Augmented Reality: Die unterschätzte Technologie

Augmented Reality: Die unterschätzte Technologie

Die Einsatzgebiete und Möglichkeiten von Augmented Reality und Virtual Reality in Unternehmen sind groß, werden hierzulande aber von vielen unterschätzt.

Die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmen in Betrieben immer stärker. Die Technik dazu liefern Virtual Reality und Augmented Reality. Aus realen Daten werden so Bilder, die die Realität täuschend echt nachbilden. Ganze Gegenstände und andere Informationen können so durch eine Brille oder ein Smartphon virtuell auferstehen. Klingt nach Spielereien für Technikliebhaber, ist aber längst viel mehr und für die Industrie binnen weniger Jahre zu einer nützlichen Instrument geworden, das Zeit, Geld und Ressourcen spart.

Augmented Reality (virtuelle Welt mit 360 Grad-Projektionen wird auf Smartphones, Head-up-displays oder Holgraphien eingespielt) und Virtual Reality (Blick durch eine 3D-Brille kann die virtuelle Welt gesehen, gehört und gespürt werden) haben auf breiter Front in Unternehmen Einzug – wenn auch nicht im großen Stil im deutschsprachigen Raum. In diesen Ländern steht man der neuen Technik skeptisch gegenüber. So geben über die Hälfte dieser Firmen, die vom Unternehmensberater Capgemini Befragten wurden, an, dass es sich bei dabei um einen Hype handelt.

Erwartungen der Nutzer erfüllt oder übertroffen

Doch damit könnten Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich einem fatalen Irrtum unterliegen. 82 Prozent von 700 befragten in AR- und VR-Projekte eingebundene Führungskräfte, gaben an, dass ihre Erwartungen von dieser Technik erfüllt oder gar übertroffen werden. In China haben 51 Prozent der Unternehmen begonnen, AR und VR zu implementieren, in den USA gilt das für 59 Prozent (AR) und 42 Prozent (VR) der Unternehmen. In Frankreich sind es immerhin jeweils 48 Prozent und 43 Prozent. In Deutschland sind das deutlich weniger. 38 Prozent der Unternehmen haben dort bereits AR- und 28 Prozent VR-Lösungen eingeführt.

Für den Report von Capgemini wurden Manager der Automobil-, Fertigungs- und Versorgungsbranche in Deutschland, Frankreich, USA, China, Großbritannien und Skandinavien befragt.

Technischen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren stark gestiegen

Doch was viele Technikskeptiker unterschätzen: Dank schnelleren, leistungsstärkeren Prozessoren, besseren Grafiken, Sensoren und Kameras, schnelleren Internetverbindungen und innovativen Möglichkeiten in der Softwareentwicklung haben sich binnen kürzester Zeit unzählige neue Möglichkeiten für VR und AR eröffnet. In jede Blickrichtung umsehen, bestimmte Punkte genauer betrachten und sogar heranzoomen. All das ist kein Problem mehr. Der Nutzer hat das Gefühl, direkt vor Ort zu sein. So kann unter anderem nicht nur das neue Auto, die neue Wohnung sich bildlich vor dem Kunden aufbauen, auch Unternehmen können so beispielsweise ihre Prozesse unkomplizierter und rascher steuern.

Bis zu 40 Prozent schneller

Am häufigsten wird AR laut der Studie von Capgemini eingesetzt, um digital Materialien zu prüfen (30 Prozent), etwa für die Qualitätssicherung. Porsche nutzt beispielsweise AR-Brillen, um Schritt-für-Schritt Anweisungen und schematische Zeichnungen in Blickrichtung einzublenden. So können Experten selbst aus der Entfernung Anweisungen geben. Bei Service-Anfragen kann so die Bearbeitungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzt werden.

Digitale Montageanleitung

Von den Befragten Studienteilnehmern von Capgemini werden AR und/oder VR neben der Prüfung von Referenzmaterialien, vor allem dazu verwendet nicht vor Ort anwesende Experten zu konsultiert, nicht einsehbare Komponenten digital zu betrachtet oder wie Porsche Schritt-für-Schritt-Anleitungen einzublenden. Um Konstruktion und Montage zu erleichtern, werden digitale Montageanleitungen eingeblendet. Produkte werden so unter Extrembedingungen geprüft, Infrastruktur aus verschiedenen Perspektiven visualisiert und neue Designkomponenten auf bestehende Module projiziert.

Übungen in der virtuellen Welt helfen Risiken in der echten Welt zu minimieren

Bei Virtual Reality werden virtuelle Umgebungen erstellt und sind so in der Lage Sicherheit und Effizienz zu verbessern, beispielsweise durch die Simulation von Risiken in der Umgebung. Mitarbeiter können so darauf vorbereitet werden. Airbus wiederum setzt VR ein, um für Mitarbeiter in der Produktion ein komplettes 3D-Modell des Flugzeugs während der Montage zu projiezieren. Die Dauer von Inspektionen hat sich laut Airbus seither von drei Wochen auf drei Tage verringert. VR wird deshalb bevorzugt zur Schulung von Mitarbeitern eingesetzt.

Weniger Unfälle, weniger Nackenschmerzen

Bei Ford wurden durch den Einsatz dieser neuen Technik Verletzungen in der Montage um 70 Prozent reduziert, ergonomische Probleme gar um 90 Prozent. Dazu wurden an Mitarbeitern Bewegungssensoren angebracht und mittels Virtual Realtiy Bewegungsabläufe erfasst und optimiert.

Vier Strategien für den Auf- und Ausbau von AR- und VR-Initiativen 16 Prozent der befragten Unternehmen zählen zu den Vorreitern dieser beiden Techniken. Sie haben frühzeitig und umfassend AR- und VR-Initiativen implementiert. Sie konzentrieren sich auf vier Schlüsselstrategien:
1. Teams und Innovationszentren für AR und VR schaffen
78 Prozent der Vorreiter verfügen über zentrale Teams oder Innovationszentren, um die Aktivitäten übergreifend zu steuern, verglichen mit nur 51 Prozent der übrigen Unternehmen.
2. Mitarbeiter qualifizieren
93 Prozent der Vorreiter investieren verstärkt in agile, interne Expertenteams, verglichen mit 76 Prozent der übrigen Unternehmen.
3. Fokus auf Anwendungen, die Mitarbeiter langfristig unterstützen
Den richtigen Anwendungsbereich zu finden, sollte Priorität haben. 50 Prozent der Unternehmen, die eine Vorreiterrolle einnehmen, geben aber zu, dass das eine der großen Herausforderung darstellt.
4. Technologieinfrastrukturen auf die Integration vorbereiten
Datenmangel und fehlende Technologiereife sind die größten Hemmnisse bei der Einführung von AR und VR. Eine reibungslose Integration in bestehende Technologien und die entsprechende Unternehmenskultur werden jedoch als essentiell eingestuft.

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