DLD Sommerkonferenz: Die Kehrseite der Digitalisierung

Dominik Wichmann, DLD-Geschäftsführer & -Chefredakteur und Steffi Cerny, Co-Founderin der DLD-Conferences bei ihrer Eröffnungsrede zum DLD Summer 2016
Dominik Wichmann, DLD-Geschäftsführer & -Chefredakteur und Steffi Cerny, Co-Founderin der DLD-Conferences bei ihrer Eröffnungsrede zum DLD Summer 2016

Dominik Wichmann, DLD-Geschäftsführer & -Chefredakteur und Steffi Cerny, Co-Founderin der DLD-Conferences bei ihrer Eröffnungsrede zum DLD Summer 2016.

Die jährliche Digital Life Design (DLD) Konferenz der Hubert Burda Media zählt zu den wichtigsten Zukunftsveranstaltungen im europäischen Raum. Vom 16. bis 17. Juni fand in München die DLDsummer16 Konfernz statt. Das wichtigste aus den 75 Vorträgen.

Das, was uns heute zusammenbringt, ist die Zukunft! Wie wird die Digitalisierung unsere Welt weiter verändern? Welche Auswirkungen werden Artificial Intelligence, Virtual Reality und Blockchain auf alle Bereiche unseres täglichen Lebens haben? Antworten auf Fragen wie diese versucht man auf der Digital Life Design (DLD) Konferenz und den rund um diese Innovationsplattform abgehaltenen Veranstaltungen zu finden. "Wir bringen Personen auf die Bühne, die ihrer Zeit voraus sind und unsere Zukunft mitgestalten“, erklärte DLD-Gründerin und -Geschäftsführerin Steffi Czerny bei ihrer Eröffnungsansprache zur diesjährigen DLD Summer im Münchner Haus der Kunst.

Vor dem offiziellen Start der Konferenz wurde aber noch vom HVB Gründerinnen-Mentoring zum „Start up Breakfast“ geladen. Ziel des Gründerinnen- & Frauenbeirates ist es, junge Frauen für das Unternehmertum in Deutschland zu begeistern und über einen Wettbewerb die besten Innovatorinnen zu ermitteln.

Aus den mehr als 150 eingereichten Bewerbungen wurden sechs Gewinnerinnen gekürt, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt und geehrt wurden. Sie erhalten ein sechsmonatiges Mentoring und Coaching von erfahrenen Unternehmerinnen und Managerinnen aus dem HVB Frauenbeirat sowie maßgeschneiderte Kontakte zu entsprechenden Netzwerken und Veranstaltungen.

E-Mobility

Hildegard Wortmann, Senior Vice President of BMW Brand talks with Alejandro Agag, CEO of Formula-E, about the future of mobility. The panel is moderated by Tom Goodwin.

Den Reigen der 57 Top-Speaker eröffnete Hildegard Worthmann, Markenchefin der BMW Group. In ihrem Referat „Changing faces of Mobiliy“ ging nicht nur auf die neuen Herausforderungen ein, denen sich der Automarkt stellen muss, sondern sprach auch über die steigende Akzeptanz von e-Cars, vor allem in den Ballungsräumen.

Norwegen ist trotz ausreichender Erdölvorkommen das das weltweit führende Land in e-Mobility, die dänische Hauptstadt Kopenhagen die weltweit führende Stadt in diesem Bereich, vor allem was Car-Sharing mit elektrisch betrieben Autos betrifft. Darunter auch eine 400 Autos starke i3 DriveNow e-Car Flotte von BMW.

Smart City Management.

Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, referierte nicht nur über die Tatsache, dass Smartphones bald in anderen „Stoffen“ wie „wearables“ aufgehen werden und somit im Museum landen werden, sondern auch darüber, dass sich "Smart Cities" vor allem über die deutliche Reduzierung des Individualverkehrs bei der derzeit ineffizienten Parkplatzsuche definieren werden müssen. Mithilfe bereits bestehender Daten und mathematischer Algorithmen könnte dieses Problem relativ einfach gelöst werden.

