"America first" bei Produktivitätsgewinn im 5G-Funk

Eine Analyse des Beratungsunternehmens PwC sieht die USA bei der neuen 5G-Mobilfunkgeneration weit in Front. Weltweit werden durch die neue Technologie Produktivitätsgewinne im Wert von über 1 Billion Euro erwartet.

"America first" bei Produktivitätsgewinn im 5G-Funk

Wien. Die neue Mobilfunkgeneration 5G nimmt langsam aber sicher Fahrt auf, auch wenn etwa die Modellvielfalt bei Smartphones oder auch bei Anwendungen noch zu wünschen übrig lässt. Nach einer Analyse des Beratungsunternehmens PwC bringt 5G in den kommenden zehn Jahren kräftige Produktivität- und Effizienzsteigerungen für Unternehmen. PwC schätzt die Produktivitätsgewinne in seiner Analyse "Powering tomorrow" bis zum Jahr 2030 auf einen Wert von 1,3 Billionen Dollar (1,08 Billionen Euro) weltweit. Und zwar quer über alle Branchen.

"America first" heißt dabei das 5G-Motto. Die USA werden bei der Produktivitätsteigerung klar in Führung liegen vor China, Japan und Deutschland. Insgesamt haben die PwC-Technologieexperten acht Volkswirtschaften analysiert, in denen der Ausbau von 5G-Infrastruktur bereits weit vorangeschritten ist. Dabei wurden vor allem die ökonomischen Auswirkungen auf die Sektoren Versorgung (Strom, Gas), Gesundheit, Soziales sowie Verbraucher-, Medien und Finanzdienstleistungen untersucht.

Den größten Brocken der Produtkivitätsgewinne erzielt bis zum Jahr 2030 mit dem Einsatz der 5G-Technologie die USA mit 484 Mrd. Dollar. China folgt auf Rang zwei (220 Mrd. Dollar) gefolgt von Japan (76 Mrd. Dollar) und Deutschland (65 Mrd. Dollar). Aufgeteilt in Sektoren variieren die wirtschaftlichen Auswirkungen von 5G in den analysierten Volkswirtschaften: Laut der Prognosen werden die USA und Australien am meisten von 5G-Anwendungen im Bereich der Finanz-Dienstleistungen profitieren, Indien im Kontext der smarten Versorgung und China und Deutschland im Fertigungssektor

Die Top-8-Nationen beim neuen 5G-Mobilfunkstandard

Nach der Pandemie schaltet 5G hoch

Enorme Geschwindigkeiten und hohe Verlässlichkeit bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch machen den neuen Mobilfunkstandard 5G zu weit mehr als einer schnelleren Version von 4G. Die Datenübertragungsrate soll von derzeitigen 4G-Netze (LTE) über 300 Megabit pro Sekunde auf 10.000 Megabit pro Sekunde bei 5G gesteigert werden.

Während die 5G-Netze für die Gesellschaft in erster Linie einen flächendeckend ultraschnellen Breitbandzugang ermöglicht, setzen werden aus Unternehmenssicht aber ungekannte Potenziale der mobilen Konnektivität freigesetzt. Viel versprechen sich Unternehmen bereits in Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT, IdD). Die 5G-Technologie soll demnach mehr als nur Netztechnologie sein. Plakativ ausgedrückt sprechen Unternehmen bei 5G von der sogenannten Platfformökonomie. Über die 5G-Plattform soll für Unternehmen und die Gesellschaft der technologische Fortschritt in vollem Umfang, vor allem schneller nutzbar machen.

Gutes Covid für die nächste Techno-Welle

Ein Gutes können die PwC-Berater dann doch der Covid-Pandemie abgewinnen, ganz im Konnex zu 5G. Denn der Digitalisierungsschub dürfte infolge der Covid-Krise zwar gezwungenermaßen richtig Schwung bekommen haben. Aber Sektoren mussten sich neu aufstellen, die bisher die Digitalisierungsschritte vielleicht nur peu-à-peu voranbringen wollten. Und sich damit auch mehr Zeit gönnen wollten. „Die COVID-19 Pandemie hat die Digitalisierung über alle Sektoren hinweg beschleunigt", sagt Nicole Prieller, Partnerin und Leiterin des Bereichs Digital Consulting bei PwC Österreich, "der neue Mobilfunkstandard 5G wird die nächste große Welle der Technologisierung darstellen und Unternehmen neue Möglichkeiten für Wachstum und Veränderung bieten."

