Facebook Hoaxes: So entlarven Sie Falschmeldungen im Social Web

Facebook Hoaxes: So entlarven Sie Falschmeldungen im Social Web

Chemtrails: Eine vielfach entlarvte Verschwörungstheorie, die sich dennoch hartnäckig hält.

Van der Bellens Gesundheit, brutale Flüchtlinge und immer wieder die Chemtrails: Falschmeldungen und Verschwörungstheorien florieren in Zeiten der Sozialen Medien. Facebook und Twitter wollen dieser Entwicklung nun Einhalt gebieten. Hier lesen Sie, wie Sie schon heute Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

„Es geht um die halbe Lunge, die nun wieder im AKH aufgetaucht ist und die ich ja zwischenzeitlich – wenn man den Sozialen Medien glaubt – verloren hatte“, sagt Präsidentschaftskandidat Alexander van der Bellen launisch am 13. September in der ORF-Sendung „Im Klartext“. Gerüchte um eine mögliche Krebserkrankung hatten sich im Web wie ein Lauffeuer verbreitet, von Freunden und Bekannten wurde der Politiker regelmäßig gefragt, ob er tatsächlich wöchentlich Chemotherapie-Sitzungen habe – irgendwann wurde ihm das zu bunt, und er ließ seine Atteste veröffentlichen. Ergebnis: Der Anwärter um das höchste Amt der Republik ist pumperlgesund – entgegen der Gerüchte, die man auf Facebook und Twitter lesen konnten.

Im Zeitalter der Sozialen Medien kann jeder Bürger zum Nachrichtenproduzenten werden, indem er schlichtweg einen Tweet, ein Facebook-Posting oder einen Blogbeitrag verfasst. Hinzu kommt, dass Menschen seit je her dazu tendieren, Erzählungen aus dem engen Kreis der Vertrauten mehr Glauben zu schenken als einer externen Nachrichtenquelle. In Kombination führen diese beiden Faktoren dazu, dass Falschmeldungen schnell entstehen und sich ebenso schnell verbreiten können.

Als prägendes Schlagwort hat sich hier in den vergangenen Jahren auch der Begriff der „Filterblase“ etabliert: Wer seine Informationen ausschließlich aus dem engeren sozialen Umfeld bezieht, der bildet sich auf dieser Basis seinen eigenen politischen und ideologischen Mikrokosmos, in dem auch Stimmungsmache gegen Minderheiten florieren kann – seien es nun Panikmeldungen über Flüchtlinge oder die antisemitisch motivierte Verschwörungstheorie, laut der die Rothschild-Familie über Streifen am Himmel („Chemtrails“) die Menschheit versklaven wolle.

Netzwerk gegen Falschmeldungen

Um diesen Gerüchten Einhalt zu gebieten, sind Facebook und Twitter nun dem Netzwerk „First Draft News“ beigetreten. Dieser Verein, der unter anderem von der Google-Konzernmutter Alphabet mit begründet wurde, kämpft gegen Falschmeldungen im World Wide Web an.

Mehr als 30 Medien- und Technologieunternehmen sind „First Draft News“ inzwischen beigetreten, darunter auch die "New York Times" und "Washington Post", BuzzFeed News, die Nachrichtenagentur AFP und der Sender CNN. Die Organisation will einen Verhaltenskodex erschaffen und außerdem eine Plattform bieten, auf der Mitglieder fragliche Nachrichten überprüfen können.

Die genannte Plattform soll zwar erst Ende Oktober an den Start gehen, schon heute bietet das Netzwerk auf seiner Website aber Videos an, in denen erläutert wird, wie jedermann Meldungen aus Sozialen Medien auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann.

Einen Standort mit Google Maps verifizieren

Datum und Uhrzeit eines Instagram-Postings ermitteln

Mit TinEye das Original eines Fotos finden

Hinzu kommen Initiativen von Dritten, die beim Entmachten von Falschmeldungen behilflich sein sollen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist etwa hoaxmap.org – eine Website, die das Entstehen von Gerüchten im deutschsprachigen Raum geographisch darstellt, mit besonderem Fokus auf das Thema Flüchtlinge. Die Website Hoaxsearch.com wiederum ist eine Gerüchte-Suchmaschine. Sie greift auf das Datenmaterial der Website mimikama.at zu, deren Betreiber ihre Mission in der Überprüfung von Internet-Gerüchten auf ihren Wahrheitsgehalt sehen.

Facebook sperrt und prüft

Facebooks eigene Bemühungen rund um das Sperren von Falsch-Meldungen und Hasspostings sorgen immer wieder für Diskussionsstoff. So müssen sich etwa Administratoren von Facebook-Seiten einer zeitraubenden „Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen, wenn auf ihrer Seite ein Bild mit sexuell anzüglichem Inhalt geposted wurde. Als hingegen Mitarbeiter von trend.at rassistisch motivierte Gerüchte über afrikanische Kinder versuchsweise bei Facebook reklamierten, sahen die Verantwortlichen keinen Grund zum Einschreiten.

Tipp: Hier lesen Sie, wo sie Hass-Postings im Web melden können

Manche URLs werden zudem von Facebook gänzlich gesperrt – so etwa die Web-Adresse clonezone.link, mit der sich am 1. April 2016 noch so manches österreichische Start-up einen Aprilscherz erlaubt hatte (mehr dazu unter diesem Link). Wer nun einen über die genannte URL erstellten Fake-Artikel auf Facebook teilen möchte, der bekommt eine Fehlermeldung, dass der Link „unsicher“ sei. Die Sperre lässt sich jedoch einfach umgehen, indem die URL schlichtweg mit einem Link-Shortener verschleiert wird.

Vergleichsweise unbekannt ist hierzulande auch, dass Facebook auf den Philippinen kritische Inhalte von Mitarbeitern ausfiltern lässt – ein echter Knochenjob. Mehr dazu erfahren Sie, indem Sie auf das untenstehende Bild klicken.

Unsichtbar: Die schmutzige Arbeit philippinischer Content-Moderatoren für Facebook & Co. Klicken Sie auf das Bild, um weiter zu lesen.

Kommentar
Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

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