BCG-Österreich-Chef Haider: " Der digitale Wandel ist eine Chance"

Lukas Haider, Österreich-Chef der Boston Consulting Group (BCG), über den erfolgreichen Umgang mit der Neuordnung der Wirtschaftswelt durch die Corona-Krise.

BCG-Österreich-Chef Haider: " Der digitale Wandel ist eine Chance"

trend: Inwieweit unterscheidet sich der durch die Corona-Krise ausgelöste wirtschaftliche Abschwung von jenem in der Finanzkrise 2008/2009?
Lukas Haider: In der Finanzkrise waren durchgängig alle Branchen weltweit betroffen. In Österreich ging das Bruttoinlandsprodukt in dieser Zeit um vier Prozent zurück. Der Einschnitt durch die Corona-Krise ist massiver: Die heimische Wirtschaftsleistung wird heuer allen Prognosen nach um sieben Prozent einbrechen. Doch es gibt auch Gewinner, wenn man z. B. an den Technologie-und Pharmabereich denkt. Das ist der große Unterschied: Durch Covid-19 wurde ein beispielloser wirtschaftlicher Abschwung ausgelöst. Er ist allerdings heterogener in seiner Auswirkung auf einzelne Branchen.

Gibt es dennoch Lehren aus der Finanzkrise, die Unternehmen und Managern jetzt helfen können?
In unserer Studie "Comeback Kids: Durchstarten nach der Finanzkrise" haben wir uns angesehen, welche österreichischen Unternehmen sich nach der Finanzkrise am besten erholt haben - und wie sie das erreicht haben. Die "Comeback Kids" agierten dabei nach ähnlichen Mustern: Sie setzten rasch liquide Mittel frei, passten sich den neuen Gegebenheiten dynamisch an und richteten ihren Fokus konsequent auf eine langfristige Wachstumsstrategie aus. Initiative ergreifen und die neue Realität gestalten - das muss auch jetzt die Devise sein!

Geschieht das aus Ihrer Erfahrung heraus auch?
Die Kunden und Mitarbeiter haben die Reaktion auf die neue Realität sehr rasch vollzogen und eilen manchem Unternehmen dabei voraus. Covid-19 löste eine deutliche Beschleunigung bereits bestehender Trends aus. Wir haben Dinge gemacht und gelernt, die zuvor niemand in dieser Breite für möglich gehalten hätte: Mitarbeiter haben gelernt, was hybrides Arbeiten ist, und sind produktiv dabei. Kunden kaufen Autos, Lebensmittel, Kleidung online, auch Bankgeschäfte werden völlig selbstverständlich ohne Filiale abgewickelt. Die Corona-Krise wirkt so als gewaltiger digitaler Katalysator. Aber viele Betriebe hinken dieser Entwicklung noch hinterher. Der Wandel im digitalen oder technologischen Bereich vollzieht sich bei den Unternehmen oft noch viel zu langsam.

Gibt es Branchen, in denen das besonders stark sichtbar ist?
Betrachten wir z. B. die Automobilbranche. Bereits vor der Covid-19-Krise war in diesem Sektor schon vieles im Umbruch: neue Antriebstechnologien, autonomes Fahren, etc. Jetzt nimmt das Tempo der Veränderung deutlich zu. Wer nun plant, ein neues Auto zu kaufen, denkt eher an ein elektrisch betriebenes Fahrzeug als zuvor. Das bringt deutlichen Anpassungsbedarf für die Automobilhersteller und ihre Zulieferer mit sich. Ein anderes Beispiel ist der Finanzsektor. Hier wird die Digitalisierung durch Covid-19 noch rascher vonstatten gehen. Digitale Banking-Angebote werden zu einer noch schnelleren Bereinigung in den Filialnetzen führen.

Das wird aber auch den Personalabbau in diesen Branchen beschleunigen. In einem Elektroauto steckt ja, abgesehen von den Fahrassistenzsystemen, deutlich weniger Technologie. Und weniger Bankfilialen bedeuten weniger Mitarbeiter...
Natürlich werden diese Anpassungen zu Reorganisationen führen. Eine der größten Herausforderungen für das Management ist es aber, Mitarbeiter auf neue Aufgaben vorzubereiten und zu sehen, dass sie die richtigen Fähigkeiten besitzen. Große Teile der Beschäftigten, das können 40 bis 50 Prozent der Belegschaft sein, müssen weiter-oder umgeschult werden. Während Stellen in den Bankfilialen verschwinden, werden Data Scientists oder Cyber-Security-Experten händeringend gesucht.

Die Anforderungen an Mitarbeiter ändern sich also. Auch jene an Manager?
Was es bedeutet, Mitarbeiter zu führen, wird gerade neu definiert. Manager müssen beispielsweise echte Leistung erkennen und fördern. Nicht die Anwesenheit von früh bis spät ist entscheidend, sondern der effektive Beitrag zum Unternehmenserfolg. Einfühlungsvermögen und Anpassungsfähigkeit müssen für Führungskräfte künftig im Mittelpunkt stehen, was drei Elemente erfordert - wir nennen es "Leadership with Head, Heart, and Hands": Der Kopf ist wichtig, um Ziele und die für den Erfolg erforderlichen Prioritäten klar zu definieren. Das Herz wird benötigt, um Mitarbeiter zu inspirieren und mitzunehmen. Die Hände werden gebraucht, um innovativ und agil zu handeln.

Auch wenn die Corona-Krise extreme wirtschaftliche Auswirkungen hat, birgt sie also auch Chancen?
Absolut, Manager, die den digitalen Wandel als Chance erkennen, die Flexibilität im Unternehmen und bei den Geschäftsmodellen zeigen, die auch die Mitarbeiter unter diesen neuen Voraussetzungen gut führen können, die werden einen erfolgreichen Neustart schaffen und gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Dies wird zum Vorteil dieser Unternehmen, ihrer Kunden und Mitarbeiter sein.


Zur Person

Lukas Haider leitet die Niederlassung der Boston Consulting Group in Wien und ist Mitglied der Financial Institutions und Operations Praxisgruppen.



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