Digitale Seiten einer Stadt: Blockchain-Experimente und smarte Parkplätze

Digitale Seiten einer Stadt: Blockchain-Experimente und smarte Parkplätze

Ulrike Huemer hat ein Elf-Mitarbeiter-Team und Budgetverantwortung für 200 Mio. Euro/Jahr. Sie hat die Digital-City-Initiative aufgesetzt.

Die CIO der Stadt Wien, Ulrike Huemer, demonstriert eindrucksvoll, dass sich Verwaltungsreform und Innovationsarbeit durchaus vertragen und Wien auch hier „anders“ ist.

Sitzungen, Produktpräsentationen und Digitalisierungsstrategien entwickeln – Ulrike Huemer hat den typischen Arbeitstag eines IT-Verantwortlichen. Aber nur fast. Bei Huemer kommt noch etwas Komplexität dazu, denn als CIO der Stadt Wien ist sie für die Digitalisierung „eines der größten Gemischtwarenkonzerne der Welt“ zuständig, sucht sie eine Analogie zur Wirtschaft. „Wir decken über 30 Branchen ab, müssen deren unterschiedliche Prozesse verstehen und dabei extrem flexibel sein, wie wir mit den Kunden umgehen.“

Und diese Kundenbasis wächst, ganz ohne Vertrieb: Im Schnitt bekommt Wien 30.000 Bürger mehr pro Jahr und die wollen gut betreut werden. Wie in der freien Wirtschaft hat aber auch Huemer die Herausforderung, mehr Kunden mit den denselben – oder idealerweise – noch günstigeren Ressourcen, zu betreuen. „In der Privatwirtschaft treibt der disruptive Mitbewerb die Digitalisierung, bei der Stadtverwaltung bedeutet Digitalisierung vor allem, bei steigenden Anforderungen handlungsfähig zu bleiben. Wir müssen Technologien so einsetzen, dass wir das Leistungs- und Serviceniveau sowie die Lebensqualität halten.“

Verwaltungsreform in echt und live

 Im öffentlichen Bereich bedeutet so etwas dann Verwaltungsreform und die treibt Ulrike Huemer im Rahmen ihres Einflusses ziemlich zackig voran. „Zu der Reform hat es Innovationsgruppen gegeben, die Konzepte erarbeitet haben und in den kommenden ein, zwei Jahren geht es an die Umsetzung. Da wird sich extrem viel tun,“ freut sie sich. „Vor allem auch für die Mitarbeiter ist es wichtig, dass wir schnell ins Tun kommen. Die wollen sehen, dass nicht nur Strategien gewälzt werden, sondern Reformen passieren – das produziert Erfolgserlebnisse und motiviert.“

Das aktuell größte und herausforderndste Projekt Huemers ist die Konsolidierung der städtischen IT-Abteilungen und deren Rechenzentren: von drei auf eines – Dreiklang heißt das Projekt. „Das ist technologisch eine Herausforderung und mit 20 Millionen Euro Einsparung auch ein toughes Ziel, das wir erreichen wollen.“ Die Mitarbeiter, die noch in separaten Teams arbeiten, zeigen bereits gemeinsamen Teamgeist: „Bei Lizenzausschreiben sagen sie jetzt schon, lasst uns das doch zusammen machen, das spart Geld.“

Mittel, die Huemer sowieso lieber in Innovationspiloten steckt: Blockchain, das Internet der Dinge, Big Data, das sind in Wien keine Buzzwords. Huemer hält in diesen Themen wenig von umfangreichen Lastenheften und langwierigen Evaluierungsphasen: „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Bei diesen klassischen Vorgangsweisen weiß man erst spät, ob die gewünschten Effekte überhaupt erreicht werden können.“ Sie und ihr Team probieren aus. Ein Blick ins Innovationslabor: Wien hat zwei Blockchain-Piloten laufen. Einer soll die aufwendige Manipulation mit Mitarbeiter-Essenbons vereinfachen, ein zweiter soll Open-Government-Daten unkompliziert aktuell halten. „Wir probieren aus, ob wir für diese Projekte eine öffentliche Plattform wie etwa Ethereum verwenden oder doch lieber eine private für die Stadt Wien.“

In einem Big-Data-Projekt wird das Aufkommen von Besucherströmen und deren Steuerung im Krisenfall analysiert und das Internet der Dinge wird mit Sensoren in Maschinen erprobt, deren Wartungszyklen optimiert werden soll. Noch smarter werden soll auch das Parken in Wien. „Ein wichtiges Thema für die Bevölkerung“, sagt sie und lächelt vielsagend. „Je einfacher die Bürger parken können, umso zufriedener sind sie. Irgendwann werden wir Parkkapazitäten smart verteilen können.“

Huemer organisiert mit einem operativen Team von rund 1.000 Mitarbeiter die Technologien für die ganze Stadt und plant auf Jahre.

Dennoch landen bei ihr Projekte, die sie nicht am Radar hat, aber trotzdem umsetzen muss. 2016 und 2017 mussten vor allem zwei Dinge eingeschoben werden: „Die neue Umsetzung der bedarfsorientierten Mindestsicherung musste programmiert werden und die Bundespräsidentenwahl sowie die Nationalratswahl forderten Kapazitäten ziemlich heraus.“ Seit Jahren arbeitet sie an einer neuen Wahladministration. Bei jedem Wahlgang muss das Entwicklungsteam aber eine mehrwöchige Pause vor und nach dem Urnengang einlegen, bevor man sich wieder den Innovationen widmen kann.


Lesen Sie auch:

Die digitale Neuerfindung der Stadt Wien
Wiener Vizemagistratsdirektor Müller: „Innovation durch Kooperation“
Geteilte Macht als Überlebensstrategie
WU Wien - Für Stadt und Standort


Das Programm des Global Peter Drucker Forums 2017 (#GPDF17) zum Download

Sicherheit im Wandel: Von links: Ralph Echemendia, Peter Sempelman (trend), Michaela Novak-Chaid (HP), Stefan Schrey (HP), Roland Marko (Wolf Theiss Rechtsanwälte), Javier D. Fernández (Privacy & Sustainable Lab WU)

safeIT: Sicherheit im Wandel

Safe:IT - ein Abend im Zeichen der Sicherheit

Digital

Paypal am Prüfstand: Wie sicher ist der Kunde?

Geld

Google, Facebook & Co: Giganten für die Ewigkeit?