DLD-Conference 17: Der Durchblick passiert in München

DLD-Conference 17: Der Durchblick passiert in München

Digital Life Design: Seit 13 Jahren werden unter diesem Titel vom Verleger Hubert Burda initiierte Konferenzen abgehalten, die sich mit der digitalen Zukunft beschäftigen. Die jüngste dieser Konferenzen fand im Jänner in München statt, und man stellte sich die Frage: "What's the Plan?"

„What´s the Plan“ lautete das Motto der diesjährigen zweieinhalb Tage dauernden DLD-Conference, die in gewohnter Weise auf zwei Bühnen mit 1.000 geladenen Gästen in der ehemaligen Bayerischen Staatsbank im Herzen Münchens ausgetragen wurde.

Eine ideale Location für eine außergewöhnliche Veranstaltung, die selbst im dreizehnten Jahr nichts an Strahlkraft verloren hat, sondern nach wie vor die Gabe besitzt, sich stets aufs Neue zu erfinden.

Aktuelle Themen stets perfekt verpackt

Eine wahrlich affirmativen Eröffnungsvortrag hielt Ian Goldin, Gründungsprofessor der Oxford Martin School. Seine frei gehaltene Rede eröffnete er mit der Bemerkung, dass es keine bessere Zeit gäbe, als gerade jetzt zu leben. Dies untermauerte er mit präzise aneinandergereihten Argumenten; wir leben in eine neuen Renaissance, ausgelöst durch den enormen digitalen Wissensschub der letzten Jahre, wie dies erstmals 500 Jahre zuvor durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern ermöglicht wurde, aber auch mit all den verblüffend identen negativen Auswirkungen, die durch Ablehnung gegen Neues auch in der Renaissance schon mal Kriege auslöste. Die ebenfalls beim DLD danach diskutierten Fragen, ob AI und Robotik die Menschen arbeitslos machen würden, nahm er vorweg, indem er postulierte, dass es gerade durch die technischen Errungenschaften möglich ist, dass kreative talentierte Menschen mehr denn je die Chance haben die Welt bereichern.

Und in Anspielung auf Englands sinnlosen Brexit, wie er (richtig) meinte, und die sich abzeichnende Abschottung der USA durch Trump, mahnte er eine sich weiterhin stetig vernetzende Welt zum Wohle der Menschheit ein.

Our Age Of Discovery: A New Renaissance (ian Goldin, Oxford Martin School) I DLD17

Selbst fahrende Autos.

Weil diese Konferenz in München, in Bayern stattfand, war auch Automotive selbstverständlich ein vorrangiges Thema. Bereits im Jahr 1956 wurden in US Zukunftsmagazinen und Pfadfinderheften selbst fahrende Autos mit kühn entworfenen Graphiken schon mal einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Nach schlanken 60 Jahren nähern sich diese nun doch der machbaren Realität zur Serienreife.

Für BMW Vorstand Klaus Fröhlich ist dieses komplexe Zukunftsthema der „Holy Gral“, den er mit seinem Arbeitspartnern Brian Krzanich von Intel und Prof. Amnon Shashua, Gründer des Softwareunternehmens Mobileye, offen diskutierte.

BMW, Intel und Mobileye möchten innerhalb der kommenden vier Jahre solche - im wahrsten Sinne des Wortes „Automobile“ – in Serienreife herstellen. Für Krzanich bedeutet das eine regelrechte Herkulesaufgabe, denn allein die permanent erzeugte Datenmenge von ca. einer Million selbstfahrenden Autos würde ident mit jener sein, die bereits jetzt schon die halbe Weltbevölkerung mit ihren „mobile devices“ erzeugt.

Und für Prof. Shashua, der eine Lehrstuhl an der Hebrew University in Jerusalem bekleidet, kommt auch noch die ethische Komponente hinzu: „Menschen können Menschen im Autoverkehr töten, was in Kauf genommen wird. Wenn aber selbstfahrende Autos Menschen töten würden, wäre das für die Gesellschaft untragbar“.

Mobileye ist eine Entwicklung aus den wissenschaftlichen Tätigkeiten von Shashua. Dieses bringt auch den Google Cars das eigenständige Fahren bei und liefert Tesla die Software zur Unterstützung des individuellen Fahrers. Vor drei Jahren ging Mobileye an die Wall Street und erzielte vom Fleck weg eine Marktkapitalisierung von sieben Milliarden Dollar.

