundkapitals.

Nun werden auch die Posten neu betezt. Sunrise hat Peter Kurer zum neuen Verwaltungsratspräsidenten ernannt. Olaf Swantee (einst Europa-Chef von Orange und Ex-Chef von Everything Everywhere in England) löst Libor Voncina als Sunrise-Chef ab. Gemeinsam mit Robin Bienenstock freut sich der Österreicher Michael Krammer, ab Mai 2016 als „non executive board member“ dem Verwaltungsrat von Sunrise anzugehören. Beide werden auch Teil des Prüfungsausschusses des Verwaltungsrats sein.

Ventocom-Chef Michael Krammer aus Österreich wird ab Mai einer der Hauptaufseher sein. Als „non executive board member“ wird Krammer gemeinsam mit Robin Bienenstock den Prüfungsausschusses des Verwaltungsrats stellen.

Der Rollentausch

Krammer und der neue Sunrise-Chef Swantee sind zwei alte Bekannte. Von 2007 bis 2012 war Krammer CEO von Orange Austria (vormals One). One wurde 2007 von der France Télécom-Tochter Orange und Mid Europe Partner übernommen. Swantee war der Europa-Chef des französischen Telekomriesens Orange und hat die Aufsicht auf Orange Austria und über Krammer. 2012 wurde Orange Austria an Hutchison Drei Austria (Drei) verkauft

Nun verdrehen sich die Rollen. Krammer kontrolliert als Aufsichtsrat die Geschäfte des neuen Sunrise-CEO Swantee.

Sunrise hat im abgelaufenen Jahr einen Umsatz in Höhe von rund zwei Milliarden Franken erzielt. Der Gewinn (EBITDA) beläuft sich auf 627 Millionen Franken. Das Unternehmen erzielt zwei Drittel der Umsätze im Mobilfunk. Ende 2015 waren 1701 Mitarbeiter auf der Payroll, 183 weniger als noch im Jahr davor. Sunrise wurde 1996 von sechs lokalen Energieversorgern gegründet. Seither gab er mehrere Eigentümerwechsel. Mit Februar 2015 notieren die Aktien des Unternehmens an der Schweizer Börse.

Das Urgestein

Der 55jährige Krammer zählt in Österreich zu einem der Urgesteine der Telekombranche ab dem Zeitpunkt der Liberalisierung vor über 20 Jahren. Nach seinem Einstieg in die Branche bei max.mobil (später T-Mobile Austria) wechselte zu Tele.ring, wo er erstmals als CEO die Führung eines Mobilfunkunternehmens übernommen hatte. Nach der Übernahme von Tele.ring durch seinen Ex-Arbeitgeber T-Mobile Austria im Jahr 2006 für 1,3 Milliarden Euro hatte Krammer das Unternehmen verlassen. Nach seinem Kurzzeitengagement bei E-Plus in Deutschland kehrte er nach Österreich zurück wo er die Leitung von One übernommen hatte.

Nach dem Verkauf von Orange Austria an Hutchison Drei Austria zog es Krammer in die Selbständigkeit. Er gründete 2013 zusammen mit vier weiteren ehemaligen Wegbegleitern bei Telering und Orange Austria seinen eigenen Telekomanbieter Ventocom. Das Unternehmen agiert als sogenannte Mobile Virtual Network Operator (MVNO) im Auftrag anderer Unternehmen, die eigene Mobilfunkdienste anbieten wollen.

So schnürte Krammer mit Ventocom Anfang 2015 erstmals das Mobilfunkangebot des Lebensmitteldiskonters Hofer (HoT). Im September 2015 hat Krammer mit Allianz-SIM den ersten Mobilfunktarif mit integrierter Handyversicherung für einen österreichischen Versicherer auf den Markt gebracht. Ventocom agiert dabei als technischer Operator im Auftrag von Hofer und Allianz und ist quasi der Vermittler zwischen den Unternehmen und den Netzbetreibern für die technische Umsetzung und der Entwicklung der Tarife zuständig.

Der Preisdrücker

Krammer hat in Österreich mit dem Einstieg bei Tele.ring mit massiven Preissenkungen den Mobilfunkmarkt aufgemischt. Und so auch jahrelang Billigstanbieter von einem Einstieg in Österreich ferngehalten. Mit HoT unternimmt Krammer einen weiteren Versuch, das Billigsegment massiv anzukurbeln. Seit Marktstart 2015 bis heute hat HoT von Null auf vier Prozent Marktanteil hinzugewonnen. Nach der Konsolidierung der österreichischen Marktes von vier auf drei Netzbetreiber sind die Preise in den vergangenen 15 Monaten lt. Telekomregulierungsbehörde RTR von 80 auf zwischenzeitlich rund 110 Basispunkten gestiegen.

Zu seiner Aufgabe meint Krammer in einer Aussendung: „Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe und die internationale Zusammenarbeit mit den erfahrenen KollegInnen bei Sunrise."

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