techbold rüstet nach: Ex-Samsung-Manager steigt ein

techbold rüstet nach: Ex-Samsung-Manager steigt ein

Neuzugang und neuer Aktionär bei techbold: Ex-Samsung-Manager Gerald Reitmayr(re.) mit techbold-Gründer Damian Izdebski

Der im Vorjahr gegründete IT-Servicedienstleister techbold von Ex-DiTech-Gründer Damian Izdebski holt Verstärkung. Gerald Reitmayr, zuletzt Head of Sales für Samsung Europe, steigt ein und wird Chief Operating Officer. Und der neue COO bringt auch Geld mit.

Wien. Von Samsung zu einem Newcomer - Gerald Reitmayr, der bisher einen Umsatz von 30 Milliarden Euro bei Samsung Europe verantwortet hat, zieht es nun zum Wiener start-up techbold, das im Vorjahr von Damian Izdebski gegründet wurde. "Wir wollen nun den nächsten Wachstumsschritt machen und den Bereich Technologie-Services aufbauen", sagt Izdebski trend.at. Reitmayr war insgesamt rund zehn Jahre für Samsung im Vertrieb tätig.

Zu Reitmayrs Job zählt der Aufbau und die Umsetzung neuer B2B- Konzepte und Produkte. Darüber hinaus wird er die strategische Entwicklung des Omnichannel–Vertriebskonzeptes vorantreiben und das komplette Management des Vertriebs übernehmen.

Seinem neuen Arbeitgeber streut Reitmayr freilich Rosen. „Während viele Technologieunternehmen mit der digitalen Transformation kämpfen, ist techbold bereits so aufgestellt wie viele Unternehmen gerne sein würden“, sagt der neue techbold COO Gerald Reitmayr. techbold sei laut Reitmayr "agil, experimentierfreudig, innovativ, vernetzt und zu 100 Prozent auf die Zufriedenheit der Kunden ausgerichtet. Wir wollen dieses Potential heben und techbold in den nächsten Jahren zu einem internationalen Technologieunternehmen ausbauen. Auf diese Herausforderung freue ich mich."

Ex-Samsung-Manager Reitmayr wird nicht nur das operative Geschäft gemeinsam mit CEO und Gründer Izdebski leiten. Er wird sich auch mit Kapital an techbold beteiligen. Wie viele der Aktien COO Reitmayr übernimmt, wollte Izdebski noch nicht sagen.

Die Strategie von techbold unterscheidet sich laut Izdebski in "mehreren wesentlichen Aspekten" von dem IT- und Computerhändler DiTech, das im 15. Jahr der Firmengeschichte Konkurs anmelden musste (siehe Interview unten) . So soll techbold ein schlagkräftiges IT-System- und Servicehaus werden mit Fokus Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU). Der zweite Geschäftsbereich ist Hardware Services. Und der dritte Bereich ist die erst kürzlich präsentierte Computersparte. techbold produziert High-End Gaming-PC und Virtual Reality Computer unter eigener Marke.

Und noch ein wesentlicher Unterschied ist die Finanzierung. Izdebski hat bei seinem Neustart gleich mehrere Investoren als sogenannte "Business Angels" an Bord, die Izdebski quasi auf die Finger schauen.

Hocherfreut zeigen sich auch die Investoren über die Entwicklung von techbold und seinem Gründer. „Damian hat mit techbold in sehr kurzer Zeit extrem viel erreicht. Dass er als Visionär sich jetzt einen erfahrenen Manager ins Boot holt, der das schnelle Wachstum organisieren und entwickeln kann, beweist, dass er als Unternehmer in den letzten drei Jahren eine enorme Entwicklung vollzogen und aus seinen Erfahrungen viel gelernt hat", sagt Investor und techbold-Business Angel Hansi Hansmann zum Engagement von Reitmayr.

techbold beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter und sieht sich selbst in der "Dynamik und Flexibilität eines Startup-Unternehmens". Das Unternehmen will mit Service, Beratung und IT-Know How sich im IT-Handel etablieren. Unter der Dachmarke techbold sind aktuell zwei Unternehmen tätig. Erst kürzlich hat techbold die Produktion von hochwertigen Gaming-Computern in Wien gestartet.


