Blockchain - Wirtschaft verkettet

Blockchain - Wirtschaft verkettet

Die Anwendungsmöglichkeiten für Blockchain sind geradezu unbegrenzt. Ausgewählte Blockchain-Fallbeispiele aus der Praxis reichen vom Energiehandel über Schiffslogistik bis hin zur Lebensmittelkontrolle.

Energiehandel

Noch ist der Gashahn nicht aufgedreht, aber der dreimonatige Laborversuch hat alle Beteiligten recht zuversichtlich gemacht: Von Februar bis Mai diesen Jahres haben Wien Energie, BP und ENI gemeinsam mit dem kanadischen Blockchain-Start-up BTL und der strategischen Unterstützung von EY durchgespielt, wie sich das Energie-Contracting, in diesem Fall von Gas, mit Blockchain-Konzepten effizienter machen ließ. "Durch die starke Automatisierung in den Prozessen konnten wir die Transaktionsfrequenz auf ein neues Level hochschrauben", sagt Wien-Energie-Sprecher Boris Kaspar. Gasdeals werden massenhaft und im Sekundentakt abgeschlossen.

Mit einem Blockchain-Konzept können viele administrative Arbeitsschritte, die es in der Abstimmung braucht und die mit E-Mails, Telefonaten u. a. passieren, zusammengefasst werden. Kaspar: "Was wir unter Laborbedingungen getestet haben, wird in einigen Jahren Normalität sein. Wir wollen diese Konzepte frühzeitig in unsere Geschäftsmodelle integrieren."

Die nächsten Projekte sind bereits avisiert. Der Energieversorger verweist auf die Expertensicht, dass die "Blockchain durch ihr dezentrales System einen erhöhten Schutz gegen Hackerangriffe bieten könnte".

Schiffslogisitk

90 Prozent aller globalen Güter werden jährlich als Seefracht befördert. Dabei durchläuft jeder Container zahlreiche Verwaltungsschritte. Überall, von der Befüllung bis zur Zollabwicklung und vielem mehr, ist der Eingriff durch zahlreiche Personen und Organisationen erforderlich. Maersk, weltweit führender Anbieter im Bereich Transport und Logistik, entwickelt deshalb seit Anfang 2017 mit IBM einen länderübergreifenden Supply-Chain-Prozess, der all diese Verwaltungs- und Kontrollaufgaben mittels Blockchain deutlich vereinfachen soll. Die Papiere und Dokumente von täglich Millionen von Frachtcontainern können damit einfach verwaltet und rückverfolgt werden.

Die Blockchain ermöglicht endlich eine vollständige Digitalisierung der Lieferkette, da alle Einträge samt Orts- und Zeitangaben fälschungssicher und zugleich für alle relevanten Parteien transparent vorliegen. Das schafft das nötige Vertrauen und reduziert die Komplexität im Handel beträchtlich, schützt vor Betrug und Fehlern und eliminiert viele unnötige Prozeduren. Ein Netzwerk von Spediteuren, Reedereien, Häfen und Zollbehörden arbeitet zum Aufbau des neuen digitalen Handels zusammen. Die Blockchain soll hier Milliarden an Dollar einsparen.

Lebensmittelsicherheit

Einer von zehn Menschen erkrankt laut WHO jedes Jahr an verunreinigter Nahrung, 400.000 Menschen sterben an den Folgen. Bis die wahren Verursacher von Verunreinigungen in Lebensmitteln ausgeforscht werden können, dauert es. Oft müssen dann sicherheitshalber in teuren Rückrufaktionen Unmengen an guten Lebensmitteln vernichtet werden. Der Lebensmittelhändler Walmart hat schon 2016 mit einem Pilotprojekt für Aufsehen gesorgt, bei dem dank der Blockchain die Produktions-und Transportbedingungen von Produkten erstmals klar nachvollzogen werden konnten.

Die Technologie dazu entwickelte der IT-Konzern IBM, der schon Hunderte Blockchain-Projekte in zahlreichen Branchen durchgeführt hat. Nun wählte im August ein globales Konsortium mit zahlreichen Marktführern wie Nestlé oder Walmart IBM als Partner aus, um eine weltweite Blockchain-Lösung für höhere Lebensmittelsicherheit zu entwickeln.

Künftig lassen sich so vom Feld über die Kühlcontainer bis hin zum Regal die Waren verfolgen. An jeder Station wird mit genauer Orts- und Zeitangabe sowie Zusatzinformationen wie der Temperatur der Zustand fälschungssicher erfasst und Probleme sofort gemeldet. So bekommt der Konsument garantiert einwandfreie Lebensmittel.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 35/2017 vom 1. September 2017 entnommen.

Ravin Mehta, Gründer von "The unbelievable Machine Company" (*uM)

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