DSGVO: Viele Unternehmen verpassen die Deadline

DSGVO: Viele Unternehmen verpassen die Deadline

Am 25. Mai treten europaweit die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO in Kraft. Obwohl der Termin und die Bestimmungen seit über zwei Jahren bekannt sind wird dem Beratungsunternehmen Capgemini zufolge der Großteil der Unternehmen die Frist nicht einhalten können.

Wer fürchtet sich vor der DSGVO? Diese Frage mit "Niemand!" zu beantworten wäre eine Woche vor dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai vermessen. Obwohl die Bestimmungen und der Tag ab dem diese gelten etwas mehr als zwei Jahre bekannt sind wird es nämlich dem Großteil der Unternehmen nicht gelingen, diese auch fristgerecht umzusetzen.

Der Prozentsatz der Unternehmen, die deshalb riskieren, mit massiven Strafen belegt zu werden - das Ausmaß liegt bei bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des globalen Umsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist - ist dem Beratungsunternehmen Capgemini zufolge enorm. Durchschnittlich werden 85 Prozent der Firmen in den USA und in Europa die Deadline nicht einhalten können. Diesen vernichtend hohen Anteil an Unternehmen, die zumindest nicht rechtzeitig DSGVO-konform sein werden, liest Capgemini aus den Ergebnissen einer in acht Ländern und Branchen unter 1.000 Führungskräften und 6.000 Verbrauchern durchgeführten Befragung heraus.

Aufgabe als Chance

Die Unternehmen sind zudem noch so damit beschäftigt, die Compliance-Bestimmungen umzusetzen, dass die potenziellen Chancen, die sich aus der DSGVO ergeben würden, nicht genutzt werden. Capgemini zufolge nehmen sich nur 12 Prozent der befragten Organisationen vor, ein Vorreiter in Sachen Datenschutz und Privatsphäre zu werden, obwohl sie sich dadurch höhere Gewinne ausrechnen könnten. „Für diejenigen, die frühzeitig begonnen haben, sich dem Thema anzunehmen und in Compliance und Datentransparenz zu investieren, fängt der Aufwand bereits jetzt an, sich wirtschaftlich zu lohnen“, weiß Christian Kaupa, DSGVO-Spezialist von Capgemini in Deutschland.

Mit der DSGVO können Verbraucher nun wieder selbst die Hand über ihre Daten halten und werden diese Möglichkeit auch nutzen: Mehr als die Hälfte der Konsumenten will reagieren, wenn Unternehmen ihre persönlichen Daten nicht ausreichend schützen. Dazu gehört, Einkäufe bei betroffenen Unternehmen reduzieren, die Geschäftsbeziehung überhaupt zu beenden oder die Unternehmen aufzufordern, die persönlichen Daten zu löschen. Drei von vier Konsumenten wollen das tun.

Auf Seiten der Unternehmen unterschätzt man Capgemini zufolge die Bereitschaft der Kunden, selbst aktiv zu werden: Acht von zehn Unternehmen wähnen sich im Vertrauen der Verbraucher, während nur gut die Hälfte der Kunden dem tatsächlich zustimmt. Am meisten vertrauen Verbraucher übrigens den Banken und ihrem eigenen Arbeitgeber. Schlusslichter sind Internetfirmen wie Google, Facebook und Co. sowie Nicht-EU-Unternehmen.

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