COP26 - Skandinavische Länder beim Klimaschutz-Index in Führung

Österreich rutscht nach Verbesserung im Vorjahr auf Rang 36 ab und liegt als "Low Performer" ein Platz vor China. Umweltministerin Gewessler sieht eine "eingeleitete Trendwende". Eine neueste Prognose geht von einer Erderwärmung von 2,4 Grad bis 2100 aus.

COP26 - Skandinavische Länder beim Klimaschutz-Index in Führung

Glasgow. Dänemark hat beim Klimaschutz-Index CCPI die beste Bewertung erhalten und sich vor Schweden platziert. Einen "Stockerlplatz" gibt es erneut nicht: Kein Staat sei beim Klimaschutz vorbildlich genug, lautet das alljährliche Fazit von Germanwatch und NewClimate Institute zu den 61 größten Emittenten. Insgesamt zeigt sich Skandinavien als Vorreiter. Österreich findet sich auf Rang 36 bei den "Low Performers". Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne): "Trendwende eingeleitet".

Besser erging es Deutschland, das im neuen Klimaschutz-Index 2022 auf Rang 13 liegt - so gut wie seit acht Jahren nicht mehr (Vorjahr: Platz 19). Die Sieger sind jedoch im Norden Europas zu finden: "Skandinavien zeigt der Welt, wie ambitionierter Klimaschutz funktioniert", resümieren die beiden Ersteller der am Dienstag auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellten Rangliste, denn Dänemark, Schweden und Norwegen nehmen die Ränge vier bis sechs ein, was aufgrund der Fortschritte im Bereich erneuerbarer Energien und guter Klimapolitik geschehen sei.

Verglichen werden im Index die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu drosseln. Zudem wird bewertet, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad sind, das 2015 in Paris vereinbarte Klimaziel zu schaffen - also die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Am Ende der Tabelle finden sich den Verbänden zufolge "die größten Bremser": Australien mit der schlechtestmöglichen Wertung 0,0 - noch hinter Brasilien und Algerien. Aber auch fünf EU-Staaten befinden sich bei der Klimapolitik in der untersten Kategorie "sehr schlecht": Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und Tschechien. In der Kategorie "erneuerbare Energien" kommt Norwegen als einziges Land auf ein "sehr gut". Neben dem hohen Anteil von Wasserkraft setze das Land auch zunehmend auf Wind- sowie Solarenergie und habe ehrgeizige Ausbauziele, lobten die Autoren.

China, das mit Abstand die meisten Treibhausgase ausstößt, rutscht vier Plätze auf Rang 37 ab, in der Gesamtwertung wird das Riesenreich als "schwach" eingestuft. Die selbstgesteckten Ziele Pekings für 2030 seien weit entfernt von einem Paris-kompatiblen Pfad. Sehr gut hingegen sei der Trend bei den erneuerbaren Energien, hier liege das Land mit Rang 23 etwa noch vor Deutschland.

Wenn die Zusagen aller Staaten zum Klimaschutz für das Jahr 2030 umgesetzt werden, klettert die Erderwärmung Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch auf etwa 2,4 Grad. Das zeigen neue Prognosen des Climate Action Tracker (CAT), die am Dienstag auf der Weltklimakonferenz in Glasgow veröffentlicht wurden. Wenn man nur betrachtet, was die Staaten jetzt tun, und weitere Ankündigungen ausblendet, steigt die Erderwärmung demnach bis 2.100 sogar auf 2,7 Grad.

Das im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarte Ziel ist aber, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dafür müssten nach Berechnungen des Weltklimarats bis 2030 die Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase halbiert werden.

Die Glaubwürdigkeitslücke

Die CAT-Forscher stellten fest, dass zur Halbzeit der Klimakonferenz in Schottland eine "Glaubwürdigkeitslücke" klaffe zwischen dem, was gesagt, und dem, was getan werde. Auch ein "optimistisches Szenario" von lediglich 1,8 Grad Erwärmung sei denkbar - aber nur, wenn diejenigen Staaten ihre langfristigen Zusagen einhielten, die bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden wollen. Dazu fehlten aber den meisten Ländern belastbare, konkrete Konzepte.

