Huawei will Samsung vom Smartphone-Thron stoßen

Huawei will Samsung vom Smartphone-Thron stoßen Huawei will Samsung vom Smartphone-Thron stoßen

Der als Netzwerkausstatter groß gewordene chinesische Konzern Huawei will hoch hinaus. Der Überraschungserfolg mit dem Smartphone P8 hat den Appetit größer denn je werden lassen. Die Chinesen haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Samsung zu überrunden. Das neue Flaggschiff P9, eine Kooperation mit dem deutschen Kamera-Spezialisten Leica und eine internationale Werbeoffensive mit Testimonials wie dem Fußballer Robert Lewandowski sollen den Weg dazu ebnen.

China ist für die internationalen Konzerne auch nicht mehr das, was es einmal war: Ein riesiges Land mit einem schier unerschöpflichen Reservoir an Arbeitskräften, die zu geringeren Löhnen arbeiten als es sonst wo auf der Welt der Fall ist und in dem es als Draufgabe geradezu lächerliche Auflagen betreffend der Gestaltung und Sicherheit von Arbeitsplätzen und ebenso wenig Restriktionen aus Gründen des Umweltschutzes gibt.

"Europa und Amerika tun gut daran, sich mit China auseinanderzusetzen" sagt Oliver Kaltner, CEO des weltweit von Fotografen verehrten deutschen Foto-Spezialisten Leica. "Es ist nicht nur die verlängerte Werkbank und ein Land, in dem man billig produzieren kann."

Kaltner hat das für sich und das Unternehmen, das er führt, bereits getan und ein anderes China entdeckt, als jenes, von dem mittlerweile Generationen von Industriekapitänen und die von ihnen geführten globalen Konzerne profitiert haben: Ein Land, in dem es herausragende Ingenieurskunst gibt und in dem man sich längst nicht mehr damit zufrieden gibt, den Lohnfertiger für multinationale Marken zu spielen oder schrottige Kopien "westlicher Qualitätsprodukte" anzufertigen.

Der Aufstieg des Technologiekonzerns Huawei mit Sitz in Shenzhen ist für den Leica-Chef exemplarisch für den Wandel Chinas. Der Konzern mit seinen rund 170.000 Mitarbeitern ist, nachdem er sich als Lieferant und Ausrüster für die internationalen Mobilfunkbetreiber einen Namen gemacht hat, in das lukrative, aber heiß umkämpfte Smartphone-Geschäft eingestiegen. Mit dem Modell P8 ist den Chinesen damit im vergangenen Jahr ein Überraschungscoup gelungen. Auch in Österreich verkaufte sich das Smartphone wie geschnittenes Brot. Huawei konnte damit hierzulande seinen Marktanteil von zuvor 0,8 Prozent auf beachtliche 10,8 Prozent steigern.

Frontalangriff auf Samsung

Für Yanmin Wang, den Europa-Chef der Smartphone-Sparte von Huawei (Huawei Device Co. Ltd., CEE&Nordic Terminal Device President), war das allerdings erst der Anfang. Mit dem neuen Modell, dem seit kurzem auch in Österreich erhältlichen P9, soll der nächste Coup gelingen. "Wir wollen damit das Samsung Galaxy S7 angreifen", sagt er und lässt keinen Zweifel daran, wie ernst es Huawei damit ist.

Ein willkommenes Mittel zum Zweck ist dabei der Preis. Wang erklärt dazu in Richtung der Konkurrenten: "Die aktuellen Smartphones der Mitbewerber sind überpreist." Der unverbindliche Verkaufspreis für das Huawei P9 liegt daher mit 549 Euro um 150 Euro deutlich unter dem des Samsung Galaxy S7, und das bei einem fast identischen Leistungsumfang. Fast, denn hier kommt der zweite Punkt im Plan von Huawei zu tragen: Um sich von den zahlreichen Smartphones am Markt noch besser abzugrenzen und quasi als "Tüpfelchen auf dem i" ist Huawei eine Kooperation mit Leica eingegangen.

