Killt Produktivität die Kreativität?

Killt Produktivität die Kreativität?

Rahaf Harfoush. Die Thesen der Bestseller-Autorin (u. a. „The Decoded Company“) werden vielerorts gehört, auf hochkarätigen Konferenzen ebenso wie an der Pariser Sciences Po.

Digitalanthropologin Rahaf Harfoush versucht, uns aus einem Dilemma der modernen Arbeitswelt zu befreien.

Arbeit ist der Job dieser Frau – und sie kennt sich damit aus wie wenige. Harfoush hat die Arbeit zu ihrem Studienobjekt gemacht und erforscht die Arbeitsbedingungen unserer „post-work society“, wie sie das nennt. Was ist die Arbeit im digitalen Zeitalter? Ihr Destillat sind zwei Schlüsselbegriffe – Produktivität und Kreativität –, zwei große Antagonismen, die zu einem Dilemma geführt haben. Wie das? „Initial kommt die Produktivität aus dem militärischen Kontext, Armeen und Regierungen haben sie entwickelt, und in der industriellen Revolution wurden viele Erkenntnisse daraus übernommen“, sagt sie. Viele Menschen wiederholen Arbeitsschritte, die für sich gut ausgeführt und gemessen werden können. Dieser Takt war gestern. „Im 21. Jahrhundert ist die Produktivität eine höchst individuelle Angelegenheit geworden und beschreibt viel mehr die Fähigkeit, uns selbst zu organisieren.“


Bei den Griechen und Römern war Kreativität noch mit etwas Göttlichem assoziiert.

In der vernetzten Dienstleistungsgesellschaft ist die Selbstorganisation der Arbeit offensichtlich zur Herausforderung geworden, zu viel für die Wissensarbeiter. So holen Sie das Beste aus Ihrem Tag? So räumen Sie Ihre Postfächer und Accounts auf? „Irgendwer muss die ganzen Ratgeberbücher zur Selbstorganisation und -optimierung ja lesen“, sagt sie mit ironischem Unterton.

Die historischen Wege der Kreativität waren andere: „Bei den Griechen und Römern war Kreativität noch mit etwas Göttlichem assoziiert,“ sagt Harfoush, „und das blieb noch sehr lange so, eigentlich bis in 20. Jahrhundert.“

An English version of the article is available in the trend special issue accompanying the Global Peter Drucker Forum 2017.
To download click HERE or on the cover image above (.pdf, 4,52 MB)

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen Wissenschaftler, zu messen, „wie viele Ideen ein Mensch so haben kann“. Und die Währung der Kreativität stieg mit jeder Arbeitsgruppe, die keine standardisierten Aufgaben mehr zu erledigen hatte. Heute können alle kleine Götter sein, die Kreativität ist als Handelsgut definiert und nicht weniger als 80 Prozent der Angestellten (zumindest in den USA) finden, dass ihre Arbeit „etwas damit zu tun hat“.

Die Genese der beiden Pole schließt eine logischen Schnittmenge aus, aber „genau diese Kreuzung ist unsere Arbeitswelt“, beschreibt Harfoush das Dilemma des prototypischen Wissensarbeiters: konzentriert, nie abgelenkt, immer die richtigen Prioritäten im Blick – aber leider, „das ist auch der größte Mythos unserer Arbeitswelt“, resümiert sie ohne jeden Zynismus.

Wer keine Zeit hat, in Ruhe nachzudenken, wird auch keine Zeit finden, kreativ zu sein. Die besten Ideen kommen nicht beim Ausmisten der Inbox und nicht beim WhatsApp-Dauergeplapper: Ideen kommen in entspannten Kontexten. Diese Balance zu finden – aus konzentrierter Produktivität und entspannter Kreativität – wird zur entscheidenden Kulturtechnik in unserer Arbeitswelt und Harfoush widmet dem Thema ihr 2018 erscheinendes Buch: Den Titel hat sie gefunden, nicht am Schreibtisch, sondern beim Rafting. „Hustle & Float“ – die perfekte Mischung aus Rudern und Gleitenlassen.

Das Programm des Global Peter Drucker Forums 2017 (#GPDF17) zum Download

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

DSGVO und Datenschutz: Das sind Ihre Rechte als Konsument

Digital

Smartphone-Apps: Massive Lücken beim Datenschutz

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

trend-Umfrage: DSGVO und Datendämmerung