Dreibeiniger techbold

Damian Izdebski gibt Auskunft darüber, wo er techbold hinführen will. Und was nun anders ist als bei seiner ersten Firma DiTech.

trend: Herr Izdebski, Sie sind mit ihrem Start-up techbold nun ein Jahr am Markt. Es gibt Leute, die nur marginale Unterschiede zwischen techbold und ihrem IT-Händler DiTech sehen, der 2014 in Konkurs gegangen ist?
Damian Izdebski: Da gibt es sehr wohl große Unterschiede. Beide Unternehmen sind so ja nicht vergleichbar. Sicher: ich bleibe in der IT. Aber das war's dann schon. Der wichtigste Unterschied ist, dass wir uns nun vorwiegend auf Technologie Dienstleistungen und Services fokussieren. Der Hauptbestandteil des Geschäftes der alten Firma war ja Handel mit vielen Filialbetrieben. Und damals leider rapid sinkenden Margen.

trend: Jetzt gibt es ja nicht gerade wenige IT-Systemhäuser. Es gibt viel Konkurrenz. Wo sehen sie neue Chancen?
Izdebski: Ich bin überzeugt, dass es einen Markt gibt und dass wie ein über die Grenzen Österreichs hinaus tätiges IT-Unternehmen aufbauen können. Es soll eine Gruppe mit verschiedenen Einheiten werden, die jede Sparte für sich, es so nicht gibt. Und nicht besetzt ist.

trend: Und die Sparten wären welche?
Izdebski: Wir haben jetzt drei Einheiten: Mit der techbold network solutions versuchen wir ein Systemhaus aufzubauen das vorwiegend KMUs anspricht. Mit der techbold Hardware Services betreiben wir ein modernes Service Center für Hardware Reparaturen und mit der neuen Marke bold. versuchen wir wieder den Markt für High-End Gaming und Virtual Reality Computer zu besetzen. Und weiteres wird folgen.

trend: Das alles, also das Wachstum und der Aufbau, muss finanziert werden. Sie haben einige renommierte Start-up-Investoren an Bord - aber wo liegt der Unterschied gegenüber früher?
Izdebski: Das Unternehmen ist ausschließlich Eigenkapital finanziert, und nicht zu 90 Prozent fremdfinanziert wie das bei DiTech der Fall war. Und von Anfang an sind Business Angels und Investoren dabei, die nicht nur Geld mitgebracht haben, sondern auch Sparringspartner sind.

trend: Wachstum schafft man auch nur mit Leuten. Und soll es gelingen, braucht man sehr gut Leute. Woher holen Sie die Leute, die ihren Weg mitgehen?
Die Hälfte meines 30-köpfigen Teams sind Ex-DiTech-Leute. ich habe versucht die besten Ex-Mitarbeiter zurückzuholen die in Product Management, Einkauf, Marketing und Technik mit mir zusammen das neue Unternehmen aufbauen.

trend: Und Sie haben einen neuen COO?
Izdebski: Das ist für mich natürlich eine neue Erfahrung. Aber freue mich natürlich einen Manager des Formats und der Erfahrung eines Gerald Reitmayr für mein Start-up gewinnen zu können. Wir ergänzen uns hervorragend. Gerald hat eine langjährige Erfahrung in der Elektronikbranche. Er war lange Jahre bei Samsung, wo er in Europa Umsatzverantwortung von 30 Milliarden Euro hatte. Und mit Samsung gegen Apple wieder Weltmarktführer wurde. techbold wird so rascher auf die nächste Entwicklungsstufe gehoben. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam Großes schaffen.

trend: ... und er wird auch Geld mitbringen und so Risiko auf sich nehmen?
Izdebski: Er bringt auch Geld mit, natürlich. Er bekommt Anteile am Unternehmen. Wir wollen aber nicht kommunizieren wie viel es ist.



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Im ersten Geschäftsjahr hat das Unternehmen seit Gründung im Juni 2015 einen Umsatz von rund vier Millionen Euro erzielt. Zum Ertrag hält sich techbold derzeit bedeckt.

Die techbold-Eigentümer

techbold-Chef Izdebski hat nach der Pleite von Ditech im Juni 2015 mit techbold einen Neustart gewagt. Mit an Bord sind neben Izdebski und Ex-DiTech-IT-Leiter Fabian Zeeb Kapitalgeber aus der Startup-Szene. Aktionäre der techbold technology group AG sind Gründer Izdebski (68 Prozent) sowie die Investoren Stefan Kalteis (via SK Capital GmbH 15 Prozent), Michael Altrichter (Speed Beteiligungs GmbH 5 Prozent) und Hansi Hansmann (mit Romulus Consulting GmbH 5 Prozent) sowie Izdebskis Frau Aleksandra (5 Prozent) und Fabian Zeeb (2 Prozent). Unter der Dachmarke techbold sind aktuell zwei Unternehmen tätig.

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