Blockchain, aber richtig: Checkliste für den Einsatz Unternehmen

Prof. Alfred Taudes, Vorstand des Forschungsinstituts Kryptoökonomie der WU und langjähriger Vortragender der WU Executive Academy, erklärt, für welche Anwendungsfälle die Blockchain in Unternehmen besonders geeignet ist und wie Unternehmen sie für ihr eigenes Business einsetzen können. Eine Check-Liste für die Praxis.

Thema: Executive Education
Blockchain, aber richtig: Checkliste für den Einsatz Unternehmen

Die wertvollste Kette der Welt ist angeblich eine Halskette, an der der sagenumwobene Hope-Diamant baumelt. Der Wert des Diamanten alleine wird auf 200 bis 250 Millionen Dollar geschätzt, in Wahrheit ist der 45,42 Karat schwere, dunkelgrau-blaue Edelstein, der 1688 vom französischen König Ludwig XIV gekauft wurde aber unbezahlbar.

Noch wertvoller und garantiert unbezahlbar ist aber die Blockchain. Aus dem Beschäftigungsfeld einiger weniger Krypto-Nerds ist in den letzten Jahren eine viel beachtete Erfolgs-Technologie geworden, die das Potential hat, unser aller (Wirtschafts-) Leben von Grund auf zu verändern. Auf der ganzen Welt fragen sich Unternehmen, wie sie diese Technologie selbst erfolgreich einsetzen können, und wenn ja, wie?

Prof. Alfred Taudes, Vorstand des Forschungsinstituts Kryptoökonomie der WU, langjähriger Vortragender der WU Executive Academy und wissenschaftlicher Leiter des Austrian Blockchain Center, gibt darauf Antworten. Und hat eine Check-Liste für die Unternehmens-Praxis parat.

Eine Technologie für viele Fälle

Alfred Taudes, WU / Austrian Blockchain Center

Alfred Taudes, WU / Austrian Blockchain Center

Die Blockchain-Technologie wurde ursprünglich verwendet, um sichere Zahlungen mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen zu ermöglichen. Mittlerweile kommt sie in den unterschiedlichsten Bereichen in der Praxis zur Anwendung. „Gerade in den letzten Monaten hat sich die Blockchain-Technologie stark weiterentwickelt“, erläutert Taudes. So gab es etwa Verbesserungen beim Energieverbrauch und der Geschwindigkeit - Blockchains erfordern sehr aufwändige Rechenprozesse.

Aber auch bei den Kryptowährungen gibt es neue Möglichkeiten, unter anderem sogenannte Stablecoins, das sind Kryptowährungen, deren Wert an traditionelle Assets wie den US-Dollar gekoppelt ist. Diese bilden die Basis von „Decentralized Finance“ – offene Protokolle, die auf Basis der Ethereum-Blockchain Alternativen für Finanzdienstleistungen wie Darlehen anbieten.

Was tun mit der wertvollsten Kette der Welt?

In der modernen, digitalisierten Wirtschaftswelt bietet diese Technologie eine ganze Reihe außergewöhnlicher Möglichkeiten zur Vereinfachung, Automatisierung und Steigerung der Verlässlichkeit. Wie aber können Unternehmen abschätzen, ob sich der Einsatz dieser Technologie für das eigene Business lohnt? Die folgende Blockchain-Checkliste zeigt, wo die Erfolgs-Technologie inzwischen unverzichtbar ist, für welche Branchen sie sich besonders gut eignet und wie Unternehmen konkret vorgehen sollten, wenn sie sich für den Einsatz der Blockchain entscheiden.

Wo die Blockchain-Technologie nicht mehr wegzudenken ist

  • In der Finanzwelt. Hier entstehen ganz neue Anbieter, die auf der Blockchain-Technologie aufsetzen, wie Bitpanda oder Coinfinity. Banken verwenden die Blockchain derzeit zur sogenannten Tokenization: Damit kann für Wertgegenstände wie Aktien, Immobilien oder Kunstwerken eine digitale Repräsentation erstellt werden, die es erlaubt, auf Basis einer Blockchain rascher und in vielen kleineren Teilen gehandelt zu werden.
  • Produktion und Supply Chain Management. Hier erlaubt die Blockchain die Notarifizierung von Produktionsdaten, die Verfolgung von Gütern entlang der Wertschöpfungskette und die unveränderliche Speicherung von Digital Twins. Unverzichtbar wird die Blockchain bei der Realisierung des Physical Internet. Bei diesem Konzept werden die derzeitigen unternehmensspezifischen Logistiknetze durch ein dezentrales, analog zum digitalen Internet organisiertes, organisationsübergreifendes, auf Standards basierendes Netzwerk ersetzt.
  • Im E-Government. In Österreich wird derzeit eine Public-Blockchain-Lösung aufgebaut, deren erste konkrete Umsetzung der Notar für jedermann sein wird: Damit kann nachgewiesen werden, welche Inhalte eine Datei zu einem bestimmten Zeitpunkt hat. Eingesetzt wird das beispielsweise in der Kreativ- und Designbranche, wenn es um den Nachweis der Herkunft von Ideen geht. Den großen Wurf in diesem Bereich verspricht das Konzept der „Self-Sovereign Identity“. Dabei kann jeder Staatsbürger in einer digitalen Dokumentenmappe seine Identitätsdaten selbst verwalten und selektiv für Behörden und Unternehmen freigeben. Dies erspart die derzeit aus Datenschutzgründen notwendige wiederholte händische Eingabe in verschiedene Formulare – etwa, wenn staatliche Services in Anspruch genommen werden, oder bei Compliance-Anfragen von Finanzdienstleistern.
  • Im Kulturbereich. Hier gibt es interessante Anwendungen wie den Wiener Kultur Token, bei dem Fahrten mit der Straßenbahn mit Tokens belohnt werden, die man dann auf einem Marktplatz gegen Besuche von Kultureinrichtungen eintauschen kann. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt CryptoWiener, bei dem Wiener Persönlichkeiten wie Sigmund Freud als Tokens gekauft werden können – diese Pixelart-Kunstwerke sollen zeigen, wie sich die Blockchain in der Kunstwelt einsetzen lässt.
  • Gesundheit. Corona hat auch die Wichtigkeit einer datenschutzkonformen Verarbeitung von Gesundheitsdaten aufgezeigt und hier leistet die Blockchain-Technologie wichtige Beiträge. Beispielsweise können mit Blockchain basierten Verschlüsselungsmethoden verteilt erhobene und verschlüsselte Gesundheitsdaten ausgewertet werden, ohne dass diese entschlüsselt und zentral gesammelt werden.
  • Energiesektor. Auch im Energiebereich ist die Blockchain als Basis von Peer-To-Peer Energy Trading wichtig, bei dem Konsumenten zugleich die Rolle von Energieherstellern – etwa über die eigene Photovoltaikanlage – übernehmen und mit Energie handeln können. Ebenso ist die Blockchain im Bereich der E-Mobilität von Bedeutung, beispielsweise für die sichere Bezahlung von Ladevorgängen über unterschiedliche Infrastruktureinrichtungen.

