Für Telekom Austria ist Edge die neue Cloud

Für Telekom Austria ist Edge die neue Cloud

Marcus Grausam, CEO A1 Telekom Austria

Verknüpfte Drohnenschwärme und automatisierte Gepäckslogistik: Marcus Grausam, CEO der A1 Telekom Austria, spricht im trend über Edge von einer neuen Technologie, die die Industrie noch schneller machen soll.

trend: Jahrelang versucht man Firmen dazuzubringen, Dinge in die Cloud zu geben. Mit Edge Computing gehen die Anwendungen jetzt wieder hin zum Kunden. Was ist der Unterschied zwischen Edge und Cloud?
Marcus Grausam: Es gibt zwei Trends. Aus Effizienzgründen gebe ich auch weiterhin Anwendungen in die Cloud. Edge Computing ist nicht anderes als eine Dezentralisierung dieser Cloud-Rechenzentren. Für das Internet der Dinge oder die Automatisierung von Industrieprozessen ist Echtzeitkommunikation wichtig, der Weg über ein entlegenes, zentrales Rechenzentrum nicht ideal, weil ich Verzögerungen habe. Es dauert einfach, Daten irgendwohin zu übertragen, zu berechnen und wieder zurückzuschicken.

Es geht also um die Geschwindigkeit. In welchen Fällen spielt das eine Rolle, ob die Daten in einer oder zehn Millisekunden übertragen werden?
Grausam: Es wird viele Einsatzgebiete geben, denn das Tempo wird mit der Digitalisierung in immer mehr Branchen zum kritischen Faktor.

Nachdem 5G in Österreich noch am Beginn steht, wird es zu diesem Edge Computing wohl erst Piloten geben, oder?
Grausam: Stimmt, 5G-Versorgung ist Voraussetzung. Wir experimentieren aber bereits damit, am Flughafen Wien im größeren Maßstab, damit etwa wie die Gepäcksabfertigung im Hintergrund noch schneller vonstatten gehen kann. Am Flughafen ist das sinnvoll, dass die Daten die für die Flugabwicklung nötig sind, den Sektor nicht verlassen. Mit einer Edge Cloud geht das. Gemeinsam mit den Entwicklern im Klagenfurter Lakeside Park sehen wir uns andere innovative Einsatzgebiete an, um das Potenzial der Technologie richtig einzuschätzen.

Sind Ihnen da bereits innovative Ideen eingefallen?
Grausam: Wir arbeiten zum Beispiel an der Verknüpfung von Drohnenschwärmen, die 360° Live-Videobilder produzieren. Diese Bilder speichert und verarbeitet man direkt am Standort in der Edge Cloud, und mit einer VR-Brille können sie in Echtzeit die Perspektive der Drohne einnehmen.

Wer braucht diese Perspektive? Wenn ich mit Drohnen ein Windrad warte, geht es ja nicht um Highspeed.
Grausam: Gutes Beispiel ist ein Rettungseinsatz, wo Einsatzkommandos sich aus der Luft einen Überblick zur Lage machen können. Mittlerweile gibt es Software, die in Videobildern abnormales Verhalten erkennen kann, auch hier ist die Latenzzeit wichtig. Edge ist für alles wichtig, das zeitkritisch ist, etwa die Steuerung von Industrierobotern etwa. Wir haben mit Exoscale einen Schweizer Spezialanbieter für Edge Computing in der Cloud zugekauft, arbeiten strategisch an diesem Thema.

Wann werden aus solchen Pilotprojekten konkrete Produkte? Kann man aus dem Flughafenfall schon erste Bilanzen ziehen?
Grausam: Das ist noch etwas früh. Es ist ein Pilot und da hat man viel Konfigurationsaufwand am Anfang. Was mich aber extrem positiv überrascht hat, welche Ideen man am Flughafen schon hat, was man in Zukunft damit machen könnte. Das ist das Coole an solchen Projekten. Das fachliche Know-how kann ja nur aus der jeweiligen Industrie kommen, von uns kommt die Umsetzung. So entstehen spannende Prototypen.

Gibt es auch Fälle für Edge Computing, die für Verbraucher interessant sind?
Grausam: Bei Computerspielen ist Latenzzeit entscheidend. Da könnte Edge Computing spielentscheidend sein. Es macht einen Unterschied beim Online-Gaming, ob die Bilder in einem Rechenzentrum in Irland oder in Österreich gerechnet werden.

Welche Rolle in dem Workflow hat das 5G-Netz?
Grausam: Das stellt einfach die Verbindung zu dem Rechenzentrum her. Wenn sie in Wien sind, werden ihre Daten in einem Edge-Rechenzentren in Wien verarbeitet. Wenn sie sich bewegen, etwa via Zug, Auto oder LKW, wandert die Anwendung mit ihnen mit von einem Edge-Datencenter ins andere.

Wie lange wird es dauern, bis Edge Computing weitere Verbreitung finden wird?
Grausam: Eher fünf als zehn Jahre.

Wie sieht es mit den Kosten aus?
Grausam: Jetzt bauen wir erste Prototypen. Da gibt es noch kein Preispickerl. Als Unternehmen sollte ich eher mit dem Einsparungspotenzial oder Wettbewerbsvorteil kalkulieren.

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