Amazon-Chef Jeff Bezos will ein richtiger Banker werden

Amazon-Chef Jeff Bezos will ein richtiger Banker werden

Jeff Bezos geht auf Angriff gegen die Banker: Er gründet selbst ein Geldhaus - zum Geld und Daten einzusammeln.

Online-Einzelhänder Amazon will offenbar die Bankenbranche aufmischen. Amazon-Kunden sollen künftig ein Konto gleich bei Amazon eröffnen. Und der Reichste Mann der Welt wird somit Banker.

London/Seattle. "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Ob Jeff Bezos "Die Dreigroschenoper" von Bert Brecht jemals gelesen hat, ist nicht überliefert. Aber: Bezos ist reich, klar strukturiert und mit der Existenz hat er schon gar keine Sorgen - privat als auch geschäftlich. Und ein Geldhaus ist für den Reichsten der Superreichen, der nebenbei immer wieder Companys aufkauft, wie andere Briefmarken sammeln eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Companys, die unter dem Dach seines Online-Konzerns Amazon zu einem Gesamtwerk zusammen gefügt werden.

Der laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" Reichste von derzeit 2.208 weltweit Superreichen wird nun auch noch Banker. Und klarerweise nicht nur als Gönner, zur Finanzanlage, sondern mit klarem operativen Kalkül.

Mit seinem Internetgiganten Amazon will Bezos einem Bericht des "Wall Street Journals" zufolge noch stärker das Bankgeschäft ins Visier nehmen. Kreditkarten und einen Bezahldienst hat der Online-Händler bereits im Portfoio. Nun soll es aber eine echte Bank sein, die dem einst im Jahr 1994 als Online-Buchhändler gestarteten Unternehmen den besonderen Schliff geben soll. Nicht allein, sondern zusammen mit der US-Bank JPMorgan will Amazon ins Bankgeschäft einsteigen. Derzeit würden die Sondierungen der beiden Konzerne stattfinden.

Der Plan: Der Konzern will vor allem seine jüngere Kunden abholen, die kein eigenes Bankkonto haben. Sie sollen quasi driekt via "Amazon-Bank" und Konto ihre Rechnungen zahlen.

Daten gefüttert mit Geld

Doch damit nicht genug. Das klassiche Bankgeschäft dürfte nur ein notwendiger Begleitumstand sein, um an den Kern des Geschäfts heranzukommen. Amazon soll es vielmehr auf die Daten abgesehen haben, die seine Kunden bei jedem Kauf mitliefern. Und Zahlungsgewohnheiten, verfügbare Budgets, Zahlungsdaten und sonstiges Ausgabeverhalten kann freilich über den Akt der Zahlung noch besser analysiert werden, um anhand der gesammelten Daten dem Kunden noch präzisere und maßgeschneiderte Produkte anbieten zu können, auch wenn der glaubt, gerade nichts kaufen zu wollen.

Amazons Datenkrake ist ohnehin schon so weitfüßig im Bestellprozess mit dem Kunden verbunden, das auch die nächste Schwelle des Kunden erreicht werden soll - das Geldbörsel.

Neben den Kundendaten kassiert Amazon dann zusätzlich zum Rechnungsbetrag auch noch niedrigere Gebühren für die Finanztransaktionen. Ein lukratives Geschäft, dass dem Konzern noch zusätzliche Umsatzströme verspricht, an die er bisher nicht rangekommen ist.

Die Gespräche mit JPMorgan sollen sich laut WSJ noch in einem frühen Stadium befinden. Regulatorische Anforderungen könnten den Start der "Amazon-Bank" noch verzögern.

Die Techbranche zur Bank

Amazon ist nicht der einzige "Branchenfremd"e aus der Tehnologiebranche, der das Finanzwesen aufmischen will. Facebook, Apple oder Google wollen haben ebenso die Geldquellen entdeckt. Als Finanzdienstleister wollen sie ihren direkten Kundenkontakt für zusätzlich Geschäfte nutzen. Und vor allem die Unmengen an Daten, die Kunden freiwillig auf ihrene Platformen verschenken nutzen, um ihre Kunden noch mehr an die Leine zu nehmen.

Amazon hat seine ersten Schritte im Finanzumfeld bereits getan. Der Online-Händler biete seinen Kunden bereits Finanzdienstleistungen an, wie beispielsweise eine Kreditkarte oder einen Bezahldienst.

Der Banker in spe, Amazon-Chef Bezos hält übrigens laut jüngster "Forbes-Reichenliste 2018" bei einem Vermögen von 112 Milliarden US-Dollar (90,2 Mrd. Euro) - im Jahresabstand hat er sein Vermögen um 59 Prozent erhöht. Bezos ist die Nummer 1 vor Microsoft-Gründer Bill Gates (90 Mrd. Dollar) und Finanzinvestor Warren Buffett (84 Mrd. Dollar). Gates war in 18 der vergangenen 24 Jahre die Nummer 1 der Forbes-Reichenliste.

Der Aktienkurs von Amazon (AMZN hat am Dienstag an der Nasdaq zum Handelsauftakt einen Sprung von 0,92 Prozent hingelegt (MEZ16:15 Uhr) und notiert bei 1537,67 Dollar - um rund 81 Prozent höher als noch vor Jahresfrist im März 2017.

Interview
Peter Lenz, Managing Director T-Systems Austria GmbH

Digital

T-Systems CEO Lenz: "Der Kunde will nicht nur das Billigste"

Digital

Key2Pay: Bezahlen mit Klimts Kuss

Digital

11 Fallen auf dem Weg in die digitale Zukunft