Nun ja, diese Lösung zum angesprochen Problem wäre von Frau Nemat ganz einfach beim österreichische Start-up Parkbob zu finden, das genau dieses Thema der schlauen Parkplatzfindung über digitale Dienste und Echtzeitanalysen zum Inhalt hat und vermutlich bald seine Feuerteufe in einer Millionenmetropole eines anderen Kontinents erleben wird.

Seven Ventures Pitch Day

Neu beim DLD Summer war die Kooperation der Veranstalter mit dem Seven Ventures Pitch Day von ProSiebenSat1. Aus den sechs Finalisten, die am Podium jeweils zwei Minuten Präsentationszeit für ihre Idee hatten, wurden von einer Jury drei für die Live-Endausscheidung ermittelt. Das Publikum wählte daraus das Start-up Kinematics mit seinem bereits mehrfach prämierten, Lego-kompatiblen Roboter-Baukastensystem Tinkerbots zum Sieger.

Diese kleinen bunten und selbst lernenden Eigenbau-Roboter kann man mit dem Smartphone via Bluetooth steuern. Tinkerbots-CEO Matthias Bürger, der das Unternehmen Tinkerbots über die Crowd-Foundung Plattform Indiegogo finanziert hatte, kann nun den smarten Hi-Tech Kinderzimmertraum mit einem satten Preisgeld weiterentwickeln.

A tough Prediction about ongoing Digitalisation

Social responsibilty is an important topic for a big company such as Siemens. Dominik Wichmann will be questioning Joe Kaeser about that and many more topics that are highly relevant for innovation in big corporations.

Eine Diskussion, die in der bisher dargebotenen Offenheit vermutlich noch gar nicht beziehungsweise kaum geführt wurde, hielt DLD-Geschäftsführer und frühere Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann mit Joe Kaeser, dem CEO von Siemens. Kaeser hinterfragte am Ende die Schlagworte, die das Digitale Zeitalter mit sich bringt: Industrie 4.0, IoT, Digital Age und die daraus resultierenden Auswirkungen für die Gesellschaft.

Auf Kaeser´s direkt Frage an das Publikum, was Digitalisierung für den Einzelnen von uns bedeutet, nahm er den Zuruf einer Teilnehmerin („That makes life easy!“) direkt auf und zeichnete ein drastisches Bild dazu: „Von zehn Menschen der Mittelschicht wird nur einer den Aufstieg im Digitalen Zeitalter schaffen. Die anderen werden scheitern, ihre Jobs verlieren. Das wird die Mittelklasse schlichtweg ausradieren und vermutlich soziale Unruhen auslösen.“

Die Kehrseite der digitalen Medaille

Eine der Fragen, die anschließend zur angesprochenen noch höheren Arbeitslosigkeit und den daraus resultierenden möglichen sozialen Unruhen diskutiert wurde, ist der Umstand, dass die großen Online Shops mit dem lokalen und nationalen stationären Handel konkurrenzieren. Damit schaffen sie Arbeitslosigkeit. Die internationalen Anbieter leisten außerdem auch kaum oder keine Steuern auf online getätigte Käufe. Die dadurch entzogenen Gewinnmargen fehlen dem Handel und gehen mit fehlenden Steueraufkommen in den Staatskassen einher. Die Folge: Mit dem scheinbar bequemen Online-Einkauf schneidet sich die Gesellschaft regelrecht ins eigene Fleisch, weil das Steueraufkommen des eigenen Staates mehr und mehr ausgehöhlt wird.

Wenn wir weiterhin aus scheinbarer Bequemlichkeit dem angeblichen Reiz der neuen Technologien unreflektiert erliegen, ohne uns die Auswirkungen unseres Handelns bewusst zu werden und weiterhin sorglos online einkaufen, dürfen wir uns früher denn später nicht wundern, wenn der Staat durch die daraus resultierenden verlorenen Steuereinnahmen für Pensionen, Soziales, die Infrastruktur und Innovation und schon gar nicht für Arbeitslosengeld kein Geld mehr in den Kassen hat und die Menschen auf die Straße gehen. Deshalb sollte dringend daran gedacht werden, wie die global agierenden Online-Plattformen national zu der entsprechenden Steuerleistung verpflichten werden können.

