Round Table "Big Data" :
Klein anzufangen ist kein Fehler

Round Table "Big Data" :
Klein anzufangen ist kein Fehler

Auch wenn Big Data, Cloud und Co. viele Möglichkeiten eröffnen: Neue Geschäftsmodelle können nicht wie eine App einfach heruntergeladen werden. Ein Round Table mit Experten aus der IT-Branche über Chancen und Erfolgsfaktoren gelungener Digitalisierung.

Trend Talk Microsoft

Big Data, Cloud, künstliche Intelligenz – zusammen wirken diese Begriffe derzeit wie ein starker Cocktail, der einen kleinen Rausch ausgelöst hat, durch den plötzlich alles möglich scheint. Völlig neue Geschäftsmodelle entstehen fast wie von selber, denn die Daten verraten genau, was der Kunde wann und wo will. Doch sind die Dinge wirklich so einfach? Lässt sich das Business der Zukunft wie eine App herunterladen? Genau um diese Themen ging es bei einem Round Table zu den Chancen, die Big Data und Cloud-Lösungen bieten.

„Big Data ist wie ein Eisberg: Der große unsichtbare Teil sind die Möglichkeiten, die dadurch entstehen.“ Thomas Riedl, Nagarro

Deutlich wurde dabei, dass wir erst am Anfang eines großen Umbruchs stehen. „Das Thema Big Data ähnelt dem berühmten Eisberg, von dem wir nur kleine Teile sehen, nämlich die bestehenden Geschäftsmodelle der Unternehmen. Der große unsichtbare Teil sind die Möglichkeiten, die durch die neuen Technologien entstehen.“ Mit diesem Bild beschreibt Thomas Riedl, Managing Director des Software-Spezialisten Nagarro, die derzeitige Situation. Und wo steht Österreich in Sachen Daten-Autobahn? „Wir bewegen uns gerade vom Rastplatz weg auf die Beschleunigungsspur“, sagt Robert Resch, „einige haben es schon auf den ersten Fahrstreifen geschafft, aber bis zur Überholspur gibt es noch viel Potenzial.“

„Ein Konsument mit einem digitalen Lebensstil produziert täglich 500 Megabyte an Daten.“ Alexander Thiede, Microsoft

Das große Thema im Hintergrund lautet: Wie die vielen Daten richtig nutzen? „Wir sehen ein explosionsartiges Ansteigen der Datenmengen“, analysiert Alexander Thiede, Leiter des Geschäftsbereiches Cloud & Enterprise bei Microsoft Österreich, „ein Konsument mit einem digitalen Lifestyle generiert täglich mehr als 500 Megabyte an Daten.“

„75 bis 80 Prozent der Daten liegen brach und werden nicht genutzt.“ Martin Madlo, Interxion

Allerdings: 75 bis 80 Prozent der gesammelten Daten liegen laut einer Studie im Auftrag von Interxion, dem größten Rechenzentrums-Betreiber in Österreich, brach. „Die Herausforderung für Unternehmen ist es, zu erkennen, wie diese Daten genutzt werden können, um Kundenservices besser abzubilden oder auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, so Martin Madlo, Managing Director von Interxion.

Die Hürden dabei sind vielfältig. „Aus der ERP-Welt kommend stellen wir immer wieder fest, dass nicht die Menge der Daten die entscheidende Rolle spielt, sondern deren Inhalt und Qualität“, betont Robert Resch, zuständig für das Business Development beim SAP-Partner SCC. Vielen Unternehmen mangelt es auch an Kapazitäten. Thomas Tropper, Spezialist fürs Internet of Things bei Tieto Austria: „Gerade KMUs mangelt es an Budgets und Manpower, derartige Projekte anzugehen.“

Dennoch gibt es zahlreiche Beispiele für gelungen Big-Data-Umsetzungen. Mittels Wärmebild-Kamera und einem lernenden System hilft Microsoft einem Stahlproduzenten, den Ausschuss in der Produktion deutlich zu verringern. Die Traktoren eines Herstellers wurden so aufgerüstet, dass sie Daten über die Bodenbeschaffenheit sammeln und so auswerten, dass der Düngemitteleinsatz optimal gesteuert werden kann. Nagarro hat mit der Postbus GmbH eine smarte Lösung entwickelt, die die automatisierte Abnahme neuer Busse ermöglicht. Mit A1 Telekom Austria realisierte Nagarro eine Lösung, die mit Assisted Reality und Datenbrillen das Arbeiten in großen Höhen auf Masten erleichtert.

