Am IKT-Stockerl: Big Blue vor Microsoft und SAP - Facebook im Off

Am IKT-Stockerl: Big Blue vor Microsoft und SAP - Facebook im Off

Trotz Schieflage und 15 Quartalen in Folge schrumpfender Ergebnisse: Für Strategy&-Analysten ist "Big Blue" Spitze - was etwas wie eine Hommage an den IT-Dino klingt.

Das etwas andere Ranking: Apple und Google kommen ausnahmsweise nicht auf Platz 1 und 2. Und nicht unter die ersten fünf eines IKT-Rankings. Ihre Produkte überzeugen derzeit die Analysten der PwC-Tochter Strategy& nicht wirklich. Dafür feiern die IT-Dinos IBM, HP, Nokia oder Intel ein Comeback. Facebook schafft es nach der Beurteilung der Notengeber im Weltranking der Top-50 IKT-Companys nicht einem auf die Liste.

Es gibt sie noch die Rankings, auf denen die Ikonen der Weltwirtschaft doch noch nicht reüssieren können und um den Stockerlplatz ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Apple und Google, sonst stets auf den ganz vorderen Plätzen rangierend, was Marken- oder Börsenwert anbetrifft, sind laut der neuesten „Global ICT 50“-Studie der PwC-Beratungstochter Strategy& sogar zurückgefallen.

Gewonnen hat abermals IBM. Auch Microsoft (US5949181045) konnte wie im Vorjahr Rang 2 behaupten genauso wie das deutsche Softwarehaus SAP (DE0007164600) den dritten Platz verteidigt hat. Nichts Neues auch auf Rang 4 und 5: Oracle (US68389X1054) und Cisco (US17275R1023) haben laut Beurteilung der PwC-Strategen Platz 5 und 6 erreicht. Und ein weiterer alter Bekannter, der zuletzt mehr durch Aufspaltung in die Schlagzeilen gerückt ist, der IT-Dinosaurier scheint die selbstgewählte Zerlegung in zwei Unternehmen laut PwC-Ranking offenbar schon gut verdaut zu haben. Hewlett-Packard (US42824C1099) rangiert im Jahresranking 2015 auf Platz 9, nach dem 11. Platz im Jahr davor. Kräftig verbessert hat sich auch Tata Consultancy Svc., das sogar vier Plätze gut gemacht hat und von elf auf sieben geklettert ist. Ebenso unter die Top-10 geklettert ist EMC (US2686481027). Der Speicherhersteller, in der Zwischenzeit unter dem Dach von Dell, landet auf Rang 9 nach 13 im Jahr 2014.

Apple und Google fallen zurück

Kurioserweise landen im Strategy&-Ranking die Börsenstars Apple (US0378331005) und Google (US38259P5089) nicht auf den vorderen Plätzen. Im Gegenteil: Beide US-Unternehmen sind im heurigen IKT-Ranking sogar zurückgefallen. Beide US-Companys haben es im Welt-Ranking der Top-50-Rangliste in der Informations- und Kommunikationsindustrie auf die Plätze acht und zehn geschafft. Und beide haben gegenüber dem Ranking des Jahres 2014 sogar zwei Plätze verloren.

Relativ originell und schlicht für die Schlechterstellung der Top-Konzerne Apple und Google sind die Erklärungen von Strategy&: "Beide Unternehmen kämpfen mit langsamerem Wachstum, da ihre Produkte seit Jahren ausgereift sind und der Markt entsprechend gesättigt ist."

Dass beide Unternehmen nach wie vor satte Milliardengewinne einfahren, Apple und Google auch weiterhin das eine oder andere Quartal mit Rekord.Gewinnen und Rekordumsätzen abschließt, dürfte die Strategy&-Analysten offenbar nicht sonderlich beeindruckt haben. Ein weiteres interessantes Detail am Rande: Facebook (US30303M1027) erscheint nicht unter den Top-50.

Zwar sind eigenen Angaben zufolge die Börsenperformance, Ergebnisse und Gewinn eingeflossen wie auch Portfoliostärke und internationalen Vertriebsstruktur sowie Innovationskraft und Markenstärke. Dennoch hat es für die Börsenstars nicht fürs Stockerl gereicht. Der Spitzenplatz von IBM - der IT-Dino hatte zuletzt 15 (!) Quartale in Folge weniger Gewinn und Umsatz erzielt - mutet daher eher auch als eine freundlich Hommage an ein IT-Urgestein an. Vor allem wenn man die Entwicklung bei IBM beim Thema Cloud-Computing betrachtet, wo der blaue IT-Tanker nur mühevoll und langsam aus dem Dock kam. Der Mix der verschiedenen weichen Faktoren, neben der Finanzperformance, zählt offenbar mehr. Den Bewertungsschlüssel für das Ranking hat Strategy& nicht näher erläutert (siehe unten) .


Die Methodik der „Global ICT 50“-Studie

Für die „Global ICT 50“-Studie identifiziert Strategy& die Top 50 der öffentlich gehandelten IKT-Unternehmen weltweit auf Basis folgender Kriterien: finanzielle Performance, Portfoliostärke, internationale Vertriebsstruktur sowie Innovationskraft und Branding. In Summe definieren diese Faktoren das Ausmaß, in dem diese Unternehmen den Markt für digitale Produkte und Services prägen.

