Mediennutzung: Das Vetrauen in Facebook & Co sinkt

Mediennutzung: Das Vetrauen in Facebook & Co sinkt

Die Nutzung von Social-Media-Portalen zu Informationszwecken geht erstmals seit Jahren zurück. Facebook & Co verlieren als Nachrichtenplattformen, traditionelle Medienhäuser mit starken Marken profitieren von der Entwicklung.

Ist die Hochblüte der Social-Media-Portale wieder vorüber? Der nun vorgelegte Digital News Report 2018 des Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) legt diesen Schluss nahe. Für die nun zum siebenten Mal erstellte Analyse wurden über 74.000 Menschen in 37 Märkten zu ihrem Informationsverhalten und den Medien befragt, aus denen sie vertrauenswürdige Nachrichten beziehen. In jedem Land mit der Ausnahme Taiwans wurden gut 2.000 Personen befragt; darunter auch 2010 Österreicher.

Die nun ausgewerteten Ergebnisse der zum Großteil im Winter 2017/18 durchgeführten Befragungen signalisieren eine Trendwende in der globalen Mediennutzung, von der auch Österreich keine Ausnahme ist: Social-Media-Portale, die in den vergangenen sieben Jahren zum Teil dramatische Reichweitengewinne für sich verbuchen konnten, haben zum ersten Mal wieder als Informationsquellen verloren - während ihre sonstige Nutzung, etwa für die private Kommunikation, weiter angestiegen ist.

Von einigen Ausreißern wie Tschechien, Malaysia oder Hong Kong abgesehen lässt sich die Tendenz nahezu global beobachten. So haben etwa in den USA im vergangenen Jahr noch 51 Prozent der Befragten angegeben, dass sie Social-Media-Portale als Nachrichtenquelle nutzen, 2018 waren es nur noch 45 Prozent.

Facebook - der verblassende Stern

Der Rückgang geht zum Großteil auf die schwindende Relevanz von Facebook als Nachrichtenplattform zurück. Gegenüber 2016 ist die Nutzung von Facebook als Nachrichtenquelle über alle untersuchten Staaten hinweg von 42 Prozent auf 36 Prozent zurückgegangen. In den USA gaben bei der neuen Befragung noch 39 Prozent an, dass sie Facebook (in der vergangenen Woche) als Nachrichtenmedium genutzt hatten, was einem Rückgang von neun Prozent gegenüber 2017 gleichkommt, unter den jüngeren Befragten lag die Nutzung sogar um 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. In Österreich gaben bei der neuen Befragung 30 Prozent an, dass sie Facebook zum Lesen, Kommentieren oder Teilen von Nachrichten genutzt haben, um vier Prozent weniger als im Jahr davor (siehe folgende Tabelle).

Facebook als Nachrichtenplattform

Veränderung der Nutzung 2018 vs. 2017

Frage: Haben Sie Facebook in der vergangenen Woche genutzt, um Nachrichten zu finden, zu lesen, zu sehen, zu teilen oder zu kommentieren?

Frage: Haben Sie Facebook in der vergangenen Woche genutzt, um Nachrichten zu finden, zu lesen, zu sehen, zu teilen oder zu kommentieren?

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Zum Teil lässt sich diese Entwicklung auch mit den geänderten Algorithmen bei Facebook erklären, denn mit Jänner 2018 hat Facebook einen Schwenk in der Produktpolitik vollzogen, demzufolge von Medien bereitgestellte Inhalte als weniger relevant gewertet wurden. Die schwindende Bedeutung von Facebook als Nachrichtenplattform lässt sich jedoch schon seit Anfang 2017 beobachten - an der stetig rückläufigen Zahl der Links zu Nachrichten-Portalen (siehe Grafik)

Verweise von Facebook zu Nachrichtenplattformen

Veränderung der Referrer seit 2017

Verweise von Facebook auf Nachrichten-Websites gehen seit 2017 zurück.

Verweise von Facebook auf Nachrichten-Websites gehen seit 2017 zurück.

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Zu einem weiteren Teil lässt sich Facebooks sinkende Relevanz in der Nachrichtenwelt auch mit geänderten Strategien der etablierten Medienhäuser erklären, die Content zusehends auf mehrere Social Media Portale streuen, um weniger von den laufenden Änderungen Algorithmus- und Strategie-Schwenks bei Facebook abhängig und um weniger in den dort schnell unterstelltem dem "Fake-News" Vorwurf ausgesetzt zu sein.

Wie relevant das Fake-News-Problem ist zeigt die in der Befragung gestellte Vertrauensfrage, welche Nachrichten glaubhaft sind. Dabei schneiden Social Media Portale am schlechtesten ab. Nur 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie den via Social Media verbreiteten Nachrichten vertrauen. Bei den mittels Suchmaschinen gefundenen Nachrichten lag der Wert hingegen bei 34 Prozent, das generelle Vertrauen in von Medien verbreiteten Nachrichten liegt bei 44 Prozent. 51 Prozent gaben an, dass sie den Nachrichtenquellen vertrauen, die persönlich verwenden.

In Österreich liegen die Vertrauenswerte noch tiefer. Nur 15 Prozent gaben an, dass sie in Social News vertrauen, via Suchmaschinen verbreiteten Nachrichten glauben 24 Prozent, das Vertrauen in Nachrichten generell bei 41 Prozent. Wobei das generelle Vertrauen der Österreicher in Medien mit 55 Prozent sogar etwas größer ist als im globalen Durchschnitt. Dennoch machen sich hierzulande nur 38 Prozent ernsthaft Gedanken über vorgespielte Realitäten. Dabei gibt es, wie im Reuters Digital News Report explizit festgehalten ist, in Österreich mit "Unzensuriert", "Info Direct", "Alles Roger" und "Contra Magazin"eine Reihe von mitunter relativ reichweitenstarken, via Social Media gepushten Websites, die mit politisch motivierten Inhalten oft xenophobische und antisemitische Falsch-Inhalte verbreiten


DOWNLOAD

Den Digital News Report 2018 der Reuters News Agency mit umfassenden weiteren Ergebnissen aus der in 37 Ländern durchgeführten Befragung und detaillierten Ergebnissen zu den einzelnen untersuchten Ländern finden Sie hier zum kostenlosen Download.

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