Die vermutliche einfache und durchführbare Idee diese, ganz einfach über die jeweilige Kauf- beziehungsweise Zustelladresse zu besteuern, scheitert aber allein schon mal daran, dass wir in Europa 28 verschiedene Steuer- beziehungsweise Rechtssysteme haben.

Grundlegender Umbruch in der Finanzwelt durch digitale Neuerungen.

The panelists discuss the change in the financial market due to the development of Artificial Intelligence and Bots. A focus is set on Fintech.

Wenn, beziehungsweise solange wir noch Geld zum Einkaufen und zum Bezahlen haben, wird auch im Bezahlsystem eine Reihe an Neuerungen auf uns zukommen, die keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit dem bisherigen Zahlungsverkehr haben. Diese neuen Formen des Bezahlens werden über Gesichtserkennung und Sprachsteuerungen getätigt. Als Kunde benötigt man keine Karte mehr, das Bezahlen läuft unsichtbar im Hintergrund über das Smartphone ab. Artificial Intelligence macht´s möglich.

Grundlegende digital bedingte Änderungen erfassen auch das Bankgeschäft und drohen dort Mitarbeiter weitgehend durch “Algorithmen“ zu ersetzen. Diese haben auch das Potenzial, den Finanzmarkt grundlegend zu verändern. Wie, das erklärte Alex Tapscott, Autor des im Penguin Verlag erschienenen Buchs Blockchain Revolution. How Technologie Behind Bitcoin is Changing Money, Business and the World.

Alex Tapscott in conversation with Michael Eitelwein talks about the revolutionary software that will increase trust into controversial fields such as online banking or advocacy.

Ashoka. Breiter Raum für Social Entrepreneurs

"Durch die Kooperation mit dem weltweit größten Netzwerk Ashoka für Social Entrepreneurs legen wir einen Fokus auf soziale Themen“, erläuterte Dominik Wichmann bei der Vorstellung von Ashoka, einer seit über 30 Jahren agierenden „non profit“ Organisation für soziale Anliegen.

Eine der vorgestellten Ashoka fellows ist Margret Rasfeld, Leiterin der Evangelischen Schule in Berlin Zentrum, die sich mit ihrer Initiative "Schule im Aufbruch" dem Ziel verschrieben hat, durch einen Wandel der Lernkultur im christlichen Glauben die Bildung in Deutschland zu verändern. Aus ihrer Idee soll eine Bewegung entstehen, die neue Formen des Lehren und Lernens hervorbringt und die Schüler zu mutigen Quer- und Vordenkern macht. Mit ihrem Projekt hat sie bereits an die 300 Schulen in Deutschland zu ähnlichen Handeln ermutigt.

Inge Missmahl, ebenso Ashoka fellow, nimmt sich seit nunmehr 12 Jahren mit ihrem Ipso e-care Projekt einem sehr akuten Thema an. Sie betreut mit ihrer Organisation Menschen, die durch Krieg oder Flucht traumatisiert wurden und bildet Menschen aus, sich selbst und anderen bei psychologischen Problemen zu helfen.


DLD Konferenz

Die DLD-Konferenz wurde 2005 von Hubert Burda, Yossi Vardi und Steffi Czerny gegründet und konsequent weiterentwickelt. Das Rezept: Ausgewählte Speaker referieren über die aktuellsten Themen und treffen ausgewählte Gäste zum Gedankenaustausch in familiär-legerer Atmosphäre.

Über die Jahre hat sich die internationale Digital-, Zukunfts- und Innovationsplattform zu einer eigenen vitalen Brand innerhalb von Burda Media entwickelt und veranstaltet neben Europas führender DLD Digitalkonferenz, nun den DLDsummer in München, sowie den DLD New York City, den DLDeurope in Brüssel und den DLD Tel Aviv. Darüber hinaus finden mit DLDsalons Networking-Events an Orten wie Palo Alto, London, Mumbay, Barcelona, Moskau, Los Angeles, Rio de Janeiro und Peking statt.

Alle Diskussionen der DLDsummer16 Konferenz können als Videos über die DLD-Videoplattform unter „Most Recent“ abgerufen werden.


Der Autor

Martin Drexler

Martin Drexler

Kommentar
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