Konferenzbesuche: Pflicht, Kür und kein bisschen Gesichtsbadespaß

Besucher auf der DLD17 in München

Besucher auf der DLD17 in München

Zukunfts-, Wissens- oder Digitalkonferenzen sind Innovationstreiber auf höchstem Niveau, die durch ihren Austauscheffekt in puncto Wissen, Ideen, Strömungen exponentiell weiter vermitteln. Digital Strategist Martin W. Drexler im Gespräch mit Helmut Sussbauer, Innovation Cathalyst der Deutschen Telekom über die Bedeutung von Konferenzen dieser Art.

Martin W. Drexler: Wir besuchen seit Jahren aus ähnlichen Gründen die verschiedensten interessanten Konferenzen. Selbstkritisch gefragt: Sind solche Konferenzen eigentlich der ideale Weg sich direkt über neue Innovationen und anstehende Trends zu informieren?
Helmut Sussbauer: Da sich der technologische Fortschritt immer weiter beschleunigt und sich auch Märkte und Geschäftsmodelle immer schneller wandeln, gewinnt der verbale, mündliche Austausch wieder zunehmende Bedeutung. Die direkte, oft nicht redigierte Kommunikation, wozu ich auch Social Media Kanäle, v.a. Facebook und Twitter, zähle, erlaubt die Geschwindigkeit und Einfachheit, die diesem Wandel entspricht.
Das Problem dabei ist, bedingt durch die Einfachheit und Offenheit, dass extrem viel Ablenkendes, Überflüssiges - ein Noise - entsteht und den Blick auf das Wichtige, das Wesentliche - das Signal - verstellt. Innovationskonferenzen im weiteren Sinne, von denen hier die Rede ist, sind ebenfalls ein solcher Kommunikationskanal.
Aber mit dem Vorteile einer Multidimensionalität, die es mir mit einem entsprechenden Netzwerk an Co-Innovatoren ermöglicht, ein Signal besser und schneller unter dem Noise zu erkennen. Pitches, Demos, Vorträge, Diskussionen, vertiefende Gespräche und vor allem Empfehlungen aus dem Netzwerk an einem Ort innerhalb eines begrenzten Zeitraums kommen diesem Bedarf entgegen.

These are the Highlights of the first Day of DLD17, Sunday, Janaury 15th.

Drexler: Gibt es dazu so etwas wie einen „added value“?
Sussbauer: Grundsätzlich kann ich mich über Innovationen und Trends über die verschiedenen bekannten Kanäle und Fachpublikationen informieren und mache das auch. Konferenzen, wenn sie hinsichtlich der Themensetzung, Referenten und Teilnehmer gut kuratiert sind, bieten den entscheidenden Vorteil, dass ich eigene Beobachtungen und Hypothesen dazu dort unkompliziert im direkten Gespräch mit anderen Teilnehmern und Referenten überprüfen kann, die sonst oft weniger zugänglich sind. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

Drexler: Und um hier auch mit dem diesjährigen Leitthema des DLD „What´s The Plan“ zu sprechen: Was ist eigentlich der Plan, was sind eigentlich die Beweggründe, eine Konferenz zu veranstalten?
Sussbauer: Jede ambitionierte Konferenz, so sie in regelmäßigem Rhythmus stattfindet, ist bestrebt sich als die führende Austauschplattform im Sinne eines Marktplatzes für ein jeweiliges Thema zu etablieren und so eine werthaltige Marke zu kreieren. Dadurch gewinnt der Veranstalter nicht unerhebliche Relevanz und Deutungshoheit zu dem Thema oder innerhalb einer Branche. Die meisten Konferenzveranstalter, die ich kenne, verfolgen das Geschäftsmodell eines zweiseitigen Marktes und setzen auf den Netzwerkeffekt. Insofern geht es den meisten vor allem um Wachstum in quantitativer und/oder qualitativer Art und damit Marktführerschaft, egal ob in einer Nische oder mit breiten Spektrum.

The best of the best of DLD17 Day 2

Drexler: Bedeutet eine solche international Konferenz wie der DLD automatisch auch einen Standortvorteil für die Stadt, in der eine solche Konferenz abgehalten wird?
Sussbauer: In der Regel richten sich Konferenzveranstalter nach den Orten mit den aus ihrer Sicht stärksten Standortvorteilen für ihre Konferenz, nicht umgekehrt. Innovationskonferenz im Silicon Valley, San Francisco, London, Paris, Berlin oder auch München funktionieren eigentlich immer, da sie den logistischen Aufwand verringern und eine hohe Anziehungskraft für die meisten Beteiligten haben. Selbst Konferenzen wie das World Economic Forum Annual Meeting in Davos oder die TED Konferenzen in Vancouver, Banff und Arusha sind hier auch keine Ausnahmen, sondern bestätigen diese Regel.

The best of the Best of DLD Day 3

Drexler: Sie fahren vom DLD stets direkt zum WEF nach Davos. Was bedeutet diese Konferenz für Sie, beziehungsweise den Deutsche Telekom Konzern?
Sussbauer: Das World Economic Forum als der weltweit führende Diskussions- und Gesprächsort für global relevante Themen wandelt sich nach meiner Wahrnehmung schon seit einigen Jahren von einem politik- und wirtschaftsschweren Forum hin zu einem mit steigenden Anteil von Technologie- und Innovationsfeldern. Umgekehrt gewinnen gesellschaftliche Themen, die für das WEF schon immer einen hohen Stellenwert hatten, auch für Konzerne zunehmende Bedeutung.


#DLD17 auf Twitter

Die Personen

Helmut Sussbauer fungiert als Innovation Catalyst bei der Deutschen Telekom AG in Bonn. Für den Konzern arbeitet er schon seit 1999 in verschiedenen innovationsnahen Aufgabenfeldern.

Martin W. Drexler , Digital Media Strategist und Professor für Digitale Medien an der Graphischen in Wien, zählt zu einem der bestens vernetzen Österreicher in die internationalen Digitalwelt und ist u.a. auch Gast der DLD-Conferences seit ihrem Bestehen. Drexler ist ein profunder Kenner der internationalen Start up-, Digital- und Konferenzlandschaft und hatte im Jahr 2011 die erste internationale Digital- und Zukunftskonferenz Österreichs in der Alten Ottakringer Brauerei co-organisiert.

safeIT: Sicherheit im Wandel

Social Hacking: Mein bester Feind

safeIT: Sicherheit im Wandel

Datenschutz-Verordnung: Die Zeit zum Handeln ist gekommen

safeIT: Sicherheit im Wandel

"Wir nehmen das Thema Security sehr ernst"