Avanade-Chefin Noll: "Freude und Spaß als Erfolgsfaktoren"

Christiane Noll, Geschäftsführerin von Avanade, einem gemeinsamen Unternehmen von Microsoft und dem Berater Accenture, über Virtual Reality in der Arbeitswelt und Jobchancen mit Cloudtechnologie.

Avanade-Chefin Noll: "Freude und Spaß als Erfolgsfaktoren"

Christiane Noll, Geschäftsführerin von Avanade

trend: Aktuelle Studien zeigen, dass nach der Euphorie der gelungenen Umstellung auf Homeoffice nach dem langen Lockdown-Winter jetzt Motivation und Teamgeist leiden. Erleben Sie etwas davon bei Ihrer Arbeit mit Kunden, die Sie ja nicht nur bei der Implementierung von neuen Technologien unterstützen, sondern auch beim Kulturwandel Richtung New Work begleiten?
Christiane Noll: Nach dem, was ich von Kunden derzeit erfahre, steht da gar nicht so sehr die Beschäftigung mit der aktuellen Stimmung im Vordergrund, sondern die Überlegung: Was passiert danach? Wie geht es etwa mit dem großen Thema "Back to Office" weiter?
Homeoffice war für viele vor der Pandemie überhaupt kein Thema. Wäre damals geplant worden, dass ein Gutteil der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitet, hatte man monatelang vorher einen Changeprozess eingeleitet und ein Riesenprojekt aufgesetzt. Weil das aber sofort passieren musste, haben Unternehmen gesehen, was alles an Flexibilität und schneller Veränderung möglich ist. Dieses Aha-Erlebnis hat viele gute Unternehmen einen großen Schritt weiter gebracht. Das war ein sehr spannender Prozess, der natürlich ohne die entsprechende Technologien als Grundlage nicht möglich gewesen wäre.

Wird es auf breiter Front wieder eine Rückkehr zur Büroarbeit geben, wie wir sie vor Covid hatten?
Die Unternehmen werden ihre Leute nicht mehr für fünf Tage in der Woche zurück ins Office kriegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mitarbeiter da mitspielen, wenn sie jetzt die Vorteile von Homeoffice erlebt haben. Damit ist ja auch die Effizienz in vielen Unternehmen drastisch erhöht worden. Es geht da gar nicht so sehr um Mehrarbeit, sondern vor allem darum, intelligenter, smarter und effizienter zu arbeiten, sich die Zeit besser einzuteilen, um mehr Impact zu erzielen.


Unternehmen werden ihre Leute nicht mehr für fünf Tage in der Woche zurück ins Büro kriegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mitarbeiter da mitspielen, die jetzt die Vorteile von Homeoffice erlebt haben.

Wie sieht das bei Avanade selbst aus?
Wir leben ein komplett flexibles Arbeiten, und das erhöhen wir jetzt noch einmal, indem wir jeden zweiten Freitag frei haben. Das nennen wir Alternative Work Week und das sieht so aus, dass Mitarbeiter Stunden einarbeiten können, sodass sie jeden zweiten Freitag regulär frei haben. Das ist für unsere Mitarbeiter etwas ganz Cooles, weil damit jedes zweite Wochenende zum verlängerten Wochenende wird. Ich bin auch überhaupt nicht davon beeindruckt, wenn jemand besonders viel arbeitet und um zehn Uhr abends am Schreibtisch sitzt oder in der Nacht E-Mails schickt. Wichtiger ist, dass man smart, intelligent und effizient arbeitet und sich auf die wichtigen Dinge konzentriert. So bleiben die Mitarbeiter auch gesund und höchst motiviert. Freude und Spaß sind die meistunterschätzten Erfolgsfaktoren. Das sind die Voraussetzungen, um kreative Dinge und einen echten Mehrwert zu schaffen. Letztlich geht es mir darum, dass die Mitarbeiter einen Mehrwert für unsere Kunden schaffen und die dann damit auch happy sind. Dann ist das eine Win-win-win-Situation, bei der jeder ein besseres Leben hat.

Sie haben erwähnt, dass Technologie und Infrastruktur die Voraussetzungen sind. Wo liegt da jetzt der Nachfrage- und Beratungsschwerpunkt?
Das Thema Cloud hat durch die Entwicklungen des letzten Jahres einen enormen Schub bekommen. Momentan fahren viele Unternehmen da einen hybriden Ansatz und testen. Manche können die Infrastruktur schon richtig nutzen, was auch notwendig ist, wenn sie sich in die Welt von morgen begeben. In einer virtuellen Welt mit Augmented Reality, mit VR-Brillen, ist Cloud Voraussetzung, um überhaupt die notwendige Performance zu schaffen. Ich habe das selbst letztes Jahr auf einer rein virtuellen internen Microsoft Conference erlebt. Das war echt beeindruckend.

Inwiefern?
Man will ja Menschen sehen, sich mit Menschen austauschen. Mit VR ist eine persönliche Beziehung trotz Distanz möglich. Das war für mich ein Learning der Konferenz. Da hat man eine virtuelle Welt betreten und vorher seinen Avatar für das Event aufgebaut, auch sein Outfit zusammengestellt wie vor einem persönlichen Meeting. Dann betritt man mit einem Code den Vortragsraum. Schon dieser Vortrag in einer virtuellen Welt ist etwas anderes als eine Präsentation am Computer in einem Team-Meeting. Der Avatar kann auf die Seite blicken, man kann einen Kollegen ansprechen, der auch im Vortrag sitzt, darf mit ihm flüstern und mit ihm rausgehen ins virtuelle Kaffeehaus, während man daheim mit der Brille am PC sitzt. Das ist wie in der Spielewelt. Unsere Kinder fänden das völlig normal. Genau das werden wir à la longue auch in der Businesswelt verwenden.

Schwinden Vorbehalte gegen Cloud auch bei traditionelleren Firmen?
Bei einem Start-up würde man nicht einmal darüber nachdenken, aber etablierte Unternehmen und Menschen dort sind nun einmal oft verhaftet in alten Systemen. Da muss man die Transformation schrittweise, sehr smart und überlegt machen. Bei vielen Kunden bringen wir jetzt die ERP-Landschaft in die Cloud, weil der Markt einfach mehr Speed und Performance verlangt.

Hilft da, dass Microsoft mit einem Cloud-Rechencenter nach Österreich kommt?
Damit habe ich eine Mordsgaudi, weil wir parallel dazu als Avanade Österreich ein Servicecenter aufbauen, ein Intelligent Operation Studio, mit dem wir Kunden helfen, die Transformation in die Cloud zu gehen. Dafür werden wir intensiv investieren und suchen viele Menschen, die mitarbeiten wollen. Weil perfekte Profile dafür schwierig zu finden sind, starten wir auch eine eigene Academy, um Quereinsteigern die Möglichkeit zu geben. Ich denke an Leute, die aus anderen Technologien kommen, aber auch an Mütter beim Wiedereinstieg und würde auch gerne älteren Kollegen die Chance geben, auf diesen Zug aufzuspringen.


Zur Person

Christiane Noll ist seit der Gründung der Österreich-Tochter von Avanade 2016 Geschäftsführerin des gemeinsamen Unternehmens von Microsoft und Accenture. Die gebürtige Tirolerin war zuvor in der Geschäftsführung von Microsoft Österreich sowie beim Software-Start-up update.com tätig. Sie engagiert sich stark für Diversity.



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