Abgebrannt: Das Milliarden-Debakel von Samsung

Abgebrannt: Das Milliarden-Debakel von Samsung

Abgebrannt - rien ne va plus: Samsung stoppt die Produktion des 900 Dolllar teuren Galaxy Note 7, das im Herbst vor allem mehr als nur ein Gegengewicht zu Apples jüngster Schöpfung sein sollte.

Der koreanische Elektronikriese Samsung hat das Debakel mit dem erst im August angekündigten Smartphone Galaxy Note 7 eingestanden. Die Produktion wurde eingestellt. Nun sollen auch im Management die Köpfe rollen.

Ein sogenanntes "Flaggschiff" hätte es werden sollen. Rechtzeitig zum Vorweihnachtsgeschäft wollte Samsung sein neues Flaggschiff, das Galaxy Note 7, weltweit in den Handel bringen. Auch um das iPhone 7 des Hauptkonkurrent Apple zu attackieren. Doch daraus wird nun nichts. Samsung hat gerade einmal zwei Monate nach dem Verkaufsstart seiner jüngsten Smartphone-Schöpfung Galaxy Note 7 ein selbstgebaute Desaster eingestanden, das schon jetzt als größter Flop der Mobilfunkgeschichte bezeichnet werden kann.

Das Problem sind sich überhitzende, feuergefährliche Akkus. Schon Anfang September hatte Samsung deswegen Austauschaktion für rund 2,5 Millionen Geräte durchgeführt. Doch das Problem konnte nicht gelöst werden. Auch bei den Tauschgeräten brannten wieder Akkus durch.

Nun war eine Vollbremsung nötig. Die Produktion des 900 Dollar teuren Smartphones (Anm.: Listenpreis) wurde gestoppt. In Österreich hätte das Gerät erst Ende des Oktober zum Preis von 820 Euro auf den Markt kommen sollen. In Deutschland wurde der Verkaufsstart schon im September verschoben.

Nun steht auch das Management in der Kritik. Das Debakel wird als Bewährungstest für den Vizevorsitzenden Lee Jae Yong gesehen. "Die Art und Weise, wie man mit dem Problem des brennenden Telefons umging, ist nicht das, was die Kunden von Koreas Flaggschiff-Unternehmen erwarteten", schrieb etwa die "Korea Times". Mehrere hochrangige Samsung-Manager und die Entwickler stehen in massiver Kritik

Das galaktische Milliardenproblem

Abgesehen von der peinlichen Rückrufaktion sowie dem Umsatzausfall geht der Schaden für Samsung weit in die Milliarden. Samsung (US7960502018) rechnet nun bereits mit empfindlich weniger Gewinn. Im dritten Quartal dürfte das operative Ergebnis bei 5,2 Billionen Won (4,2 Milliarden Euro) ein Drittel weniger, als das Unternehmen erwartet hatte.

Bei 2,5 Millionen Mobiltelefonen, die zurückgerufen werden, beläuft sich der Schaden rein rechnerisch auf 2,25 Milliarden Dollar. Auf sogar zehn Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) beziffern ihn Analysten der Marktforschungsfirma Strategy Analytics. Wobei der Imageschaden und der Einfluss auf das Kundenvertrauen noch gar nicht eingerechnet ist. Auch nicht der auf den Aktienkurs, der von zuletzt über 550 Dollar auf 500 Dollar gefallen ist.

Nicht nur Konsumenten, auch Mobilfunkanbieter als Erstabnehmer sind angesichts der Panne mehr als nur verschnupft. In den USA hatten die Mobilfunkanbieter AT&T und T-Mobile auf das Note 7 gesetzt. Beide wollen das Gerät nicht mehr in den Verkauf bringen.


Das Tagebuch eines Debakel in 70 Tagen

2. August : Samsung stellt das Galaxy Note 7 als "Phablet" mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll gegen das Apple iPhone 7 positioniert werden.

19. August: Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte über überhitzte oder brennende Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

2. September: An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Rückrufaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

8. September: Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, das Galaxy Note 7 in Flugzeugen zu verwenden oder aufzuladen.

16. September: In den USA gibt es einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC.

19. September: Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar geschätzt.

22. September: Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

27. September: Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

5. Oktober: Ein ausgeschaltetes Note 7 gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, in Brand.

9. Oktober: Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllen demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr aus.

10. Oktober: Mehrere Medien berichten, Samsung setzte die Produktion des Geräts erneut aus. Vom Unternehmen heißt es dazu nur, die Produktionsplanung werde "vorläufig angepasst".


Smartphone-Markt

Jüngsten Daten zufolge hält Samsung noch immer Platz eins in der Rangliste der Smartphonehersteller. Samsung liegt laut Marktanalysen von IDC mit 22,8 Prozent Marktanteilan der Spitze, gefolgt von Apple mit 11,7 Prozent und Huawei mit 9,3 Prozent.


Samsung Electronics

Samsung Electronics ist nicht nur der weltgrößte Smartphone-Anbieter, sondern auch die Nummer eins im Geschäft mit Speicherchips und Fernsehern. Der Bereich IT und mobile Kommunikation ist aber der ertragreichste - und die Entwicklung des Smartphone-Geschäfts schlägt direkt auf die Konzernzahlen durch. Außerdem setzt Samsung auch auf Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen. Auch im Bereich Gesundheitswesen ist das Unternehmen als Hersteller etwa von Röntgengeräten als Ausrüster aktiv.

Im vergangenen Quartal erwirtschaftete die Sparte mit 4,32 Billionen Won (3,5 Milliarden Euro) gut die Hälfte des operativen Gewinns des gesamten Unternehmens. Aus der Mobilfunk-Sparte kamen mit einem Umsatz von rund 26 Billionen Won über die Hälfte der Konzernerlöse. Die anderen Bereiche schreiben ebenfalls schwarze Zahlen, sind aber deutlich kleiner. So kam die Sparte Verbraucherelektronik im vergangenen Quartal auf Erlöse von 11,55 Billionen Won und ein operatives Ergebnis von 1,03 Billionen Won. Und bei Halbleitern verdiente Samsung 2,64 Billionen Won bei 12 Billionen Won Umsatz.

Samsung Electronics ist der bekannteste Teil der Samsung-Gruppe. Zu dem Konglomerat, das ein großes Gewicht für die südkoreanische Wirtschaft hat, gehören unter anderem auch der Schiffsbauer Samsung Heavy Industries sowie Baukonzerne, eine Versicherung und der Betreiber eines Freizeitparks.

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