Cyber-Attacken: Nach FACC auch Internorm betroffen

Cyber-Attacken: Nach FACC auch Internorm betroffen

Auch der Fensterhersteller Internorm geriet ins Visier der FACC-Betrüger. Die Polizei zählt inzwischen 30 Fälle.

Das E-Mail trudelte kurz vor Weihnachten ein. Die Absenderin: Miteigentümerin und Aufsichtsrätin Anette Klinger - zumindest auf den ersten Blick. Denn die Endung der E-Mail-Adresse, @fma-wien.at, kam dem Prokuristen der IFN-Holding, zu der auch die Fenstermarke Internorm zählt, sofort eigenartig vor. Auch von dem im Text angeführten Projekt, im Zuge dessen er eine Überweisung in Höhe von 1,5 Millionen Euro tätigen sollte, hatte der Mitarbeiter noch nie etwas gehört. Er schrieb zurück, und als das Antwort-E-Mail nur noch rätselhafter ausfiel, ging er zu seinem Chef.

"Bei uns gibt es keine Ruckzuck-Überweisungen per E-Mail, über Projekte führen wir laufend persönliche Gespräche", erklärt der für Finanzen zuständige IFN-Holding-Vorstand Johann Habring, warum die FACC-Cyberbetrüger letztlich keinen Erfolg hatten.

Fraud Alarm

Denn es steht außer Zweifel, dass das Paradeunternehmen mit Sitz im oberösterreichischen Traun von exakt jenen Kriminellen attackiert wurde, die dem Innviertler Flugzeugzulieferer einen Schaden von 50 Millionen Euro zufügten. Das idente Timing und die Vorgangsweise lassen darauf schließen, dass FACC und Internorm Teil einer breiten Angriffswelle waren. Die Wirtschaftskriminalisten im Bundeskriminalamt zählen mittlerweile 30 Fälle des sogenannten CEO- oder Fake-President-Fraud in Österreich. Als der FACC-Fall Ende Jänner bekannt wurde, waren es erst zwölf. Schaden ist seitdem jedoch keiner mehr entstanden.

Stets ist es die gleiche Masche. Minutiös werden die Zeichnungsberechtigten und typische Überweisungsgrößen ausspioniert, ehe ein Mitarbeiter kontaktiert wird. Im Fall von FACC wurde das Geld dann in mehreren Tranchen an Konten in der Slowakei, China und Taiwan geschickt. Die Betrüger waren bisher unauffindbar. Über den aktuellen Ermittlungsstand schweigen die Kriminalisten aus taktischen Gründen. IFN-Vorstand Habring sieht jedenfalls einen entscheidenden Schlüssel zur Immunisierung in einer intakten Firmenkultur: "Bei uns sind führende Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden."

Digital

Chris Boos: "Wir erfinden mit Künstlicher Intelligenz das Rad neu"

Digital

Neues "Silicon Austria" bekommt 280 Millionen Euro

Jeff Jarvis

Digital

Jeff Jarvis: "Jammern ist kein Businessmodell"