Kokain war gestern: Computer steigert die Leistung des Gehirns

Kokain war gestern: Computer steigert die Leistung des Gehirns

Gehirnströme manipulieren - und schon kann man Dinge, die man vorher nicht konnte. Technisch ist das bereits möglich. (Sujet)

Die Industrie 4.0 macht vor Menschen nicht halt. Nicht nur die Fähigkeiten bisher rein analoger Maschinen können durch neue Techniken verändert und verbessert werden, auch die von Menschen. Erste Versuche zeigen, wie durch die Stimulation der Gehirnaktivitäten Menschen auf Knopfdruck völlig neue Fähigkeiten entwickeln können - und andere abgeschaltet werden können.

Die Zukunft könnte schauerlich schön werden. Drogen wie Kokain und andere leistungssteigende Substanzen, könnten schon bald überflüssig werden. So könnte das eigene Gehirn könnte in Zukunft durch gezielte Eingriffe eines Computers zu Höchstleistungen getrieben werden – sofern man das will. Nicht nur Maschinen, auch Menschen können mit Computern vernetzt werden. Das ist keine Fiktion, sondern bereits real. Erste erfolgreiche Versuche gibt es dazu bereits in den USA .

Eigene Fähigkeiten auf Knopfdruck boosten

Markus Mooslechner, preisgekrönte österreichische Dokumentarfilmer, hat erste Versuche die Fähigkeiten von Menschen durch Maschinen zu manipulieren, in seinem neuen Film „Supersapiens“ festgehalten. Der Filmer von Terra Mater Factual Studios referierte über dieses Neuland der Wissenschaft am Kongress Industrie 4.0 von Austrian Standards, Spezialist für die Entwicklung und Umsetzung von Normen und Standards, in Wien.
Um die Fähigkeiten eines Menschen zu verändern, reicht es ein paar Sensoren am Kopf anzubringen und so - diese dienen als Transmitter zwischen Hirn und Computer - das Gehirn gezielt durch elektronische Mikroströme zu beeinflussen. „Durch die Veränderung der Gehirnelektrizität können die Fähigkeiten des Menschen verändert werden“, erklärt Mooslechner.
Die Fälle, die der Wissenschaftsjournalist filmisch dokumentierte und davon auch einen kurzen Ausschnitt während des Vortrags präsentierte, zeigten Erstaunliches. So konnte die Testperson, sofort nach beginn des Experiments, auf Knopfdruck schwierige Computerspiele plötzlich einfach lösen und sogar einen Highscore nach dem anderen erzielen. Bis dahin hatte er nach eigenen Angaben nicht einmal die Hälfte der dafür nötigen Punktezahl erreicht. Der Proband gab an die Umgebung nun extrem detailliert wahrzunehmen, wie die Blätter vor dem Fenster. Ziel des Versuchs war es die visuelle Aufnahmefähigkeit gezielt zu verbessert.

Negative Folgen der Hirnstimulation

Nur ewig, so gab der Versuchsteilnehmer an, sollte dieser Zustand nicht anhalten. Nicht nur dass der Geschmack im Mund, durch die Hirnstimulation metallig und salzig wurde, auch die Aussprache veränderte sich während des Versuchs schlagartig und wirkte so schwerfällig, als wäre er betrunken.

Dass das Hirn, nach der Stimulation, wieder genauso ist wie zuvor, ist es wohl auch nicht anzunehmen. Wie jede neue Erfahrung, bleibt auch diese im Gehirn in irgendeiner Form verankert, so der Experte.

Erinnerungen kurzzeitig gelöscht

Als in der Studienleiter allerdings nach einer Begebenheit vor einem Jahr fragte, bei der sich die beiden getroffen hatten, konnte sich der Versuchsteilnehmer sich zwar an die Begegnung erinnern, aber an nichts des Gesprächsinhalts. Der Grund: Das Erinnerungsvermögen war massiv zurückgefahren worden.