Strategy& ist die Beratungssparte von PwC. Der Wirtschaftsprüfungskonzern hatte im Jahr 2013 mit der Übernahme von Booz & Company die Strategieberatungssparte quasi neu gegründet, indem sie die Beratungsfirma Booz & Company mit seinem damals 3900 Mitarbeitern für kolportierte 700 Millionen Dollar übernommen hatte. Die Strategieberatung bekam von PwC wegen Namensschutzrechten der Alteigentümern den eher ungewöhnlichen, mehrdeutig auszusprechenden Namen Strategy&. PwC hatte elf Jahr zuvor genau diese Beratungssparte abgestoßen und an IBM verkauft. 3,9 Milliarden Dollar hatte "Big Blue" damals für die PwC-Strategieberatung bezahlt. IBM Global Services hatte die damalige PwC-Beratung im Jahr 2012 einverleibt.


Dabei wurden die Unternehmen der Top 50 jeweils zwei der folgenden fünf Kategorien zugeordnet: Category Leaders, Consolidators, Innovators, Solution Customizers und Value Players. 24 Unternehmen der Top 50 zählt Strategy& zu den Innovators. Diese Unternehmen bauen demnach ihre Marktposition aus, indem sie stetig in die Forschung investieren und neue Produkte und Services entwickeln. 23 der Unternehmen sind "Solution Customizers" und orientieren sich bei der Ausrichtung ihrer Produkte und Services kontinuierlich an den Bedürfnissen der Kunden auf Basis der Nutzungsdaten.

Jeweils 18 Unternehmen benennt Strategy& als "Consolidators" oder "Value Players". Consolidators erweitern ihr Portfolio mit einer aggressiven Übernahmepolitik, während Value Players versuchen, den Preis für ihre Produkte und Services möglichst gering zu halten und so ihren Marktanteil zu vergrößern. 17 Unternehmen zählt das Beratungsunternehmen zu den "Category Leaders". Das sind Unternehmen, die ihre Marktposition durch eng definierte Produkte oder Dienstleistungen stärken.

Drei Oldies steigen auf - elf Neue auf der Liste

Ein kräftiges Lebenszeichen bedeutet Platz 12 vom Computerchiphersteller Intel, der in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung für Chips von Smartphones und Tablet-Rechner lange hinterher gerudert war. Intel hatte diese beiden Trends vor gut zehn Jahren schlichtweg verpennt. Strategy& sieht den US-Chipriesen nun gleich zwölf Plätze verbessert.

Und noch ein Oldie hat das Ranking geschafft: Nokia landet auf Anhieb immerhin auf Rang 30. Die unruhigen Jahre mit dem Verkauf und somit die Einstellung der eigenen Handy-Produktion -und Sparte an Microsoft hatte das einstige Vorzeigeunternehmen, das sämtliche Rankings der Nuller- und 90er-Jahre geradezu erstürmt hatte, offenbar nach Einschätzung der Studienautoren nun endgültig hinter sich gelassen. Insgesamt zählen die PwC-Strategen elf Neueinsteiger in ihrer Liste, darunter der Cloud-Computing-Anbieter salesforce.com (Rang 19), der ebenso durch Bilanzkosmetik in den Nullerjahren in die Schlagzeilen gelangte Computer Associates (20.), das Softwareunternehmen Amadeus (23.), IT-Händler Alibaba (26), Canon (34.), der US-Speicher- und Softwarehersteller Netapp, der chinesische Handy- und Telekom-Infrastrukturhersteller ZTE (46.), der japanische Mobilfunkanbieter Softbank (47.) sowie der US-Telekom- und Data-Service-Konzern Century Link (49).

Die Aufweichung

Die Grenzen zwischen den untersuchten Unternehmen verschwimmen. Demnach können laut Studienautoren die Unterscheidung in Sparten wie "Hardware, Software und Services" nicht mehr länger funktionieren. „Die einzelnen IKT-Zweige gehen immer mehr ineinander über", erklrärt Thomas Aichberger, Experte für Digital Business & Technology und Mitglied der Geschäftsleitung von Strategy& in Österreich, via Aussendung.

Die Topthemen der Zukunft seien abgesteckt. "Digitalisierung, das Internet der Dinge oder Big Data sind Themen, die alle Unternehmen betreffen und ihre Technologien beeinflussen", so Aichberger. Jedes Unternehmen müsse sich über die eigenen Branchengrenzen hinaus weiterentwickeln, um die Marktanteile auszubauen und neue Kunden zu erreichen.

Eine Einzigartigkeit reicht - nicht fürs Ranking

„Die Einstufung der Top-50-IKT-Unternehmen verdeutlicht, dass hinter Erfolg heute vor allem ein Alleinstellungsmerkmal steht. Führende IKT-Konzerne richten ihre Strategie danach aus, einzigartige Kompetenzen und Services zu entwickeln und diese laufend zu verbessern. Produktkategorien weichen auf und IKT-Unternehmen können sich nicht länger auf engen Branchendefinitionen ausruhen oder darauf setzen, dass der günstigste Preis überzeugt“, so Aichberger.

Die Einzigartigkeit von Facebook - immerhin einem Milliardenunternehmen bei Umsatz und Gewinn - hat in der Erhebung von Strategy& keine Rolle und somit auch keine Würdigung unter den Top-50 IKT-Unternehmen erfahren. Ein Trost: Auch Newcomer wie Uber oder Airbnb, die ganze Branchen herausfordern, wurden in der Erhebung nicht gewürdigt.

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