Digitalisierung: "Wir werden alle gewinnen"

Kapsch BusinessCom Vorstand Jochen Borenich im trend-Interview: Der Spezialist für Lösungen im Bereich der Digitalisierung hat im letzten Jahr über 100 neue Mitarbeiter aufgenommen und sucht händeringend nach weiteren Fachkräften. Die Sorge, dass durch die Digitalisierung massenweise Arbeitsplätze verloren gehen, teilt er nicht.

Thema: Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft
Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom

Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom

trend: Sie sind Vorstand von Kapsch BusinessCom. Ihr Unternehmen arbeitet an Digitalisierungs-Lösungen und bringt anderen Unternehmen Chancen und Möglichkeiten in Workshops näher. Wie stellt sich die Chancen aus Ihrer Sicht dar?
Jochen Borenich: Als Technologieanbieter bekommen wir die Veränderungen in der ersten Reihe mit. Auch unser Geschäftsmodell hat sich rasant verändert. Wir haben uns zuerst vom Hardware-orientierten Geschäft in Richtung Service entwickelt. Jetzt kommen wir mehr und mehr in Digitalisierungsprojekte, die wir gemeinsam mit Kunden abwickeln.

trend: Und ist das gut für Ihr Geschäft...
Borenich: Die neuen Technologien sind für uns ein klarer Treiber. Die Umsätze haben sich verschoben, und wir sind auch gewachsen. Unser Umsatzwachstum liegt bei vier Prozent. Das Wachstum kommt aber heute aus anderen Bereichen als früher. Nicht mehr aus dem Bereich Hardware, sondern aus den Services, den Digitalisierungsprojekten – und dem Bereich Security.
Nach klassischen Telefonanlagen zum Beispiel nimmt die Nachfrage stark ab . Heute verwendet man Skype oder was auch immer - es gibt eben andere Möglichkeiten. Die neuen Technologien haben uns in eine ganz andere Position versetzt. Wir rücken immer mehr in die Prozesse unserer Kunden hinein.

trend: Ganz neue Wege werden durch die Digitalisierung etwa in der Produktion eröffnet. Das Schlagwort dafür ist Industrie 4.0, und dabei sind Menschen oft nur noch Beiwerk. Audi baut eine Ein-Mann-Fabrik - das ist sensationell für den Hersteller, aber wo soll das hinführen?
Borenich: Digitalisierung hat drei Aspekte. Erstens Smart Production, die digitale Fabrik, zweitens Smart Products – die intelligenten Produkte – und drittens Smart Services, die aus intelligenten Produkten heraus entwickelt werden. Natürlich verändern sich die Rollenbeschreibungen der Jobs, die künftig benötigt werden. Das ist auch bei uns der Fall. Aber es gibt viele Themen, wo zum Beispiel auch die Mitarbeiter in einer Fabrik durch Digitalisierung unterstützt werden.


Wir haben im letzten Jahr in Österreich über 100 neue Mitarbeiter aufgenommen.

trend: Es gibt aber trotzdem viele Fragezeichen. Dazu gehört die oft geäußerte Sorge um Arbeitsplätze.
Borenich: Wir haben im letzten Jahr in Österreich über 100 neue Mitarbeiter aufgenommen. Aber Auch in Fabriken geht Digitalisierung nicht unbedingt zu Lasten von Arbeitsplätzen. Wir sind zum Beispiel an der Firma Evolaris beteiligt. Die entwickelt digitale Assistenzsysteme, die Mitarbeiter in der Produktion oder in der Logistik aktiv unterstützen. In vielen Fällen kommen dabei Datenbrillen zum Einsatz. Mitarbeiter bekommen darüber Arbeitsanweisungen und können auf Knopfdruck Experten zu Hilfe rufen. Der kann sich per Videokonferenz hinzuschalten und Unterstützung leisten.

trend: Die Devise ist also: „Keine Angst“?
Borenich: Es werden neue Rollen, neue Jobs entstehen. Wir suchen alle händeringend nach Softwareentwicklern, Datenstatistikern und Security-Spezialisten. Es werden eben andere Skills benötigt, und wer die hat, wird zu den Gewinnern gehören. Es wird aber auch viele Rollen geben, die eben nicht mehr benötigt werden. Aber wir haben in der Vergangenheit schon viele Industrialisierungs-Phasen durchlaufen. Man muss nur die richtigen Weichen stellen, vor allem in der Bildungspolitik. Darauf schauen, dass Frauen und Männer – sehr gerne viel mehr Frauen – ein digitales Know-how erhalten. Dann werden wir alle gewinnen.