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan nannte die Prognose erschreckend. "Es ist ein niederschmetternder Bericht, der in jeder gesunden Welt Regierungen dazu veranlassen würde, sofort ihre Differenzen beizulegen und mit kompromisslosem Einsatz einen Deal zur Rettung unserer Zukunft auszuarbeiten." Stattdessen sehe man auf der COP26 "Subversion, Sabotage und Selbstsucht" der Mächtigen, während verletzliche Staaten um ihr Leben kämpften und junge Aktivisten nach Gerechtigkeit riefen.

Jo Biden schiebt an

Beim zweitgrößten Emittenten, den USA, macht sich den Autoren zufolge das erste Jahr unter dem neuen Präsidenten Joe Biden positiv bemerkbar. Im Vorjahr noch Schlusslicht, klettert Amerika nun in der Gesamtwertung um sechs Plätze auf Rang 55, bleibt aber in der Kategorie "sehr schwach". Die Verbesserung sei ausschließlich auf die deutlich bessere Politikbewertung und das neue Klimaziel für 2030 zurückzuführen, hieß es. "Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen, ob Bidens Politik auch tatsächlich bei Erneuerbaren, Energieeffizienz und letztlich Emissionen Früchte trägt", sagte Niklas Höhne vom NewClimate Institute.

"Der Klimaindex von Germanwatch zeigt ganz klar: Unsere Aufholjagd im Klimaschutz ist notwendiger denn je. Denn leider hat es Österreich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft, die Emissionen zu reduzieren. Es ist dreißig Jahre lang viel zu wenig passiert", äußerte sich Umweltministerin Gewessler zur Platzierung Österreichs, "jetzt haben wir die Trendwende eingeleitet - und ich werte den Bericht als Auftrag, noch mehr an Tempo zuzulegen. Gut ist - in der Detailbewertung zeichnen sich erste Maßnahmen bereits ab. Wir haben viel geschafft: vom größten Bahnausbaupaket aller Zeiten über die ökosoziale Steuerreform bis hin zum Klimaticket. Diesen Weg werde ich konsequent weitergehen."

"Es ist eine Schande, dass ein reiches Land wie Österreich es nicht und nicht schafft, dem Klimaschutz mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen zu schenken - vor allem angesichts einer grünen Regierungsbeteiligung", reagierte NEOS-Klimasprecher Michael Bernhard. Die ökosoziale Steuerreform sei eine "Show-Reform ohne Lenkungseffekt, die umweltschädliches Verhalten weiterhin subventioniert." Neben dem weiterhin bestehenden Dieselprivileg kritisierte Bernhard unter anderem das "zügellose Zubetonieren" in Österreich.

Umweltschutzorganisationen nahmen den Index zum Anlass, Österreichs Klimapolitik zu kritisieren. "Österreich hat seine Klimaschutzpolitik über viele Jahre sträflich vernachlässigt", zeigte sich etwa WWF-Klimasprecherin Lisa Platter überzeugt und appellierte an die Regierung, Themen "vom viel zu hohen Energie- und Bodenverbrauch über den Treibhausgasanstieg beim Straßenverkehr bis zu umweltschädlichen Subventionen" anzugehen. "Insbesondere braucht es eine unverzügliche Trendumkehr der steigenden Verkehrsemissionen und damit auch eine Absage klimaschädlicher Straßenbauprojekte wie der Lobau-Autobahn", forderte Greenpeace-Klimaexpertin Jasmin Duregger. Es brauche "dringend ein wirksames Klimaschutzgesetz, damit Österreich zu den führenden Nationen beim Klimaschutz aufschließen kann", stellte wiederum Global 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller fest - eine Forderung, die auch von Greenpeace und dem WWF geteilt wird.

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