Round Table "Digitale Kompetenz" :
Wissen stärker teilen

Jeder dritte Österreicher steht ratlos vor dem Internet. Doch ohne digitale Kompetenzen droht der Ausschluss vom modernen Leben, sinken Berufschancen rapide. Ein Round Table mit Experten aus Wirtschaft und Bildung über konkrete Möglichkeiten, digitale Kompetenzen zu verbessern.

Round Table "Digitale Kompetenz" :
Wissen stärker teilen

Trend Talk fit4internet

Bankgeschäfte ohne Online-Zugang? Mühsam. Unterlagen für eine Bewerbung beim Wunsch-Arbeitgeber hochladen? Ohne entsprechende Geräte aussichtslos. Kundenbestellungen aufnehmen, ohne ein Tablet bedienen zu können? Bald nicht mehr möglich. Die Beispiele zeigen, wie die Digitalisierung das Berufs- und Privatleben verändert. Aber was passiert, wenn es an Kompetenzen mangelt, an dieser Entwicklung teilzunehmen? Genau darum ging es bei einem Round Table zum Thema „fit4internet“. So lautet auch der Name einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort sowie einiger Unternehmen, die genau dieses Thema treiben will.

„Nach der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks ist die Digitalisierung die vierte Medienrevolution.“ Alexander Schmölz, ÖIBF

„Wir stehen im Mittelpunkt eines Sturms.“ So beschreibt Alexander Schmölz, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) die aktuelle Situation. Für ihn ist die Digitalisierung eine „vierte Medienrevolution“, gleichbedeutend mit der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdruckes. Klar ist: „Digitale Kompetenzen zählen inzwischen wie Lesen, Rechnen und Schreiben zu den Kulturtechniken und sind eine Voraussetzung, um am modernen Leben und dem Berufsalltag teilnehmen zu können“, betont Ulrike Domany-Funtan, Generalsekretärin des Vereins fit4internet.

„Einem Drittel der Österreicher mangelt es an digitalen Basis-Kompetenzen.“ Ulrike Domay-Funtan, fit4internet

Und wo steht Österreich bei diesen Kompetenzen? Erhebungen zeigen, dass rund 67 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über digitale Basis-Kompetenzen verfügen. „Das ist zwar ein schöner Wert, bedeutet aber umgekehrt, dass einem Drittel der Bevölkerung diese Kompetenzen fehlen“, so Domany-Funtan.

Vor allem im Wirtschafts-Kontext entwickelt sich das zu einem Problem. „Das Arbeitsumfeld hat sich bereits signifikant geändert und wird sich weiter verändern“, ist Manfred Immitzer, CEO von Porsche Informatik überzeugt. Porsche Austria, das größte Autohandelshaus Europas, ist dafür ein gutes Beispiel: Die Service-Annahme erfolgt über ein Tablet, unterschrieben wird der Auftrag digital. Die Werkstatt ist papierlos, alle Prozesse werden digital erfasst. Digitale-Analphabeten haben es schwer, da mitzukommen.


Unternehmen wie MediaMarktSaturn haben darauf bereits reagiert. Die Handelskette bietet seit einem Jahr eine Lehre zum E-Commerce-Kaufmann an. Auch die Lehre zum Elektro- und Elektronikfachberater umfasst einen Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“. „Als stationärer Händler mit großem Webshop verbinden wir Online- und Offline-Welt“ , sagt Chief Services & Solutions Officer Marc Oliver Klemm, „und unsere Kolleginnen und Kollegen müssen in der Lage sein, eine digitale Unternehmung wie uns dabei begleiten zu können.“ Konkretes Beispiel: Jeder Markt-Mitarbeiter ist mit einem Tablet ausgestattet, über das er mit aktuellen Informationen versorgt wird, die er für die Kundenbetreuung oder sein eigenes E-Learning braucht.

„Die Digitalisierung wird ein integraler Bestandteil jedes Jobprofils.“ Manfred Immitzer, Porsche Informatik

Was diese Beispiele zeigen: Digitalisierung beschränkt sich längst nicht mehr auf eine einzelne Einheit im Unternehmen oder einige technisch besonders Interessierte. „Digitalisierung bedeutet das Schaffen von Geschäftsfähigkeit und von neuen Geschäftsmodellen, die jeden angehen, von der Produktion über die Logistik und die Buchhaltung bis zum Personalwesen“, ist Manfred Immitzer überzeugt, „die Digitalisierung wird ein integraler Bestandteil jedes Jobprofils.“ Für ihn ist das Thema digitale Kompetenzen daher auch ein Schlüssel für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Aber was tun, um die digitale Kompetenz der Österreicher zu verbessern und so auch zu verhindern, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht von Menschen mit und ohne Fähigkeiten, sich in der digitalen Welt zu bewegen? „Wir müssen uns stärker als bisher die Lehrpläne von Schulen und beruflicher und betrieblicher Ausbildung anschauen“, ist Ulrike Domany-Funtan überzeugt, „aber auch Klein- und Mittelbetrieben Hilfestellungen anbieten, von denen viele in der digitalen Welt noch nicht angekommen sind.“ Auch Online-Kurse und E-Learning sind für sie wichtige Instrumente, die noch viel zu wenig genutzt werden - gerade auch, um im ländlichen Raum attraktive Angebote zu schaffen.

„Um der älteren Generation den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern, bieten wir ein Smartphone-Sorglos-Paket, bei dem unsere Mitarbeiter den Kunden das neue Gerät startklar machen. Nur einschalten – und los.“ Marc Oliver Klemm, MediaMarktSaturn

Ein besonderes Thema ist die ältere Generation, von der laut Studien fast die Hälfte nicht in der digitalen Welt unterwegs ist.
Um dieser Zielgruppe den Einstieg zu erleichtern, bietet MediaMarktSaturn ein Smartphone-Sorglos-Paket an. Auf Wunsch wird das Smartphone an den Benutzer startklar übergeben – einschalten reicht, alles was für den Betrieb notwendig ist, ist bereits eingerichtet. Ergänzend bietet das Unternehmen spezielle Beratungsformate wie etwa das „Kaffee Digital“, das gemeinsam mit dem Verein fit4internet im MediaMarkt Wien Mitte umgesetzt wurde.

Ein Schlüssel für die Zukunft – nicht nur bei digitalen Kompetenzen – ist das Teilen von Wissen, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Die Zeiten, in denen jeder in seinem eigenen, kleinen Silo gearbeitet und sein Wissen geschützt hat, sind vorbei“, ist Manfred Immitzer überzeugt, „die Wissensgesellschaft der Zukunft lebt davon, Wissen zu generieren und dieses mit anderen zu teilen.“

Dem stimmt auch Bildungs-Experte Schmölz zu: „Die Erstellung von wirklich guten Lehrinhalten, die bei Menschen ankommen und diese motivieren, ist ein großer Kostenfaktor. Wenn wir gemeinsam daran arbeiten, diese Inhalte zu erstellen und Plattformen zur Verfügung zu stellen, können wir gemeinsam einen großen Schritt vorankommen.“ Ulrike Domany-Funtan, Generalsekretärin von fit4internet, hat dafür eine innovative Idee: „Die Erstellung von Online-Kursen für die Weiterbildung durch Unternehmen sollte gefördert werden. Voraussetzung: Diese müssen dann öffentlich geteilt werden.“

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