Für welche Branchen eignet sich also Blockchain?

Immer dann, wenn mit anderen Unternehmen wichtige Werte und heikle Daten ausgetauscht werden sollen und das nicht zentralisiert laufen soll, ist die Blockchain die passende Technologie. Es handelt es sich um eine disruptive, neue Möglichkeit der Kommunikation. „Auch das Internet bestand ja anfangs nur aus E-Mails und wir sehen, was daraus geworden ist. Blockchain kann also in jeder Branche erfolgreich angewendet werden, manche wie die Finanz- und die Energiebranche, oder der Bereich Supply Chain Management eignen sich aber besonders gut“, so Taudes.

Schritt für Schritt zur Umsetzung im eigenen Unternehmen

  1. Der erste Schritt ist, eine Antwort auf diese grundlegende Frage zu finden: Ist die Blockchain für mein Problem geeignet? Das sollte man gemeinsam mit einem Berater beantworten. Ein Beispiel: Wenn das eigene ERP-System mit jenem eines Partners zusammengehängt werden soll, kann das über die Blockchain erfolgen. Ein ERP-System lediglich durch eine Blockchain-Lösung zu ersetzen, macht keinen Sinn.
  2. Proof of Concept erstellen: In einem zweiten Schritt geht es darum, einen einfachen Prototyp zu erstellen, um zu sehen, wie die konkrete Anwendungen aussehen kann und wie sie in der Praxis funktionieren könnte.
  3. Rechtliche Rahmenbedingungen überprüfen: Diese müssen Unternehmen unbedingt am Radar haben, weil eine Nichtbeachtung oft ein Show Stopper für das ganze Projekt sein kann. Speziell geschulte Juristen des Austria Blockchain Centers stehen hier etwa zur Verfügung.

Blockchain - erfolgreich mit dem richtigen Geschäftsmodell

„Ob eine Blockchain-Lösung funktioniert, ist neben der entsprechenden Analyse der eigenen (Geschäfts-) Situation vor allem von einem abhängig: dem geeigneten Geschäftsmodell“, sagt Taudes. Die Erstellung eines solchen ist ein interaktiver und vor allem auch kreativer Prozess. Am Anfang muss ein Gefühl für die Möglichkeiten, die die Technologie der Blockchain bietet, entwickelt werden. In weiterer Folge ist es wichtig, sich die eigenen Geschäftsmodelle, Beispiele und Best Practices aus anderen Unternehmen bzw. Branchen anzusehen: Wo wird die Blockchain bereits erfolgreich eingesetzt und wie kann es gelingen, darauf basierend eine neue Idee zu entwickeln?

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, denn der Einsatz der Blockchain-Technologie steht erst am Anfang. Wenn es etwa darum geht, Geschäftsprozesse zu vereinfachen und zu automatisieren, eine sichere Kommunikation zu garantieren oder Betrugsmöglichkeiten zu reduzieren, bietet die Blockchain in naher Zukunft eine Vielzahl von Möglichkeiten.


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Die WU Wien bündelt in ihrer Executive Academy ihr Programmportfolio im Bereich „Executive Education“. Dazu zählen MBA und Master of Laws Programme, das Universitätsstudium Diplom BetriebswirtIn, Universitätslehrgänge, Custom Programs und Kurzprogramme. Durchschnittlich 800 Graduate Students und ca. 1.200 Führungskräfte, Fachleute und High-Potentials aus über 75 Ländern werden jedes Jahr in den Programmen aus- und weitergebildet.

Für alle MBA Programme bekam die WU Executive Academy im Herbst 2015 als erste und einzige österreichische Anbieterin das international renommierte Qualitätsgütesiegel AACSB verliehen. Gemeinsam mit EQUIS und AMBA verfügen WU und die WU Executive Academy jetzt über die seltene und begehrte „triple accreditation“.

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