Digitalisierung: 6 Tipps wie man den Megatrend nutzen kann

Digitalisierung: 6 Tipps wie man den Megatrend nutzen kann

Was müssen Vorstände und Geschäftsführer tun, um nicht von der Konkurrenz oder gar jungen Start-ups abgehängt zu werden? Andreas Dörner, Vorstand von CNT Management Consulting, leistet mit seinen Tipps Hilfestellung.

Die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft im globalen Wettbewerb steht und fällt mit der digitalen Transformation. Wer nicht handelt, überlässt die Wertschöpfung anderen. Doch viele Unternehmen tun sich schwer mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Andreas Dörner, Vorstand von CNT Management Consulting, gibt Managern, Vorständen und Geschäftsführern Hilfestellung für Digitalisierungsprojekte.

1.

Digitale Transformation erproben

Erfolgreiche Digitalisierungslösungen haben ihren Ursprung oft im Labor. In freien Räumen können innovative Methoden und neue Projekte völlig losgelöst vom Tagesgeschäft entwickelt und getestet werden. Noch besser wäre es freilich, eine Digital-Unit zu gründen, die als eigenes Eco-System innerhalb des Unternehmens arbeitet, um unvoreingenommen und live Prototypen testen zu können. Wenn sich hier gute Ansätze zeigen, kann man diese weiterentwickeln und ins Unternehmen übertragen. So wird bereits im Vorfeld geprüft, ob eine Idee erfolgversprechend ist und Rentabilität und Umsatz steigert.

2.

Entwicklung mit Lean Start-up-Ansatz

Im Silicon Valley werden digitale Geschäftsmodelle nach dem „Lean Start-up“ Ansatz kreiert. Durch diesen agilen und schlanken Zugang kommt man sehr viel schneller zu Ergebnissen. Entscheidend dabei ist, Ideen von Anfang an Nutzertests zu unterziehen und Prototypen unter realen Bedingungen zu testen. Wenn man schon scheitert (was durchaus Bestandteil der Entwicklungskultur ist), dann möglichst rasch und günstig. Durch diesen Ansatz wird schon in einer frühen Phase deutlich, ob ein digitales Geschäftsmodell überhaupt das Potential hat, erfolgreich zu sein, ein Problem löst und den Nutzer überzeugt.

3.

Nutzenorientiert mit Design Thinking

Da letztlich jedes neue Produkt und jede innovative Dienstleistung dem Kunden gefallen muss, setzt man in der Entwicklung immer mehr auf "Design Thinking"-Methoden und agiert entlang von Kundenwünschen und Bedürfnissen. Digitale Innovationen werden so direkt mit dem Endkunden getestet, ohne dass dahinter bereits eine konkrete Entwicklung oder ein funktionsfähiges Produkt steht. Oft können Produkte sogar ohne IT-Aufwand getestet werden. Die Struktur einer App etwa lässt sich von Papier aufs Handy übertragen, um den Nutzer zu befragen oder Bedürfnisse zu ermitteln. Entscheidend ist, dass man nur die allernötigsten Funktionen berücksichtigt, die man braucht, um ein Problem zu lösen.

4.

Business-Ziele im Fokus

Digitalisierungsprojekte haben immer zum Ziel, neue Ertragsquellen zu erschließen oder bestehende Kosten zu reduzieren. Je besser die Datenlage, desto einfacher kann man simulieren. Daher zählen vor allem jene Daten, die man von den Nutzern gewinnt. Von Anfang an sollte man jedenfalls auf Business-Ziele hinarbeiten und Kennzahlen (KPIs) bestimmen, um Fortschritte zu messen. Die Daten können dabei durch Interviews, auf Messen oder durch Test-Verkäufe erhoben werden, aber auch durch Online-Testkampagnen. Durch iterative Prozesse und konsequente Datenauswertung erhält man rasch aussagekräftige Grundlagen, ob eine Innovation das hält, was man sich von ihr verspricht.

5.

Disruption ohne Rücksichten

Wer ein Digitalisierungsprojekt ohne Rücksicht auf das Kerngeschäft startet, kann revolutionär Neues kreieren. Denn es geht bei der Disruption ums Hinterfragen bestehender Geschäftsmodelle, um im Ergebnis Prozesse oder Produkte neu zu denken und zu gestalten. Dies erfordert Bereitschaft zur Veränderung – weg von langfristigen Ablauf- und Projektplänen, hin zu fortlaufenden Testverfahren in Entwicklungsphasen und damit auch einer gewissen Akzeptanz des Scheiterns. Trotzdem braucht man die etablierten Geschäftsmodelle natürlich nicht gleich über den Haufen zu werfen. Meist läuft es nach dem Dominoprinzip. Wenn etwas in der Digital-Unit funktioniert, kann es nach und nach aufs ganze Unternehmen übertragen werden. Nichts ist so entwaffnend wie ein kleines Entwicklungsprojekt, das sich am Markt erfolgreich beweist.

6.

Start-up-DNA wichtiger als Branchenkenntnis

Nicht zuletzt erfordern neue Technologien neue Mitarbeiterrollen und Kompetenzen. In der digitalisierten Arbeitswelt werden daher v.a. Experten mit Digitalisierungsknow-how und Start-up Erfahrung benötigt, hingegen gerät die klassische Geschäftsprozessexpertise in den Hintergrund. Erfolg hat, wer streng nach der nutzenzentrierten Vorgehensweise agiert und transparente, effiziente Lösungen liefert. Mit unkonventionellen Technologie-Ansätzen und einem überraschenden Marketingauftritt sind diese Start-up Unternehmen oftmals in der Lage, selbst etablierte Player vor sich herzutreiben. Sich als eingesessenes Unternehmen dieser Kultur zu öffnen, kann eine “Win-Win-Situation” schaffen.


Fazit: Der Trend zur Digitalisierung ganzer Wertschöpfungsketten ist unaufhaltsam. Was digitalisiert werden kann, wird zukünftig digitalisiert. Dies betrifft sämtliche Unternehmensprozesse, Arbeitsverfahren und Kommunikationssschritte. Steht das Management hinter der digitalen Transformation, wird sie gelingen. Daher muss die Digitalisierung von höchster Ebene mit Nachdruck vorangetrieben werden.


Zur Person

Andreas Dörner, Vorstand CNT

Andreas Dörner, Vorstand CNT

Andreas Dörner ist Vorstand der SAP-Beratungsgesellschaft CNT Management Consulting AG mit Sitz in Wien und weiteren Standortorten in Österreich, Südtirol und Deutschland. Das Unternehmen organisiert regelmäßig "Design Thinking"-Workshops für Unternehmen mit Digitalisierungspotenzialen.

E-Mail an den Autor: a.doerner@cnt-online.com

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