„Digitalisierung ist auch ein Thema des Mindsets“

Homeoffice, Homeschooling und Onlinehandel haben das Land während der Lockdowns am Leben erhalten. Aber wie geht es jetzt weiter? Wird die Digitalisierung wieder herunterfahren – oder genutzt für Wachstum der Wirtschaft und bessere Bildungschancen? Das ist das Thema des aktuellen trend. Talks.

trend. Talk mit Stefan Trondl, General Manager Dell Technologies Austria, Dietmar Böckmann, Managing Director der Erste Digital, Heike Leimbach, Digitalisierungssektion Wirtschaftsministerium und Karim Saad, Gründer Nachhilfeportal „Class Ninjas“.

Statt 1.500 Mitarbeitenden im Home Office auf einmal mehr als 15.000; die Bankomaten gestürmt von verunsicherten Menschen – von Bandbreite bis Bargeld reichten die Herausforderung für die Erste Digital, dem IT-Dienstleister von Erste Group und Sparkassen, beim ersten Lockdown. Fazit von Geschäftsführer Dietmar Böckmann, Managing Director der Erste Digital: „Es hat alles gut funktioniert. Und als IT können wir wirklich stolz darauf sein, dass wir so vielen das Arbeiten im Home Office ermöglicht und so dazu beigetragen haben, dass viele Familien gesund geblieben sind.“

Als Überlebensmittel in der Pandemie hat sich die Digitalisierung ohne Frage bewährt, aber kann sie auch mehr? Kann sie die Wirtschaft resilienter gegen Krisen machen und vielleicht sogar der Motor eines neuen Wirtschaftsaufschwunges sein? „Absolut“, ist Stefan Trondl, General Manager von Dell Technologies Austria, überzeugt, „denn viele Unternehmen haben erkannt, dass die Digitalisierung zusätzliche Umsätze bringen kann, wenn man es richtig macht.“


Viele Unternehmen haben erkannt, dass die Digitalisierung zusätzliche Umsätze bringen kann, wenn man es richtig macht.

Stefan Trondl, General Manager Dell Technologies Austria

Um auch kleineren Unternehmen den Zugang zu erleichtern, bietet die IT-Branche zunehmend pay-per-use Modelle an – gezahlt wird je nach Nutzung von Dienstleistungen oder Speicherkapazitäten. „Damit erleichtern wir KMU ganz entscheidend den Zugang zur Digitalisierung“, betont Trondl, „was für ein Mittelstands-Land wie Österreich große Bedeutung hat.“ Er weist allerdings auch auf ein Risiko der Digitalisierung hin: „Alle Prozesse werden für den Endkunden absolut transparent. Und wenn da irgendein Schritt nicht funktioniert, kann das schnell zu einem negativen Kundenerlebnis führen. Das ist durchaus eine Gefahr.“

Eine ganz andere, noch größere Hürde bei der Digitalisierung Österreichs spricht Heike Leimbach, im Wirtschaftsministerium für das Thema Digitalisierung und Gesellschaft zuständig, an: „Wir haben in den vergangenen Monaten eine Zuspitzung erlebt: Einerseits Menschen, die ihre Arbeit digital fortsetzen konnten, und auf der anderen Seite Menschen und Berufsgruppen, die diesen Wechsel nicht so schnell mitmachen konnten.“ Diese Lücke zu schließen sieht Leimbach keineswegs als rein technische Herausforderung: „Das ist vor allem auch ein Thema des Mindsets. Jede und jeder muss sich bewusst machen, dass man nicht mehr mit einer Berufsausbildung, mit einem Bildungsweg auskommen wird. Gefragt ist lebenslanges Lernen, was in Österreich leider nicht sehr populär ist.“


Jede und jeder muss sich bewusst machen, dass man nicht mehr mit einer Berufsausbildung, mit einem Bildungsweg auskommen wird.

Heike Leimbach, Digitalisierungssektion Wirtschaftsministerium

Einen besonderen Stellenwert hat dabei das Bildungssystem. „Digitalisierung geht über die technische Infrastruktur weit hinaus, Digitalisierung bedeutet einen Paradigmenwechsel im Denken“, ist Karim Saad, Gründer des erfolgreichen Mathematik-Nachhilfeportals „Class Ninjas“ überzeugt. Seine Forderung: „Das Verständnis für Programmierung muss schon im Kindergarten geweckt werden. Nicht, weil alle Kinder Programmierer werden sollen, sondern damit sie die digitale Welt verstehen. Nur so können wir verhindern, dass die Schere zwischen denjenigen, die sich in der digitalen Welt bewegen können, und denjenigen, die das nicht können, nicht größer wird. Das wird die größte Herausforderung der Zukunft sein, denn selbstverständlich werden durch die Digitalisierung auch Arbeitsplätze verschwinden.“


Digitalisierung geht über die technische Infrastruktur weit hinaus, sie bedeutet einen Paradigmenwechsel im Denken.

Karim Saad, Gründer Nachhilfeportal „Class Ninjas“

Einig waren sich die Diskutanten, dass eine solche Kraftanstrengung weder von der Politik noch von der Wirtschaft oder dem Bildungssystem alleine gestemmt werden kann, dafür sei Kooperation und Zusammenarbeit notwendig. Und: Es braucht auch ein Umdenken in den Unternehmen. „Die Digitalisierung verändert die DNA von Unternehmen“, weiß Dietmar Böckmann, „und bei diesem Prozess müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden, weil es bei vielen Ängste gibt.“ Konkret wünscht er sich weitere Investitionen in Fachhochschulen, da seien die Erfahrungen sehr gut.


Die Digitalisierung verändert die DNA von Unternehmen. Bei diesem Prozess müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden.

Dietmar Böckmann, Managing Director der Erste Digital

Auch Bildungsexperte Saad möchte das Thema konkret angehen: „Es wäre toll, wenn sich in den nächsten sechs Monaten eine Schule zu einem hybriden Unterrichtsmodell entschließen könnte mit einem Tag Homeschooling. Und das wird dann zu einem Paradebeispiel, dem sich viele andere Schulen anschließen werden. Es geht doch jetzt darum die Vorteile der Digitalisierung, die wir gesehen haben, zu nutzen. Und auch einmal über die Probleme hinwegzusehen.“

Für Heike Leimbach liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, möglichst viele Akteure zusammenzubringen, um umfangreiche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten Richtung digitaler Zukunft anbieten zu können. „Dazu gehört aber auch, dass jede und jeder solche Angebote eigenverantwortlich nutzt.“

Das Ziel aller Maßnahmen formuliert Dell-Österreich-Chef Stefan Trondl so: „Es geht darum, die Digitalisierung für den weiteren Aufschwung der Wirtschaft zu nutzen. Und gleichzeitig potenziellen Verlierern dieser Entwicklung ausreichend Möglichkeiten zu geben, eben nicht zu Verlierern zu werden.“

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