[EFA2020] "Wir brauchen viel mehr Informatikkompetenz

Stefanie Lindstaedt, Geschäftsführerin des Know-Centers der TU Graz, über die steigende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz und Corona als Digitalisierungsbooster.

Thema: Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft
Stefanie Lindstaedt, CEO Know-Center GmbH

Stefanie Lindstaedt, CEO Know-Center GmbH

trend: Wie hat sich die Corona-Krise auf die Arbeit in der Forschung und der Wirtschaft ausgewirkt?
Stefanie Lindstaedt: Corona war eine Art Beschleuniger bezüglich Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, also KI. Viele Unternehmen beschäftigen sich zuletzt zwangsläufig damit, unter anderem, weil sie ihre Geschäftsmodelle überdenken müssen. Bei uns am Know-Center gibt es aktuell sehr viele Anfragen aus der Wirtschaft für gemeinsame Projekte. Die Umstellung aufs Homeoffice, Videokommunikation und Onlineunterricht gelang uns in kürzester Zeit sehr gut.

Kooperationsanfragen welcher Art werden an das Know-Center herangetragen?
Die Anfragen kommen aus allen Branchen. Immer mehr Unternehmen wird bewusst, dass die Disruption so oder so kommt. Daher ist es besser, offensiv zu handeln, als disrumpiert zu werden. Umso wichtiger wird es, dass Informatikkompetenz in den Unternehmen aufgebaut wird, gerade auch im Topmanagement. Ich bin der Meinung, dass in jedem Board ein Informatiker sitzen sollte.

Wie erklären Sie sich diese stark gestiegene Nachfrage nach Big-Data-und AI-Kompetenz?
Wir entwickeln am Know-Center seit 20 Jahren datengetriebene Technologien und haben mehr als 1.000 "Daten"-Projekte mit Partnern umgesetzt. Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist die Auseinandersetzung mit den Themen Big Data und Artificial Intelligence über alle Branchen und Anwendungsgebiete hinweg, auch in der Öffentlichkeit. Die Firmen brauchen einfach eine gewisse Zeit, um das Potenzial von Daten für sich zu entdecken. Dabei können wir mit unserer jahrelangen Erfahrung beim Technologietransfer und Kompetenzaufbau unterstützen. Ich behaupte, dass wir da zu den allerbesten gehören, nicht nur in Österreich. Wir fördern auch das Jungunternehmertum, indem wir Spin-offs wie invenium gründen und Start-ups wie leftshiftone unterstüzen. Leider fehlen die personellen Ressourcen, um alle Ideen dazu umzusetzten.

Das heißt, es gibt nach wie vor zu wenige Informatiker?
Ja, es fehlen einige Tausend in Österreich, aber auch in ganz Europa. Wir haben aktuell 130 Mitarbeiter, die meisten unterrichten auch, so haben wir den besten Zugang zum Nachwuchs. Mit unserem speziellen Ausbildungsprogramm für Data Scientists können wir dem Fachkräftemangel etwas entgegenwirken. Genauso wichtig ist es, Leute zu halten: Facebook oder Google sind natürlich coole Arbeitgeber, daher müssen wir umso interessantere Projekte bieten können. Dafür bietet gerade das COMET-Programm die idealen Rahmenbedingungen. Es wäre aber dringend nötig, viel früher anzusetzen: Programmieren sollte Schulfach sein, Addieren und Subtrahieren wird ja auch unterrichtet, obwohl es längst Taschenrechner gibt.

Was kann man am Know-Center darüber hinaus lernen?
Da wir für Unternehmen arbeiten, müssen wir stets "beyond State of the Art" sein: Wenn eine Firma eine Datenplattform will, muss diese ja auch noch in fünf oder zehn Jahren passen, dafür sind viele Fähigkeiten nötig. Daher nehmen wir für uns in Anspruch, zu wissen, was in den nächsten fünf Jahren etwa bei künstlicher Intelligenz oder im Data Management passiert. Somit erhalten unsere Wissenschaftler auch eine intrinsische Ausbildung, das ist eine unserer USPs als Arbeitgeber.

Welche AI-Trends sehen Sie in den nächsten Jahren kommen?
Zum Beispiel Privacy Preserving Analytics. Daran forschen wir im Rahmen unseres CO-MET-Moduls. Unser Ziel ist es, eine sichere, verifizierbare und erklärbare KI zu entwickeln, die gleichzeitig die Privatsphäre schützt. Das bietet ein enormes Potenzial für die Wirtschaft, aber auch für jeden Einzelnen von uns.


Zur Person

Stefanie Lindstaedt ist Informatikerin und seit 2011 CEO der Know-Center GmbH, eines der führenden europäischen Forschungszentren für Data-driven Business und Artificial Intelligence, sowie Leiterin des Institutes for Interactive Systems & Data Science an der TU Graz. Aktuell gehört sie unter anderem der interdisziplinären Expertenplattform Covid-19 Future Operations Clearing Board im Bundeskanzleramt an.


EFA2020

Digitalisierung ist eines der Kernthemen am European Forum Alpbach #EFA2020, das vom 23. August bis zum 3. September 2020 COVID-19-bedingt als Online-Forum stattfindet. Mehr dazu finden Sie im trend-Thema EFA2020

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