Google Pay: "Keine Konkurrenz für Banken und etablierte Bezahldienste"

Google Pay: "Keine Konkurrenz für Banken und etablierte Bezahldienste"

Bezahlen mit dem Smartphone: Für die meisten Östereicher eine Frage des Vertrauens.

"Google Pay", das Angebot zum Bezahlen via Android-Smartphone, ist in Deutschland gestartet. Ein Markteintritt in Österreich steht zwar noch aus, Marken-Experte Achim Feige von BrandTrust sieht dafür jedoch nur geringe Erfolgschancen.

Bezahlen mit dem Smartphone, das Handy als Geldtasche - die Idee dafür ist mittlerweile knapp 20 Jahre alt und ebenso lange bemühen sich Handy- und Smartphone- Hersteller, Handynetzbetreiber, Payment-Spezialisten und Technologie-Unternehmen, dafür funktionierende Lösungen zu schaffen.

Neue Ideen und Anläufe dafür gab es seither immer wieder, viele sind aber kaum über den Status der Feldversuche hinausgekommen. Ob dem am 26. Juni von Google nun als 19. Land auch in Deutschland gestartete mobilen Bezahldienst "Google Pay" - ein Österreich-Start steht noch aus - ein besseres Schicksal beschieden wird, das stellt Achim Feige, Finanzmarken-Experte der Managementberatung BrandTrust in Frage. Jedoch nicht deswegen, weil er das Bezahlen mit dem Smartphone grundsätzlich kritisch sehen würde, sondern weil er Google wie auch andere Technologie-Unternehmen hinsichtlich ihrer Payment-Lösungen in der Vertrauenskrise sieht.

"Technologie-Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon oder Apple dominieren in vielen Bereichen, wenn es um das eigene Geld geht, herrscht schnell ein strenger Konservativismus", begründet Feige seine Skepsis. Das bedeutet: In Sachen Finanzdienstleistungen vertrauen die Europäer - die Deutschen und die Österreicher sind dabei keine Ausnahme - dann doch lieber den etablierten Banken als trendigen US-Konzernen. "Etablierte Marken sind ein gut funktionierendes Bollwerk gegen die neuen Technologien", erklärt Feige. Die Banken, die einen über Jahrzehnte und oft auch über Generationen aufgebauten Vertrauensvorschuss mitbringen, hätten zudem den Vorteil, die Entwicklung verschiedener Lösungen und Technologien abwarten zu können und auch das Kapital, diese gegebenenfalls zuzukaufen.

Technologie-Giganten als Zwerge

Zudem stelle sich, so Feige, die Frage nach dem Vorteil und dem Mehrwert neuer Lösungen. "Der Zahlungsverkehr ist in der westlichen Welt kein Problem, funktioniert mit Bargeld, Karten und auch NFC-Lösungen. Der Vorteil für die Kunden ist überschaubar", erklärt Feige weiter. Hinzu komme die wachsende Skepsis gegenüber den US-Technologiekonzernen, auch hinsichtlich des Datenschutz. Der aktuellen BrandTrust-Studie "Brand Trust Future Index (BTFI)" zufolge können sich auch nur sechs Prozent der Österreicher vorstellen, bei Google Finanzdienstleistungen zu erwerben. "Google wird sich schwer tun. Das wird keine Erfolgsgeschichte werden", sagt Feige.

Den weiteren großen US-Technologiekonzernen - Facebook, Apple und Amazon - gibt der Finanzmarken-Experte mit ihren Payment-Angeboten kaum mehr Chancen auf Erfolg. Dem BTFI zufolge ist die Bereitschaft, ein solches Angebot zu nutzen, bei Facebook am geringsten. Nur drei Prozent der Österreicher können sich das derzeit vorstellen.

Etwas besser sind die Erfolgsaussichten für die Angebote von Amazon und Apple. Bei Amazon können sich immerhin acht Prozent der Österreicher vorstellen, das Bezahl-Angebot des Unternehmens zu nutzen - wohl auch deshalb, weil viele ohnehin in einer Kundenbeziehung zu Amazon stehen und es gelernt ist, Waren über Amazon zu bezahlen. "Mit der Aussicht auf entsprechende Rabatte könnte Amazon Pay funktionieren. Apple Pay sehe ich hingegen als Nischen-Lösung innerhalb der Apple-Community", sagt Feige.

Banken wären jedenfalls gut beraten, sich von Technologie-Unternehmen nicht "zu Tode umarmen zu lassen". Sie müssten aufpassen, nicht zu "Service-Providern für die Datenkraken zu werden", sondern seien gefordert, ihre eigenen Marken zu stärken. Feige: "Ich kann nur widerholen: Wenn es ums eigene Geld geht werden alle konservativ."

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