Nicole Prieller, Partnerin und Leiterin des Bereichs Digital Consulting bei PwC Österreich

In Österreich sei die 5G-Infrastrukturausbau im internationalen Vergleich bereits gut vorangeschritten. Bis 2023 soll eine flächendeckende Verfügbarkeit erreicht werden. Seit vorigem Frühjahr wurden die ersten 5G-Bundles für Privatanwender und für Unternehmenskunden geschnürt. Die Preise sind aber derzeit noch im Vergleich zu den 4G-Packages ein Mehrfaches. Einfach gesagt: Nur Techno-Aficionados und Unternehmen, die auf 5G nicht verzichten wollen oder dies nicht können, sind als First Mover bereits auf der 5G-Welle unterwegs.

Top-Profiteure: Gesundheit & Soziales

Das Gesundheitswesen und der Sozialbereich zählen zu den Sektoren, wo die größten Produktivitätsgewinne erwartet werden. Laut PwC-Analyse sollen 2030 it mit 530 Mrd. Dollar knapp über die Hälfte der weltweiten Produktivitätsgewinnen infolge von 5G auf diese beiden Bereiche entfallen. Profitieren würden Spitäler, damit das medizinische Personal und Dienstleister.

Telemedizin hatte bereits durch die COVID-19-Pandemie höhere Gewichtung erfahren. Neues Potenzial wird nun auch der Fernpflege zuerkannt. Laut PwC werden Gesundheitseinrichtungen und Spitäler durch neue Techniken der Fernüberwachung und -beratung, Echtzeit-Datenaustausch im Krankenhaus, verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient sowie Automatisierungs-Lösungen zur Reduktion von Kosten stark profitieren.

„Die Notwendigkeit von Entlastungen im Gesundheitswesen, bei gleichzeitigem Fordern nach mehr Effizienz und Schnelligkeit, hat sich im vergangenen Jahr in aller Deutlichkeit gezeigt“, so PwC-Expertin Prieller. 5G-Technologien können hier noch weiter Vorteile bringen, was etwa die Zeitersparnis anbetrifft. Im Gesundheitswesen eröffnen sich verschiedenste Anwendungsbereiche, von denen Patienten und Gesundheitspersonal in gleicher Weise profitieren

Die TOP-5G-Anwendungsbereiche

„Die Anwendungsbereiche von 5G-Technologien erstrecken sich über sämtliche Sektoren und Lebensbereiche“, so PwC-Digital-Expertin Prieller. Auch für Österreichs Unternehmen ergeben sich dabei große Chancen. "Um das volle wirtschaftliche Potenzial auszuschöpfen, müssen die Unternehmen in Österreich nun aktiv werden", so Prieller.

Gefragt seien daher die Implementierung von 5G-Lösungen die nicht nur völlig neue Geschäftsmodelle bringen, sondern auch zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden. Der Knackpunkt: Um 5G-Lösungen wertschöpfend in die Geschäftsprozesse zu integrieren, müssen frühzeitig Pläne entwickelt und Kunden, Lieferketten und Regulatoren einbezogen werden.

Die Analyse nach Sektoren zeigt, welche Potenziale bis zum Jahr 2030 von neuen und bereits bestehenden 5G-Anwendungen hinsichtlich Kompetenz-Entwicklung, Arbeitswelt und neuen Konsumgütern ausgehen - vier Bereiche haben sich bereits herauskristallisiert:

  • Smartes Versorgungsmanagement Das Zusammenwirken von intelligenten Messgeräten und Netzwerken mithilfe von 5G-Technologien eröffnet Chancen zur Reduktion des Energiebedarfs, des CO2-Ausstoßes sowie des Abfallaufkommens und trägt so zur Unterstützung globaler Umweltziele bei. Eine bessere Rückverfolgung von Abfallentsorgung wie auch von Wasserverlusten führt zu einer Optimierung des Abfall- und Wassermanagements (330 Mrd. Dollar).
  • Verbraucherdienste und Medien Im Entertainment- und Mediensektor ermöglicht 5G ein verbessertes Nutzererlebnis im Gaming (Over the Top, OTT) sowie bei Kundendiensten in Echtzeit wie beispielsweise Augmented-Reality-Angeboten (USD 254 Mrd.).
  • Produktion und Schwerindustrie Der Fertigungssektor profitiert durch mehr Effizienz und Reaktionsschnelle bei Produktionsanlagen, der Befreiung von Standort-Gebundenheit durch drahtlose Lösungen, besserer Produktionsüberwachung und der Reduzierung von Defekten. Zusätzliches Potenzial liegt im vermehrten Einsatz autonomer Fahrzeuge und Robotik (134 Mrd. Dollar).
  • Finanz-Dienstleistungen 5G-Technologien in Kombination mit KI können insbesondere dazu beitragen, Betrugs- und Schadensfälle bei Banking und Versicherung effizienter aufzudecken und zu reduzieren. Zudem werden die neuen Technologien die Etablierung digitaler Kundenkanäle weiter vorantreiben und so für mehr Effizienz und bessere Nutzererfahrung sorgen (85 Mrd. Dollar).

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