Laie wird binnen Stunden zum Profischarfschützen

Was eine Hirnstimulation alles bewirken kann, zeigt auch das Beispiel einer Journalistin, die ebenfalls in den USA an einem ähnlichen Experiment teilnahm. Bei ihr wurden ebenfalls bestimmte Hirnareale mit Elektroden stimuliert, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Ihr gelang es so binnen Stunden zum Profischarfschützen zu werden, obwohl sie davor noch nicht einmal eine Waffe in der Hand gehabt hatte.

Wie komplex die neuen Aufgaben sein können, damit das Hirn diese entsprechend verarbeiten kann, ist jedoch fraglich. "Sich auf sein Gehirn ein Handbuch darüber downzuloaden, wie man einen Hubschrauber fliegt, wie in einem Science Fiction Film mit Leonardo diCaprio dargestellt, hält Mooslechner zumindest derzeit noch nicht für machbar.

Zukunftsvision: Lernen verbessern und beschleunigen

Solche Eingriffe in Gehirnareale sollen im besten Fall dazu dienen die Lernfähigkeit des Menschen zu verbessern und zu beschleunigen. Doch stellt sich auch die Frage, was solche Möglichkeiten gesellschaftspolitisch bedeuten. „Wird es einen neuen Menschen geben?“, fragt sich Mooslechner unter anderem. Und was wenn diese Technik in falsche Hände gerät oder etwa in Zukunft der Arbeitgeber fordert, diese leistungssteigernde Gehirnstimulation anzuwenden, um die Arbeit schneller und besser zu erledigen?

Geräte für passive Gehirnstromanalyse bereits erhältlich

Wem bei all dem mulmig wird oder Angst hat, wie im Gruselfilm, zum Versuchsobjekt von Dr. Frankenstein zu werden, aber dennoch Interesse an dem Thema hat, kann sich als Einsteigermodell einen Hirnscanner für die Handtasche zulegen. Erhältlich bei Amazon und Co. Erste Geräte wie "InteraXon Muse. The Brain sensing Headband" analysieren passiv die Gehirnaktivitäten ohne, wie bei den oben genannten Beispielen, in diese einzugreifen. Geräte wie Muse messen die Hirnströme und erkennen damit den Stresslevel der Nutzer. Das Muse, optisch ähnlich einem Kopfhörer, soll helfen den Stresslevel gezielt zu senken. Muse verspricht Menschen auch zu helfen, sich besser zu konzentrieren können. Dazu meditiert man zu einer Musik, die aus diesem Kopfband strömt. Wie erfolgreich man dabei ist, wird anhand der Gehirnströme festgestellt. Am Ende jeder Einheit zeigt die App, wie ruhig oder aktiv das Gehirn war. Je besser man sich entspannt, umso mehr Punkte vergibt der elektronische Meditationsassistent. Wer es nicht schafft, erntet allerdings immer lauter werdenden Wind. Mooslechner nutzt es als Pendler im Zug fast täglich. Für das Tech-Gadget muss man aber schon bereit sein tief in die Tasche greifen. Auf Amazon kostet der superleichte Hirnscanner 299 Euro. Vielleicht reicht aber auch eine Entspannungs-CD oder eine entsprechende App.

Menschliches Hirn zum Downloaden für die Ewigkeit?

Die Sache Mensch und Maschine eins werden zu lassen, könnte auch in die andere Richtung funktionieren. Derzeit arbeitet ein US-Start-up daran die Fähigkeiten menschlicher Gehirne downloadbar zu machen und so die Persönlichkeit von Menschen und deren Wissen über Jahrhunderte haltbar zu machen. Das ewige Leben - zumindest für das Hirn, würde damit näher rücken. Einziger Nachteil derzeit, um die Methode zu testen: Man muss vorher sterben. In den USA werden dazu Probanten gesucht, die eine schwere Krankheit haben und ohnehin dem Tod geweiht sind und mit ärztlicher Unterstützung deshalb Suizd begehen wollen. Funktioniert das Vorhaben, verspricht das Unternehmen, das so weiterhin funktionsfähige Hirn über Jahrhunderte in einer Cloud aufzubewahren. Gegen eine kleine Nutzergebühr von 10.000 Dollar. Schließlich hat eine Gehirndatenbank auch ihren Preis. Zahlbar vor Eintritt des Todes.

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