Facebook greift mit WhatsApp Konkurrent SnapChat an

Facebook greift mit WhatsApp Konkurrent SnapChat an

WhatsApp oder SnapChat - auf dem Smartphone könnten sich die beiden Dienste bald duellieren.

Facebook hatte sich lange geziert, die zweifellos erfolgreichen Funktionen von SnapChat bei WhatsApp nachzuahmen. Ausgerechnet wenige Tage vor dem Börsengang von Snap Inc. startet Facebook mit einem Nachahmerprodukt seinen Testballon in mehreren Ländern. Es geht um Milliarden für Online-Werbung.

Es sind nur noch wenige Wochen vor dem Börsengang von Snap Inc. Und die fast übermächtige Konkurrenz von Facebook stemmt sich nun mit eine Produkt-Update gegen den Newcomer. Facebook will dem Messing-Service der gleichnamigen Tochter WhatsApp eine neue Kamerafunktion verpassen, die der Messaging-Platform SnapChat ähnlich ist.

Dass Facebook nur wenige Wochen vor Snaps Börsengang ein Produkt-Update bei der äußerte erfolgreichen WhatsApp-Tochter einführt, erstaunt in mehrerlei Hinsicht. Die via Snapchat verschickten Bildchen oder Kurz-Videos sind nur für eine begrenzte Zeit von maximal 10 Sekunden für den Empfänger sichtbar und werden daraufhin sofort gelöscht.

Eltern und Tanten auf Facebook, Kids auf Snapchat

Vor allem bei Jugendlichen Nutzern hat sich Snapchat größter Beliebtheit erfreut. "Wir sind hier, weil die Eltern und Tanten auf Facebook sind", heißt es bei nicht wenigen Kids.

Mit diesem Geschäftsmodell hat es Snap immerhin schon auf 158 Millionen Nutzer pro Tag gebracht. Dies geht aus den aktuellen Unterlagen hervor, die bei der US-Börsenaufsicht SEC im Zuge des bevorstehenden Börsegangs eingereicht wurden.

Kritiker sehen in der Kurzlebigkeit des Contents ein Problem für Snap, künftig entsprechende Werbeumsätze zu generieren. Die Produktnachrüstung von Facebook könnte bereits als Angriff gegen Snap gewertet werden. In Expertenkreisen befürchtet man, dass somit das Wachstum beim Snapchat-Dienst eingebremst werden könnte.

Die Absteckung des Reviers

Handlungsbedarf wäre eigentlich nicht gegeben. Über WhatsApp bereits Milliarden Fotos verschickt. Alleine binnen Jahresfrist hat sich die Zahl der verschickten Fotos auf 3,3 Milliarden verdoppelt, 760 Millionen Videos werden bereits via WhatsApp verschickt sowie rund 80 Millionen Bildchen im GIF-Format. Instagram, das im September 2012 von Facebook übernommen wurde, bringt es immerhin auf 150 Millionen Nutzer.

Deshalb ist es umso erstaunlicher, wenn Facebook für WhatsApp erst jetzt ein Nachahmer-Produkt testweise auf den Markt bringen will. In den Niederlanden und Frankreich sowie einigen anderen Märkten soll die Testversion vor dem Snap-IPO "on air" gehen.

Außerdem dürfte die Löschung der versendeten Videos und Bilder über WhatsApp kurz nachdem der Nutzer sie empfangen hat nicht im Interesse von Facebook sein. Der Social-Media-Weltmarktführer will den generierten Content seiner Nutzer mit Online-Werbung flankieren, was die Umsätze und Profite des Konzern bisher sprudeln lässt. Es geht wohl um die Sicherung des Geschäfts, schließlich geht es um Milliarden im Online-Werbebusiness.

Angriff vor dem IPO

Wenige Wochen vor der Erstnotierung von SnapChat an der New Yorker Stock Exchange zeigt Facebook somit seinem Widersacher die Zähne. Wie bereits berichtet, will Snap für das künftige Wachstum seiner Social Media-Platform SnapChat finanzieren und Kasse machen.

Das erst 2011 in Venice (Kalifornien) gegründeten Unternehmen Snap will 200 Millionen Aktien zum Preis zwischen 14 und 16 Dollar je Stück zum Börsendebüt begeben. Macht unterm Strich bis zu 3,8 Mrd. Euro. Das gesamte Unternehmen wird derzeit auf 16,2 bis 18,5 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist weniger als noch im Herbst 206, als die Bewertung noch auf 20 bis 25 Milliarden Dollar kalkuliert wurde.

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