Digitaler Nachlass: Abschied von Profilen, Daten und Konten

Digitaler Nachlass: Abschied von Profilen, Daten und Konten

Auch der digitale Nachlass sollte zu Lebzeiten geregelt werden.

Was passiert mit digitalen Daten und Konten, wenn jemand stirbt? Wie steht es um Profile in den Sozialen Netzwerken? Der Digitale Nachlass ist mittlerweile auch ein Geschäft. Die Wiener Städtische bietet etwa an, sämtliche Online-Formalitäten nach einem Todesfall zu erledigen.

Auch wenn es gerne verdrängt wird: Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Während es in der realen Welt Usus ist, dass man noch zu Lebzeiten den eigenen Nachlass regelt, wird auf den digitalen Nachlass oft vergessen.

Zu diesem digitalen Nachlas gehören alle Daten, die nach einem Todesfall im Internet weiterbestehen. Dazu gehören Profile in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter ebenso wie bei Partnervermittlungsbörsen oder anderen Online- Plattformen und Diensten wie Netflix, Ebay, Spotify, iTunes, Google Play, Dropbox, Songkick. Ebenfalls geregelt werden muss, was mit E-Mail- oder Online-Banking-Konten, Mitgliedschaften bei Bezahldiensten wie PayPal, Blogs, Domainnamen oder Websites passieren soll. Die Hinterbliebenen müssen sich um deren Weiterbestehen, die weitere Nutzung oder die Löschung kümmern.

Rechtlich ist nicht geklärt, wie mit einer Hinterlassenschaft in der Online-Welt umzugehen ist. In allen Sozialen Netzwerken muss zunächst der Todesfall gemeldet und belegt werden, andernfalls besteht das Konto weiter. Das weitere Vorgehen unterscheidet sich von Netzwerk zu Netzwerk. Auf der Informationswebsite des Bundeskanzleramts help.gv.at wird die grundlegende Problematik erklärt

Facebook: Gedenk-Status

Facebook und Xing geben im Gegensatz zu anderen Sozialen Netzwerken auch im Todesfall aus Datenschutzgründen keine Daten an Dritte weiter. Die Angehörigen können daher nicht auf das Konto der Verstorbenen/des Verstorbenen zugreifen, wenn ihnen das Passwort nicht bekannt ist und somit auch das Konto nicht selbst deaktivieren. Wollen die jeweiligen Benutzer ihren Hinterbliebenen Zugriff auf das eigene Profil ermöglichen, müssten sie das in einem gesonderten Testament bestimmen. Auch Rechtsanwälte oder Notare können damit beauftragt werden.

Facebook hat jedoch die Möglichkeit eines sogenannten Erinnerungsstatus geschaffen, der nach einer Todesmeldung aktiviert werden kann. Es entstehen Gedenkseiten. Das profil wird dabei eingefroren, Freunde der Verstorbenen können weiterhin Einträge hinterlassen. Die Angehörigen können auch beantragen, dass der Account komplett gelöscht wird.

Facebook bietet aber auch die Option, dass man noch zu Lebzeiten eine Erbin oder einen Erben für das eigene Konto auswählt, einen sogenannten („Nachlasskontakt“). Einer der eigenen Facebook-Kontakte wird ermächtigt, das digitale Erbe zu übernehmen, bekommt dadurch aber zum Beispiel keinen Zugriff auf private Nachrichten und kann auch zuvor gepostete Inhalte nicht löschen.

Das Business-Netzwerk Xing hingegen schaltet das Profil einer als verstorbenen gemeldeten Person zunächst inaktiv und sendet eine E-Mail an den Nutzer. Bleibt diese E-Mail innerhalb von drei Monaten unbeantwortet, wird das Profil endgültig gelöscht.

Leitfaden Digitaler Nachlass

Der Verband der österreichischen Internetprovider (ISPA) hat eine Broschüre (Leitfaden Digitaler Nachlass) verfasst, in dem weitere Ratschläge zum Thema digitaler Nachlass zu finden sind. Diesen zu ordnen beginnt bei der Vorsorge, sprich einer Bestandsaufnahme, die aus einer einfachen Liste mit allen Online-Mitgliedschaften, Profilen und den entsprechenden Login-Daten besteht. Eine solche Liste sollte im Idealfall bei einem Notar hinterlegt werden, damit dieser im Todesfall eine entsprechende Anleitung hat. Außerdem sollte geregelt werden, wer im Todesfall Zugriff auf sensible und persönliche Daten bekommt.

Erschwert wird die Arbeit der Hinterbliebenen sonst nämlich dadurch, dass viele Online-Communities noch gar keine festgeschriebenen Prozedere für Todesfälle haben und sich die Angehörigen von Kundenservice zu Kundenservice durcharbeiten müssen. Vor allem das Löschen von Profilen wird oft zu einem Spießrutenlauf. Das Onlineverzeichnis backgroundchecks.org gibt einen Überblick darüber, wie einfach oder schwer es ist, Online-Profile bei diversen Anbietern zu löschen.

All-In-One-Versicherungsservice

Seit rund einem Jahr bietet auch die Wiener Städtische ein digitales Nachlass Service an, das nach einem Todesfall alle Formalitäten aus einer Hand abwickelt. Die Versicherung erledigt dabei sämtlicheFormalitäten wie das Abmelden des Verstorbenen bei Behörden und Krankenkassen bis hin zu Telekommunikations- und Energieanbietern. Dazu kommen die digitalen Hinterlassenschaften, Online-Verträge oder Mitgliedschaften bei E-Mail-Diensten und in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing. Initiiert hat den Service der Wiener Verein, eine Tochtergesellschaft der Wiener Städtischen Versicherung.

Bisher wurde das posthume Service rund 3.500 Mal abgeschlossen. „Das belegt das große Interesse von Kunden und Bestattern“, meint Wiener Städtische General Robert Lasshofer. Er glaubt, dass der Service bald fixer Bestandteil jeder Bestattungsvorsorge sein wird. „Der Bedarf ist hoch und wird weiter steigen“.

Bei Abschluss einer Wiener-Verein-Bestattungsvorsorge ist der „Digitale Nachlass Service“ standardisiert mit eingeschlossen. Je nach Abschlussalter beträgt die Prämie monatlich zwischen 1,40 Euro und 1,90 Euro. Über Bestatter kann man die Dienstleistungen des „Digitalen Nachlass Service“ ebenfalls in Anspruch nehmen

Die Versicherung übernimmt nicht nur die Kündigung von rund 250 verschiedenen Diensten. Die Erben erfahren auch rasch, ob Verbindlichkeiten oder Guthaben bestehen und können sich vor vermeidbaren Kosten schützen. Dazu müssenb sie weder wissen, bei welchen Anbietern der Verstorbene Kunde war, noch müssen sie Zugangsdaten oder Passwörter kennen. „Ohne professionelle Hilfe stellt diese Situation Betroffene vor eine kaum lösbare Aufgabe“, meint Lasshofer.

Kommentar
Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

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