Bitcoin & Co. - Das Geld aus dem Computer

Bitcoin & Co. - Das Geld aus dem Computer

Wie Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. entstehen und was Verbraucher damit machen können.

Grafikkarten werden knapp und teuer - solche Schlagzeilen las bis vor wenigen Monaten kaum jemand außer passionierten Computerspielern. Warum das jetzt mehr Menschen interessiert? Weil es ungefähr so bedeutend ist, als hätte man den Goldgräbern im 19. Jahrhundert ihre Spitzhacken genommen. Das neue Gold, die Digitalwährung Bitcoins, kann nur unter massivem Rechnereinsatz entstehen.

Und wer die wirklich guten Grafikkarten hat, kann den Stromverbrauch beim Rechnen minimieren. Geschürft wird dort, wo Strom und Arbeitskräfte billig sind - China ist auch hier eine große Werkbank. Die größte Mine Österreichs ist die Leondinger Firma Bittex, die allerdings nicht Bitcoins rechnet, sondern die Konkurrenzwährung Ethereum "abbaut".

Wie enstehen Bitcoins?

Die Währung besteht aus einer Kette von Datenblöcken, die fälschungssicher aneinandergereiht werden und in einem globalen Rechnerkollektiv dezentral verwaltet werden. Wer neue Datenblöcke erschafft, wird mit Bitcoins "entlohnt", mit denen dann gehandelt werden kann. Limitiert ist das virtuelle System durch sein Designkonzept: Aktuell sind 16,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Bis 21 Millionen kann noch gerechnet werden, dann ist Schluss. Experten rechnen, dass dieses Ziel schon in den nächsten Jahren erreicht sein wird.

Durch Modifikation in den Verkettungen wurden und werden immer mehr Kryptowährungen entwickelt und in sogenannten Initial Coin Offerings (von Konzept her wie ein Börsengang) begeben. "Während ein Börsengang sehr aufwändig ist und erst bei Unternehmen möglich ist, die bereits auf dem Markt etabliert sind, kommt ein ICO auch in der Frühphase eines Start-ups in Frage," schreibt Aaron König in seinem Buch "Cryptocoins", das am 11. September erschienen ist - ein lesenswerter Ratgeber für Einsteiger. "Mittelfristig werden die allermeisten dieser Kryptowährungen nicht überleben", sagt der Unternehmer (u. a. Tian) und Bitcoin-Experte Christian Halper, der regelmäßig Vorträge hält: "Wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung. Ein Geldsystem aufzubauen, ist ja nur eine Idee von vielen."

Virtuelle Geldproduktion. Mehr als die Hälfte der Bitcoin-Minen sitzen in China, der Strom ist billig und kommt vielfach aus Kohlekraftwerken. Bitmain ist eine der größten.

Reguliert oder gar von staatlichen Bankenaufsichten ist das digitale Konzept bislang noch nicht. Der Wechselkurs erreichte in den letzten Wochen schwindelerregende Höhen. Finanzexperten warnen wohl zu Recht von einem hochriskanten, volatilen Markt. Das Vertrauen der Verbraucher rechtfertigten einige Händler jedenfalls nicht. Der Chef der bis zu ihrem Kollaps vor drei Jahren größten Börse (Mt. Gox) etwa wurde vor wenigen Wochen angeklagt, da er Bitcoins im Wert von mehreren Millionen Dollar veruntreut haben soll. Ein Goldrausch zieht eben immer auch Glücksritter an.

Wer akzeptiert Bitcoins als Zahlungsmittel

Seit Cybererpresser Bitcoins zum Zahlungsmittel ihrer Wahl auserkoren haben, haftet dem virtuellen Geld zweifelhafter Ruhm an, allerdings zu Unrecht. Tatsächlich werden die virtuellen Münzen in vielen seriösen Onlineshops als Zahlungsmittel akzeptiert. Und wer sich über die Plattform Purse.io registriert, kann beim Einkauf auf Amazon bis zu 15 Prozent sparen. Auf der Straße wird der Bitcoin zwar in immer mehr Gasthäusern oder Läden akzeptiert, bleibt aber noch exotisch.

Wo kann man Krypto-Währungen wechseln?

In Österreich mittlerweile sogar schon auf der Post, die an allen 1.800 Standorten Voucher ausgibt, die bei Bitpanda gegen Kryptogeld eingetauscht werden können. "Von Juli auf August haben sich die Umsätze sogar verdoppelt", heißt es, auf welchem Niveau, wird allerdings nicht verraten.

Ausgegeben wird das Kryptogeld auch schon über einige Dutzend "Bankomaten", zu lokalisieren über coinmap.org, oder in Trafiken, über die die Grazer Firma Coinfinity einen Wechselservice anbietet. Deren Gründer, Max Tertinegg, ist vom Potenzial überzeugt: "Eine digitale Währung wird früher oder später eine nationale Währung als Weltreservewährung ablösen. In fünf bis zehn Jahren wird eine Weltreservewährung auf Blockchain- bzw. Kryptowährungsbasis entstehen."


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 35/2017 vom 1. September 2017 entnommen.

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