Fully autonomous cars are the next big thing in the automotive industry. BMW Group, Intel and Mobileye are creating an open platform for these next generations of cars.

Grandmaster Slide. Und wie man lernt Predictions zu lieben.

Gewohnt salopp und im unnachahmlichen Stakkato präsentierte Scott Galloway, Professor an der NY Stern School für Marketing, Brand Strategy & Digital Media, der auch privat mit seiner Firma L2 ein Beratungsunternehmen betreibt, seine „Winners & Losers“ Vorschau für das Jahr 2017.

VR sei tot, denn im Vergleich zur 220 Millionen verkauften iPhones im Vorjahr, haben es die VR-Brillenhersteller, wie Sony, HTC und Oculus Rift nur auf insgesamt 7, 5 Millionen verkaufter Brillen gebracht. Zum Hype um die 3D Printer hatte er auch dafür die für ihn passende Bemerkung: dieses Segment sei ersten völlig überbewertet und zweitens wäre der größte und billigste 3D Printer ohnehin China.

Oje, wieder nichts mit köstlichem Essen, Stradivari Nachdrucke und billigen Medikamenten aus dem eigenen 3D-Printer.
Auch Apple kam nicht ungeschoren davon. Galloway kommentiert spöttisch den Einstieg von Apple in´s Film- und Serienbusiness, das bereits von Netfix deutlich besser dominiert wird (siehe unten). „Apple möchte offensichtlich lieber einen „Golden Globe“ gewinnen als sich seinem Kerngeschäft zu widmen“, ätzte er. Der Konzern wird das hoffentlich verschmerzen können, sonst muss beim nächsten DLD wohl der Hut herumgereicht werden.

Next Prediction: Snapchat wird von Facebook mit schlichtweg kopierten Features an die Wand gedrückt, aber Instagram wird mächtiger als Facebook werden.

Womit wir auch schon bei den von Galloway prognostizierten Gewinnern sind: Als einen solchen sieht dieser eindeutig Amazon. Mit einer erschreckend einfachen Idee wird das Unternehmen zum größten globalen Zusteller aufsteigen: den Kunden wird zusätzlich zu ihrem bestellten Paket noch ein weiteres kleineres zugestellt. Dieses zweite Paket kann bei Nichtgefallen jederzeit zurückgeschickt werden.

Die Überlegung dahinter ist allerdings, dass der Kunde die zweite Lieferung akzeptiert, zumindest teilweise. Das zweite Päckchen wird kleiner, während das erste größer wird. Damit würde laut Galloway Amazon zur wertvollsten, zur mächtigsten Marke der Welt aufsteigen, der Einzelhandel damit schlichtweg zerbröselt.

Netflix steht bei ihm ebenfalls am Stockerl. Ähnlich wie Amazon erkennt Netflix über seinen schlauen Algorithmus genauestens die Sehergewohnheiten seiner User und kann daraus entsprechende Serien produzieren. Brave New World!

Und wohlgemerkt: Galloway beschäftigte sich in seiner Vorschau ausschließlich mit den absolut führenden Unternehmen im Digitalbereich, und all diese kommen aus den USA. Noch Fragen?!

The annual Winners & Losers Talk @DLD17. Another inspiring WrapUp from Scott Galloway.

Consumer Strikes back. Does he?!

In seinem spannenden Gespräch mit dem Schweizer AI Professor Jürgen Schmidhuber über "The Contextual Internet" skizzierte Christopher Schläffer, CEO des in London basierenden Telekommunikationsunternehmens VimpelCom, eine so revolutionäre, wie schlichtweg logische und einfache Idee zum persönlichen digitalen Datenschutz. Der User müsse sich zwar dran gewöhnen Teile seiner Privatheit durch seine online Aktivitäten aufzugeben, aber Schläffer möchte mit seiner Überlegung herkömmliche Prozeduren abschaffen, bei denen man permanent persönliche Daten, wie z.B. jene der Kreditkarte(n), digital senden muss, ohne wirklich zu wissen, was mit diesen Daten noch alles passiert.

