Kampf um die Cloud: Wie die Deutsche Telekom Amazon "killen" möchte

Kampf um die Cloud: Wie die Deutsche Telekom Amazon "killen" möchte

Weg mit dem Packerl: Hinter dem Amazon-Pavillon wirbt die Deutsche Telekom für ihre eigene Lösung.

Die "Open Telekom Cloud" der Deutschen Telekom ist eine offene Kampfansage an Amazon mit seinem Cloud-Dienst "Amazon Web Services". Die Deutschen wollen sicherer, einfacher und günstiger sein als der US-Konkurrent. Als Partner ist die chinesische Huawei an Bord.

Für markige Sprüche und offene Kampfansagen ist die Deutsche Telekom normalerweise nicht bekannt. Die Bonner sind eher das Sinnbild eines deutschen Konzerns, der mit Gründlichkeit und Reserviertheit punktet. Doch geht es um die Open Telekom Cloud, das neue Cloud-Angebot des Unternehmens, dann sieht die Sache anders aus. In dem kleinen Besprechungsraum auf der CeBIT in Hannover projiziert Ferri Abholhassan, Verantwortlicher für das Projekt „Un-Outsourcer“, das Bild eines Haifischs an die Wand, der in ein Schild beißt – das Schild trägt die Aufschrift des größten Konkurrenten im Cloud-Geschäft: Amazon.

Ein paar hundert Meter weiter hat Amazon einen Pavillon in Wolkenform errichtet, in dem sich Kunden über den Cloud-Dienst des weltweit größten Online-Händlers, „Amazon Web Services“ (AWS), informieren können – gleich dahinter prangt ein Plakat der Deutschen Telekom, auf dem eine junge Frau einen Karton aus dem Fenster wirft. Die Symbolik ist eindeutig.

Chinesen als Partner

„Mein Ziel lautet: Kill Amazon“, sagt Abholhassan. Gelingen soll das mit der Open Telekom Cloud, die von den Deutschen auf der CeBIT präsentiert wurde. Dabei handelt es sich um eine Public Cloud, bei der die Daten in einem Rechenzentrum in Deutschland gespeichert werden – Stichwort: NSA-Skandal. „Wir glauben, dass die Wertschöpfung der Cloud wieder zurück nach Europa muss“, sagt der Telekom-Manager: „Eine solche Plattform muss europäisch sein“. Von T-Systems, der Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom, werden das Netz das Rechenzentrum, der Betrieb und das Cloud-Management beigesteuert – die Hardware kommt allerdings vom chinesischen Tech-Konzern Huawei.

Ferner versprechen die Deutschen, dass die Einrichtung des Cloud-Dienstes über einen Web-Browser funktioniert und nicht komplizierter ist als beim Wettbewerb – während einer Live-Demonstration auf dem CeBIT-Stand des Unternehmens demonstriert ein Mitarbeiter gegenüber trend.at, dass eine individuelle Cloud-Lösung tatsächlich mit wenigen Klicks eingerichtet ist.

Keine Vertragsbindung

Außerdem will man über den Preis punkten: „Wir geben das Versprechen, immer 15 Prozent billiger zu sein“, sagt Abholhassan: „Wir können diesen Preisvorteil bieten, weil wir auf einem Standardsystem aufbauen“. Es wurden skalierbare Lösungen entwickelt, welche die Kunden für ihre jeweiligen Projekte nutzen können. Mit dem Projekt „Un-Outsourcer“ setzt die Deutsche Telekom außerdem im Cloud-Geschäft ein Konzept um, das viele Privatkunden schon von ihren Handyverträgen kennen: Keine Vertragsbindung. „Wer unzufrieden ist, kann jederzeit kündigen“, sagt Abholhassan: „Dadurch nehmen wir Neukunden die Hemmung, in die Cloud zu gehen“.

Anette Bronder, Geschäftsführerin der Digital Division von T-Systems: Kunden vom Großkonzern bis zum Ponyhof.

In den ersten Wochen konnte die Open Telekom Cloud über 200 Testkunden gewinnen – vom Großkonzern bis zum Ponyhof. „Es gibt KMU, die sich durch unsere Lösung mit ein paar Klicks erstmals ein bisschen Cloud kaufen“, sagt Anette Bronder, Geschäftsführerin der Digital Division von T-Systems: „Für den Einsteiger ist die Bedienung ebenso intuitiv wie für den Großkunden, der bereits Erfahrung mit unseren Mitbewerbern hat.“

Cloud-Umsatz soll sich bis 2018 verdoppeln

Die Telekom will ihren Umsatz mit der Cloud für Geschäftskunden bis Ende 2018 verdoppeln. Laut IR-Abteilung der Deutschen Telekom stieg der Umsatz von 1,0 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2015. Zum Vergleich: Der große Konkurrent Amazon erwirtschaftete im Jahr 2015 mit seinem Cloud-Dienst AWS einen Umsatz von 7,88 Milliarden Dollar, nach 4,644 Milliarden Dollar im Vorjahr.

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