In den Bereichen Datenanalyse und Security ist es extrem schwer, Leute zu finden.

trend: Finden Sie denn genug kompetente Mitarbeiter?
Borenich: Wir haben viele Ausschreibungen, die wir nicht besetzen können. In den Bereichen Datenanalyse und Security ist es extrem schwer, Leute zu finden. Aber auch im Bereich Statistik und Projektmanagement sind gute Leute sehr rar. Security ist heute aktueller denn je. Die Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen, war nie größer. Es gibt immer mehr connected Devices. Auch unser Security-Budget hat wahnsinnig zugenommen. Die Vernetzung im Internet der Dinge hat Vor- und Nachteile und geht Hand in Hand mit neuen Herausforderungen im Bereich der Security. Wir müssen dabei ganz neue Wege gehen.

trend: Ohne Datenanalyse und Security-Lösungen und Spezialisten geht gerade beim Internet der Dinge gar nichts.
Borenich: Es stimmt: Security bleibt das größte Hemmnis. Ein anderes ist die Stromversorgung. Denn viele IoT-Devices brauchen eine SIM-Karte, und die braucht Strom. Wenn das Ding aber irgendwo ohne Stromversorgung steht, bei Wasserzählern oder an Fahrrädern zum Beispiel, dann brauchten wir auch eine Technologie, die ohne Strom oder zumindest fast ohne Strom auskommt. Die gibt es, mit LoRa – das steht für Long Range. Kapsch baut mit Microtronics und der ORS ein LoRa Netzwerk auf. Da reicht eine Knopfbatterie für fünf bis zehn Jahre. Solche Technologien hat Österreich bislang ausgelassen.

trend: Ein Bereich, in dem das Internet der Dinge jetzt massiv Einzug hält ist der Handel. Amazon hat zum Beispiel in Seattle einen Shop ohne Kassa eingerichtet. Man muss nur noch mit einem Smartphone in der Tasche hineingehen und die Produkte, die man braucht aus dem Regal nehmen. Alles Weitere wird über das Handy abgewickelt.
Borenich: Die Geschäfte werden in Zukunft anders aussehen. Sie werden kleiner, mit digitalen Präsentationsmöglichkeiten. So können auf wenigen Quadratmetern mehr Produkte angeboten werden. Es ist nicht mehr zwingend notwendig, dass alles lagernd ist. Dafür gewinnen Beratung und die Individualisierung von Produkten an Bedeutung. Die Zustellung kann dann am nächsten oder übernächsten Tag erfolgen. Am Ende des Tages ist der persönliche Kundenkontakt immer noch viel wert.

trend: Bei der Digitalisierung des Handels geht es aber nicht nur um das Kauferlebnis.
Borenich: Keineswegs. Wir bieten zum Beispiel Lösungen zur Frequenzmessung an. Damit vermessen wir die anonym die Frequenz auf Einkaufsstraßen und in Malls. Wir können genau sagen, welche Marketing-Maßnahmen in einer Mall oder einer Fußgängerzone welche Auswirkungen haben und wie man die Frequenz am besten abschöpfen kann. Diese Statistiken kann man mit zum Beispiel auch mit Wetterdaten verknüpfen und hat damit etwa die Möglichkeit, den Personaleinsatz entsprechend vorauszuplanen, sprich die Mitarbeiter optimal einzusetzen.


Nur nicht den Kopf in den Sand stecken.

trend: Das klingt nach einer guten Lösung. Viele Unternehmen wissen aber gar nicht, was sie angesichts der Digitalisierung und der Herausforderungen überhaupt tun sollen.
Borenich: Man muss bestehende Geschäftsmodelle und Trends analysieren. Feststellen, wo die Bedrohungen herkommen. In vielen Fällen kommen sie auch aus fremden Branchen. Unternehmen, mit denen keiner rechnet, schießen plötzlich quer.
Manager und Unternehmen reagieren sehr unterschiedlich. Es gibt Leute, die stecken noch immer den Kopf in den Sand. Andere halten tausend Bälle gleichzeitig in der Luft und wollen alles auf einmal. Aus unserer Sicht ist es das Erfolgsrezept, hier die Balance zu finden, nur drei bis fünf relevante Initiativen gezielt und schnell zu verfolgen. „Start small, scale fast“, ist die Devise. Kleine Schritte mit wenig Risiko zu setzen. Und wenn etwas nicht klappt, dann muss man das auch wieder gnadenlos einstampfen.

trend: Das klingt nach einem Start-Up-Ansatz.
Borenich: Man muss vorsichtig sein mit dem Begriff Start-Up, weil er inflationär genutzt wird. Ich bin regelmäßig im Silicon Valley und schaue mir die Inkubatoren an. Die meisten Unternehmen haben zwar neue Ideen, dahinter stehen aber sehr erfahrene Leute. Studenten, die aus der Garage arbeiten, gibt es zwar auch noch, meistens reden wir aber von alteingesessenen Neugründern.

trend: Das Silicon Valley als Hochburg der Innovation. Wie bringt man diese Innovations-Orientierung in Österreich auf Schiene?
Borenich: Bildung ist eine der wichtigsten Säulen. Wir bieten daher auch kostenlose Seminare an, um Schülern das Thema Technologie nahezubringen. Es geht darum, Berührungsängste abzubauen und wegzukommen vom Konsumieren, hin zum Produzieren. Technologiekompetenz ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im internationalen Wettbewerb.

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