Deutsche Qualität und Präzision, verbunden mit fernöstlicher Technologie und einem auch für Huawei bei einer Smartphone-Produkteinführung bislang unvergleichlichem Budget für eine globale Werbekampagne, soll den Chinesen endgültig den Platz an der Sonne sichern. Für Leica-Chef Kaltner ist die Kooperation mit Huawei mindestens ebenso wichtig. Er sieht die Fotografie derzeit an einem neuen Höhepunkt und zugleich an einem entscheidenden Wendepunkt angekommen: Smartphones haben mit ihren Kameras die Generation Selfie hervorgebracht. Sie haben die Fotografie auf einen neuen Level gehoben, zum Ausdrucksmittel für alle Lebenssituationen gemacht.

Public Image

"Fotografie ist heute so wichtig wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Mit den Smartphones hat eine neue Ära der Fotografie eingesetzt", fasst das der Leica-Chef zusammen. Gleichzeitig hadern die traditionellen Kamerahersteller allerdings damit, dass das mittlere Marktsegment der digitalen Kompaktkameras, in dem früher gewaltige Umsätze erwirtschaftet werden konnten, komplett wegbricht. Smartphone kills Kamera. Kaltner: "Mittlerweile kommen praktisch nur noch Smartphones und Top-Kameras an."

Leica ist einer der ganz wenigen Kamerahersteller, die von diesem Trend profitieren. Vorbei sind die Zeiten, als man dem Unternehmen vorwarf, sich lediglich in Tradition zu üben und auf die Innovation zu vergessen: Zwölf Jahre nachdem Leica praktisch pleite war und nur durch die Initiative des österreichischen Industriellen-Sprosses Andreas Kaufmann vor dem Untergang gerettet werden konnte hat das Unternehmen ein Rekordjahr mit zwölf Prozent Umsatzwachstum und 365 Millionen Euro Jahresumsatz hingelegt.

Als Technologiepartner von Huawei - das aktuelle Modell P9 soll nur das erste in einer langen Reihe von für Fotografie und in Zukunft auch Videos optimierter Smartphones sein - steht Kaltner ebenso unter Erfolgsdruck wie Wang. "Wir können viel erzählen, aber wenn das erste Produkt nicht funktioniert, dann bleibt am Ende alles nur Bla-Bla", sagt er. Wissend auch, dass es mit Nokia und Zeiss schon einmal eine letztlich gescheiterte Liaison zwischen einem Handyhersteller und einem Kamerahersteller gab. Kaltner: "Wir von Leica produzieren die Linsen für die Smartphones nicht. Darum geht es aber auch nicht. Entscheidend ist die technologische Partnerschaft. Sie ist die Basis für die Fotografie der nächsten hundert Jahre. Megapixel spielen dabei keine Rolle."

Warum jetzt, warum Huawei ist die Frage an Kaltner, der meint, dass praktisch jeder Smartphone-Hersteller mit Leica kooperieren wollte. Die Chemie habe gepasst. Die beiderseitige Einstellung und der Wille der Unternehmen, den Lauf der Dinge zu verändern. Eben nicht irgendwelche Billigprodukte mit dem Stempel "Made in China" in den Handel zu bringen, um damit schnell Kohle zu machen.

Natürlich sei die Kooperation mit Huawei eine Herausforderung für ein traditionelles Unternehmen wie Leica. "Für uns sind Produktzyklen von einem halben Jahr etwas völlig Neues", gesteht der Leica-Chef ein. Und in Richtung derer, die das Huawei P9 trotz aller Anstrengungen trotzdem noch nicht für den ganz großen Wurf halten, meint er: "Warten Sie ab. Es ist unser erstes gemeinsames Produkt und ich bin sehr zufrieden mit dem, was es kann. Aber es ist noch lange nicht das Ende der Kette." Ein Satz, den auch Huaweis Europa-Manager Wang unterschreibt: "Wait and you will see", sagt er und setzt ein Lächeln auf. In der Geschichte der Mobiltelefonie seien schon viele große Namen untergegangen - Siemens, Nokia, Motorola, Alcatel - und andererseits immer wieder neue groß geworden. "Auch das iPhone gibt es erst seit 2007", sagt Wang. Und warum, stellt er in den Raum, sollte morgen nicht Huawei die Nummer eins sein?

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