Banker fürchten sich vor Amazon & Co

Banker fürchten sich vor Amazon & Co

Amazon scheint nun auch den Bankern das Fürchten beizubringen.

Internetriesen sind das neue Schreckensszenario der Banken. Sie fürchten, dass die Top-Internetcompanys ins Bankgeschäft einsteigen. Vor den Fintechs ist die Furcht der Banker gewichen. Der Kunde soll bei Bankgeschäften den Internetriesen noch nicht so richtig über den Weg trauen.

Wien. Kaum eine Branche wird durch die Digitlaisierung so druchgerütelt wie das Banken- und Finanzwesen. Standen in den vergangenen 20 Jahren der WEttbwerb der Banken unterinander sowie das Internet im Fokus, müssen sich nun die Banken vor neuen Konkurrenten fürchten. Im Gegensatz zur Konkurrenz früherer Tage sind dies aber kleine Startups oder sogar Branchenfremde. Und dank Internet, vor allem schnellen Internetleitungen und Smartphones, ist der Konkurrente der etablierten ein Klick entfernet. Und vor allem: Rund um die Uhr sieben Tage die Woche verfügbar.

Um das Geschäft der Zukunft abzusichern, investieren Banken weltweit riesige Summen in ihr Internetgeschäft. Bei der Ersten und den Sparkassen in Österreich kommen im Monat auf 1,2 Millionen Filialbesuche schon 10 Mio. Online-Besuche. Die Konkurrenz wird aber dennoch schärfer. Weniger Sorgen machen der Bank Fintechs mit ihren unzähligen Bezahlangeboten. Weniger entspannt blicken die Banker auf den Einstieg von Internetgiganten wie Amazon in die Finanzwelt.

Der Internetriese vor dem Sprung

Noch sind die Bankkunden skeptisch oder villeicht auch nur noch nicht daran gewöhnt, dass Bankgeschäfte auch andere Unternehmen via Internet anbieten können.

Die Erste Bank wollte dies jedoch genauer wissen. Und hat 900 Österreichern und Österreicherinnen zwischen 16 und 69 Jahren. Befragt per Onlineinterview befragt. Demnach ist die Gefahr derzeit noch nicht gegeben. Denn 95 Prozent der Österreicher könnten sich nicht vorstellen über Facebook Bankgeschäfte zu machen, 87 Prozent würden sich dies über Google nicht trauen und 83 Prozent wollten auch mit Amazon keine Bankdienste abwickeln - trotz großer Innovationsfähigkeit der Internercompanys.

Die Skepsis der Onlinebank-Kunden gegenüber den Internetgiganten dürfte aber abnehmen, glaubt man in der Ersten. Auch die Internetschwergewichte wissen demnach, dass sie nicht alles selbst stemmen können.

Die fremde Hand

Kaum Wunder, dass der einst als Online-Buchhändler gestartete Internethändler Amazon sich nach Kooperationen um schaut. Erst vor einem Vierteljahr wurde mit dem Finanz-Schwergewicht JP Morgan Chase Gemeinsames vereinbart. Amazon werde also nicht auf eigene Faust ins Bankgeschäft einsteigen, sondern in Kooperation, so Erste-Group-Retailchef Peter Bosek am Mittwoch vor Journalisten.

Und mit der Kooperation hat Amazon genau dort hingestochen, wo es den Banker schmerzt: Bei den Girokonten. "Das beobachten wir mir großer Aufmerksamkeit. Das wird ziemlich smart sein", meint Erste Banker Bosek.

Wer hat die Daten

Spießen könnte sich die Sache mit den Bankgeschäften für Amazon & Co bei den gesammelten Daten und der Sicherheit. Hier haben nach Angaben die etablierten Geldhäuser noch einen Vorsprung. Während 72 Prozent der Internetnutzer ihre Daten beim Onlinebanking für sicher halten, billigten dies beispielsweise nur 9 Prozent Amazon zu. Das war ein weiteres Ergebnis der Umfrage. "Die Frage ist immer auch, wer verwendet meine Daten", sagten Bosek und Erste-Vorstand Thomas Schaufler.

Das sei schon vor dem Facebook-Skandal ein Thema gewesen. Große Internetkonzerne hätten immer wieder unglaublich große Datenlücken beklagt. Den Banken in Österreich indes sei mit dem Bankgeheimnis der Datenschutz in die Wiege gelegt worden. "Wir würden unsere Daten nie weiter verkaufen."

Erster Fintech-Hype passé

Bei den Fintechs ist nach Einschätzung von Bosek der erste Hype mit bisher jährlich dramatisch steigenden Investitionen in diese Branche vorbei. In der Regel seien dies Softwarefirmen, die einen Ausschnitt aus einer Bankdienstleistung herausnähmen und sehr gut programmierten, viele davon hätten aber Schwierigkeiten bei der Kundenakquisition feststellen müssen. Für Kooperationen mit diesen Anbietern ist auch die Erste weiter offen.

Die selber entwickelte Internetbankplattform George wird gerade auf die rund 16 Millionen Kunden in der Erste Group ausgedehnt. Zur Zeit hat sie 2,5 Millionen Nutzer, zu Jahresende sollen es 3 Millionen in vier Ländern sein. Zu Jahresende wird die Plattform in Rumänien ausgerollt, dann sind Ungarn und Kroatien dran. Priorität habe jetzt die Erweiterung im eigenen Netz, dann könnte es mit George in andere Länder gehen. Die Frage sei aber auch, ob bei einer Lizenzvereinbarung etwa mit einer deutschen Bank deren Kunden eine österreichische IBAN-Kontonummer wollten.

Im Filialnetz hat die Erste auch in Österreich Einsparungen durchgezogen. Online und Bankschalter sollen bei der Ersten ein Kombinationsangebot bleiben.

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

DSGVO: Daten-Auskunftsbegehren richtig erfüllen

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

DSGVO - Dem Datenschutz ausgeliefert

Andrea Jelinek, Leiterin der Datenschutzbehörde: "Die Zahl der Beschwerden hat sich mehr als verdreifacht."

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

100 Tage DSGVO: Das neue Recht und seine Folgen