Digitalisierung im Tourismus: Eine schwierige Reise

Digitalisierung im Tourismus: Eine schwierige Reise

Digitalisierung: Die Aussichten auf eine flächendeckende Vernetzung sind in der Tourismusbranche nach wie vor getrübt.

Wirtschaftsminister Harald Mahrer will den Breitband-Internetausbau bis ins letzte Alpental vorantreiben. Doch alleine zur Errichtung der digitalen Infrastruktur wären Investitionen von rund zehn Milliarden Euro nötig. Auch ein geplanter nationaler Daten-Hub stößt in der Branche auf wenig Gegenliebe.

Österreichs Tourismusbetriebe hinken bei der Digitalisierung hinterher. "Im besten Fall fünf Prozent der österreichischen Hoteliers verwenden Datenmaterial zu Buchungsströmen und sehen sich die aktuelle Preissensibilität an. International macht das bereits ein Drittel der Betriebe", warnt etwa Wirtschaftsminister Harald Mahrer.

Als Erstes seien österreichweit die entsprechende Infrastruktur, also schnelles Internet für alle, sowie ein zentraler Datenpool mit Informationen über Urlauberverhalten und die digitale Qualifizierung der Mitarbeiter in den Tourismusbetrieben notwendig. Auch im Sinne der gesamten Volkswirtschaft und des Wirtschaftsstandorts Österreich, für den der Tourismus von existenzieller Bedeutung ist. Im Jahr 2016 lag die erwirtschaftete direkte und indirekte Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft bei rund 56,5 Milliarden Euro, was 16,1 Prozent des BIP entspricht.

Schwieriges Kapitel Breitbandausbau

"Damit das Land international wettbewerbsfähig bleiben kann ist die Förderung der öffentlichen und privaten Infrastruktur bis ins letzte Tal nötig", sagt Mahrer, doch das ist leichter gesagt als getan. Mit Förderungen alleine lässt sich wenig erreichen. Der Investitionsbedarf, der sich aus einer flächendeckenden Versorgung des Bundesgebiets mit Breitband-Internet ergibt, ist enorm. Um die weißen Flecken von der Landkarte zu bringen sind Investitionen von rund zehn Milliarden Euro nötig.

Die von der Bundesregierung beschlossene Breitbandmilliarde hat sich als relativ unwirksames Mittel erwiesen, um die Versorgung zu gewährleisten, muss auch der Wirtschaftsminister eingestehen. Mahrer. "Die eine Milliarde, die die Bundesregierung versuchte zu investieren, war ein mittelmäßiger Versuch - die Milliarde im besten Fall durchschnittlich." Der Löwenanteil der Investitionen müsse von privater Seite geleistet werden, der Bund könne lediglich Anreize schaffen und den regulatorischen Rahmen entsprechend gestalten.

Skepsis gegenüber Datenpool

Während der Infrastrukturausbau durch die fehlenden finanziellen Mittel eingebremst wird, ist es bei der Forderung nach Einrichtung eines zentralen Datenpools mit Informationen über Urlauberverhalten die Skepsis in der Branche. Unter den Hoteliers gibt es wenig Bereitschaft, die selbst gesammelten Daten der Österreich Werbung - und damit indirekt auch der ganzen Branche - zur Verfügung zu stellen.

Die ÖW versucht derzeit einen nationalen Daten-Hub aufzubauen, der mit den Daten aller Tourismusbetriebe gespeichert werden soll, um in der Folge Marketing-Aktionen für den gesamten österreichischen Tourismus initiieren zu können. Finanziert werden soll der Daten-Hub mit öffentlichen Mitteln. 15 Millionen Euro will das Wirtschaftsministerium in den nächsten drei Jahren zur Förderung von Tourismus-Projekten zur Verfügung stellen, davon sollen sechs Millionen zur Einrichtung des Daten-Hubs aufgewandt werden.

"Der Tourismus ist globaler und wesentlich schneller geworden - er ist datengetrieben. Das gemeinsame Management der Daten ist wesentlich", versucht Mahrer für den Daten-Hub Stimmung zu machen. Natürlich gebe es Wettbewerb der österreichischen Regionen untereinander. "Aber wir können gleichzeitig in Konkurrenz stehen und in einem sehr spezifischen Bereich kooperieren." Er wird wohl noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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