Connected Mobility: Ideen für die Zukunft

Zukunft der Feuerbekämpfung: „CFT - Concept Fire Truck“ von Rosenbauer

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Das Motorrad mit der eigenen Stimme starten, den besten Stellplatz für das Feuerwehrauto am Einsatzort finden oder an der Tankstelle bezahlen, ohne auszusteigen: Am Connected Mobility Hackathon in der KTM Motohall in Mattighofen wurden Ideen für die Zukunft geschmiedet.

„Ready to race!“ – mit einem solchen Zuruf könnte man zum Beispiel in Zukunft ein Motorrad starten. Ganz ohne Schlüssel, nur mit der eigenen Stimme. Voice-Identification, also Identifizierung über die eigene Stimme, macht es möglich - und andere Services wie mobiles Bezahlen ebenso.

Wer das braucht und wozu? Nun, Motorradfahrer, die auch eine entsprechende Schutzkleidung tragen, kennen das Problem: Wenn sie zu einer Tankstelle fahren müssen sie den Helm abnehmen, Handschuhe ausziehen und dann die Geldtasche hervorkramen. Ein mobiles, kontaktloses Bezahlsystem könnte würde das erheblich vereinfachen.

Genau das war einer der Business-Cases, an dem die 150 Teilnehmer des 2. Connected Mobility Hackathon in der KTM Motohall in Mattighofen Ende April drei Tage lang arbeiteten. Mit dem Londoner Start-up MyVoiceAI wurde an Sprachsteuerungs-Lösungen rund ums Motorrad getüftelt.

Es war nicht das einzige Innovations-Projekt, das der Motorradhersteller im Rahmen des Hackathons mit Start-ups voranzutreiben versuchte. Weitere Teams aus KTM-Mitarbeitern und Vertretern des Münchner Start-ups VISCOPIC arbeiteten an 3D-Anleitungen, die Händlern mittels Augmented Reality zeigen, wie sie Motorräder fertig zusammenbauen sowie an virtuellen Trainingsprogrammen für Mechaniker.

Vernetzte Motorräder

KTM nimmt das Thema Digitalisierung ernst. Die Mattighofner haben eine eigene "Innovation GmbH" gegründet, um die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben. Walter Sieberer, Co-Geschäftsführer des digitalen Thinktanks, sieht das Motorrad der Zukunft als ein IoT-Objekt, ein Internet-of-Thing. (Siehe Interview: "Ready for Digital: KTM vernetzt das Motorrad")

Selbst wenn am Weg zum IoT-Motorrad noch viele Fragen offen sind - Anlässe wie der Hackathon sind ideal, um neue Ideen auszuloten. „Der Hackathon hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen", erklärte dann auch Viktor Sigl, CFO der KTM AG. "Vor allem war es bemerkenswert zu sehen, wie unter einer Wettbewerbssituation mit einem lösungs- und kundenorientierten Ansatz praxisnahe Ergebnisse erzielt wurden. Diese Wettbewerbssituation kommt uns als Rennsportmarke besonders entgegen.“

Motorrad-Hacking: Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen werden sofort getestet.

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Das mobile Bezahlen ist klarerweise auch ein Thema, das Finanzdienstleister brennend interessiert. Und daher arbeiteten Entwicklerteams des Wiener Start-ups Bluecode gemeinsam mit Payment-Solutions-Spezialisten der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLBOÖ) an einem Bezahlsystem - auch für Motorradfahrer. Und obwohl der Hackathonnur für den Zeitraum von drei Tagen angesetzt war kam man einer Lösung ein gutes Stück näher.

„Der Hackathon hat gezeigt, dass man kompetente Lösungen auch in kurzer Zeit und in einem überraschend hohen Detaillierungsgrad erarbeiten kann. Wir hoffen, dass sich dadurch nicht nur konkrete Lösungen für unsere Kunden ergeben, sondern dass wir diesen positiven Spirit der Zusammenarbeit auch ins Unternehmen tragen können“, sagt Mag. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLBOÖ.

Assistenzsysteme für Feuerwehr

Ein weiteres Unternehmen, das sich am Hackathon neue Impulse holte, ist der Feuerwehr-Ausstatter Rosenbauer. Feuerwehreinsätze sind immer eine Herausforderung und ein Risiko für die Feuerwehrleute. Ganz wichtig ist beispielsweise, dass das Drehleiterauto seine Stützen auf geeignetem, festem Untergrund ausfahren kann. Assistenzsysteme mit Sensoren und Kameras können solche Stellplätze identifizieren. Das Berliner Start-up GESTALT Robotics arbeitete mit Rosenbauer an einem solchen System, das mit zehn statt Tausenden Kamerabildern auskommt.

Mit craftworks aus Wien arbeitete Rosenbauer an der Analyse von Datensätzen, um die Wartung und Reparatur der Fahrzeuge effizienter zu gestalten. Die Fahrzeuge sollen mit einer Software überwacht werden die rechtzeitig darüber informiert, wenn ein Bauteil in Gefahr gerät, nicht mehr einwandfrei zu arbeiten. Außerdem will der Leondinger Feuerwehrausstatter seine Produktion optimieren, indem er für einige Fahrzeugmodelle Standards definiert. Welche Fahrzeugtypen sich dafür am besten eignen, daran arbeitete ein Team mit dem Salzburger Start-up Cognify.

Rosenbauer-Vorstandschef Dieter Siegel: "Die teilnehmenden Teams haben vorgeführt, wie wichtig es für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist, immer wieder eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen. In den nächsten Monaten werden wir die vorgeschlagenen Lösungen einem umfassenden Praxistest unterziehen und sie auf ihr kommerzielles Potenzial abklopfen."

Bester Pitch

Nach den drei Tagen pitchten alle Teams ihre Resultate vor einer hochkarätigen Jury, zu der Rosenbauer-Chef Siegel, RLB OÖ GD-Stv. Michaela Keplinger-Mitterlehner und KTM-CFO Viktor Sigl gehörten. In diesem Rahmen wurde auch der „Beste Pitch“ gekürt: Dieser Preis ging an das Tiroler Start-up Holo-Light, das sich auf virtuelle Beladepläne spezialisiert hat. Insgesamt wurden acht Start-ups für eine weitere Zusammenarbeit ausgewählt.

Der nächste Hackathon der Initiative Connected Mobility findet vom 5. bis 7. November in der Grand Garage in der Tabakfabrik Linz statt. Unternehmen, die sich für eine Teilnahme an diesem Event mit Open-Innovation Charakter interessieren, können sich schon jetzt bei der Initiative Connected Mobility des Automobil-Clusters der oö. Standortagentur Business Upper Austria, anmelden.

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