Vorausschauende Analysen von SCC helfen Handelsunternehmen dabei, den Verlust von Kunden zu verhindern, erleichtern Herstellern die Wartung ihrer Maschinen, optimieren Produktion und Logistik. Interxion hat gemeinsam mit einem Partner eine Plattform geschaffen, die zur Unterstützung laufender Gerichtsverfahren auf Basis lernender Algorithmen tausende Seiten komplexer juristischer Literatur durchkämmt. „Dadurch ist ein ganz neues Geschäftsmodell entstanden“, betont Interxion-Manager Madlo.

Aber warum geht die Entwicklung dann nur so schleppend voran? „Wer eine neue Produktionsstraße aufbaut, weiß, dass er danach billiger und schneller produzieren kann“, erläutert Thomas Tropper, „bei Big Data und Cloud Computing liegen die Vorteile nicht immer so klar auf der Hand, wie sie es sollten. Wir helfen unseren Kunden, diese sichtbar zu machen. “

Microsoft investiert deshalb stark in Programme, die Cloud-Lösungen in sogenannten „Hands on Labs“ direkt erlebbar machen. Darüber hinaus empfiehlt man Kunden, ruhig mit kleineren Pilotprojekten zu starten, die schnell umgesetzt werden können. „Dadurch kann man relativ schnell einen Return on Investment zeigen, was den Entscheidungsprozess erleichtert“, so Alexander Thiede.

Für Nagarro-Chef Riedl entscheiden vier Faktoren über den Erfolg eines Projektes: „Erstens ist ein spielerischer Zugang notwendig, der auch ein Experimentieren erlaubt. Zweitens ist eine kleine, abgegrenzte Aufgabenstellung hilfreich. Der dritte Parameter ist, bereits zu Beginn die Messbarkeit zu definieren und festzulegen, wann das Projekt ein Erfolg ist. Und der vierte, oft unterschätze Erfolgsfaktor ist, die betroffenen Fachbereiche ganz eng einzubinden.“

Thomas Tropper fügt noch einen weiteren Aspekt hinzu: „Am Ende kommt es immer auf die User-Experience an. Daher ist es von Vorteil, wenn die Projekte nicht IT-getrieben sind, sondern vom späteren Endkunden oder Anwender.“

„Die Entwicklung geht Richtung Sprachsteuerung und echter Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.“ Robert Resch, SCC

Und wie geht die Entwicklung jetzt weiter? „Durch die rasant steigende Verfügbarkeit von Cloud-Diensten können auch kleinere Unternehmen zu geringen Kosten Big-Data-Dienste nutzen“, sagt Alexander Thiede. SCC-Partner Robert Resch erwartet, „dass neben der weiteren Optimierung das Nutzer-Erlebnis wesentlich vereinfacht wird, und zwar in Richtung Sprachsteuerung und echter Kommunikation zwischen Mensch und Maschine“. Für Martin Madlo bieten die neuen Technologien gerade für KMU große Chancen, nämlich „auch ohne einen Pool hochbezahlter Spezialisten Daten zu analysieren und daraus Schlüsse für das Unternehmen zu ziehen“. Nachsatz: „Ich hoffe, dass diese Chancen auch genutzt werden.“

„Wir stehen mittelfristig vor einem Wandel, welcher zu einer verstärkten Nutzung von Big Data, AI und IoT Services in den nächsten Jahren führen wird.” Thomas Tropper, Tieto

Von einer kompletten Veränderung der User-Experience ist auch Thomas Tropper überzeugt: „Wir stehen mittelfristig vor einem Wandel, welcher zu einer verstärkten Nutzung von Big Data, AI und IoT Services in den nächsten Jahren führen wird.“

Alexander Thiede, Leiter des Geschäftsbereichs Cloud & Enterprise bei Microsoft Österreich

Thomas Riedl, Managing Director bei Nagarro Austria

Robert Resch, Business Development bei scc EDV-Beratung

Martin Madlo, Managing Director bei Interxion Österreich

Thomas Tropper, Product Owner IoT Solutions bei Tieto Austria

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