Diese Vorgänge sollen nun durch einen einzigen verschlüsselten Zugangsdienst ersetzt werden, der diese persönlichen Daten den zertifizierten Partnern via Token zusenden kann. Ein Beginn der grundlegenden persönlichen Anonymität im Netz und der damit verbundenen standarisierten Cybersicherheit wäre damit endlich gegeben.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht allein diese Idee von Christopher Schläffer, sondern vielmehr die Tatsache, dass der gebürtiger Salzburger gemeinsam mit Larry Page, Sergey Brin, Andy Rubin, Cole Brodman und Peter Chou das erste Mobiltelefon auf Basis des Betriebssystems Android im Jahr 2008 vorgestellt hatte. Nur um eines von diversen bahnbrechenden Beispielen zu nennen, wo Schläffer seine digitalen Spuren an vorderster Stelle hinterlassen hat.

The User Strikes Back (Schläffer, Schmidhuber, Wilkinson) I DLD17

Apropos Österreicher

Unter den 1.000 „Invitation Only“ DLD-Conference Gästen waren aus Österreich u.a. Günther Strenn, Founder von JobRocker anzutreffen, den sein DLD-Conference Besuch auch deswegen restlos begeisterte, weil er hier jene Möglichkeiten nutzen konnte, sein rasch wachsendes Start up auf dem Weg nach Deutschland noch besser auf Schiene zu setzen, sowie Marie-Helene Ametsreiter und Oliver Holle von speedinvest und Martin W. Drexler (siehe Bild).

DLD-Besucher: Günther Strenn (JobRocker), Marie-Helene Ametsreiter und Oliver Holle von speedinvest und Martin W. Drexler.

DLD-Besucher: Günther Strenn (JobRocker), Marie-Helene Ametsreiter und Oliver Holle von speedinvest und Martin W. Drexler.

Hubert Burda legte Buch vor.

Zur stets prall gefüllten DLD-Conference Tasche gab es für alle Teilnehmenden das von Dr. Hubert Burda verfasste Buch „Digitale Horizonte - Strategien für neue Medien“ zur freien Entnahme.

In diesem Buch sind nicht nur 13 seiner bemerkenswerten Reden abgedruckt, die er über seine Visionen zur digitalen Zukunft bei verschiedenen Anlässen gehalten hat. Burda beschreibt darin seinen Einstieg in das Digitale Zeitalter, vor allem sein schnelles Erkennen der neuen bahnbrechenden Technologie und die konsequenten Hinwendung zur Digitalität, die er als einer der ersten Europäer seit 1997 im Silicon Valley nicht nur studierte sondern für sein Medienhaus direkt umgesetzt hatte. Das Buch spart auch nicht mit einer Fülle von Bildern mit absoluten Seltenheitswert.


Der DLD. Die Fakten.

Diese Digital-und Zukunftskonferenz, praktisch ein weiteres logisches Destillat aus Hubert Burdas Reisen ins Valley, wurde von ihm gemeinsam mit Steffi Czerny und Jossi Vardi im Jahr 2005 gegründet, umgesetzt und konsequent ausgebaut.

Mit den Tochterveranstaltungen DLD cities, DLD women, DLD summer, DLD lunches und den DLD salons an den wichtigsten Adressen der Welt, verfügt das DLD-Team zudem über ein Repertoire von seismischen Info-Points, die keine anderen Konferenzveranstalter in ähnlicher Dichte und Qualität aufweisen können.

Zu diesen Events traten bisher 900 CEO´s als Speaker auf, wurden an die 250 Workshops und Networking Side Event veranstaltet und pro Konferenztag ca. 4,8 Millionen (Social) Media Kontakte generiert.

Die alljährlich im September stattfindende „DLD Tel Aviv Conference“ wird von Yossi Vardi eigenständig betreut.
DLD bedeutet übrigens „Digital - Life - Design“.

Weitere Informationen: dld-conference.com


Der Autor.

Der gebürtige Steirer Martin W. Drexler, Digital Media Strategist und Professor für Digitale Medien an der Graphischen in Wien, zählt zu einem der bestens vernetzen Österreicher in die internationalen Digitalwelt und ist u.a. auch Gast der DLD-Conferences seit ihrem Bestehen.

Drexler ist ein profunder Kenner der internationalen Digital- und Konferenzlandschaft und hatte u.a. im Jahr 2011 die erste internationale Digital- und Zukunftskonferenz Österreichs in der Alten Ottakringer Brauerei co-organisiert.

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