Chinas Wachstum gibt Ölpreis einen Schub

Chinas Wachstum gibt Ölpreis einen Schub

Nachdem Chinas Wirtschaft überraschende Wachstumsraten präsentiert hat, ist der Ölpreis gestiegen. "Neue robuste chinesische Konjunkturdaten geben zusätzlich Rückenwind", schreibt ein Analyst.

New York/London. Die Ölpreise sind am Mittwoch gestiegen und haben damit an die Gewinne vom Vortag angeknüpft. Seit in der Früh hätten besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus China gestützt, hieß es von Marktbeobachtern. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete gegen Mittag 72,24 US-Dollar (63,90 Euro).

Das waren um 52 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 44 Cent auf 64,49 Dollar.

"Die in der Nacht veröffentlichten robusten chinesischen Konjunkturdaten geben zusätzlich Rückenwind", hieß es in einer Analyse von Rohstoffexperten der Commerzbank. Diese habe auf eine weiterhin robuste Ölnachfrage in China hingedeutet. Zu Beginn des Jahres war Chinas Wirtschaft trotz negativer Auswirkungen durch den Handelskonflikt mit den USA etwas stärker als erwartet gewachsen. Mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 6,4 Prozent im Jahresvergleich hielt sich das Wachstumstempo stabil. Analysten hatten für die Monaten Jänner bis März ein etwas geringeres Wachstum um 6,3 Prozent erwartet.

"Der Wirtschaft geht es besser", sagte die unabhängige chinesische Expertin Ye Tan. "Die Börse und der Immobilienmarkt entwickeln sich gut. Hinzu kommt die lockere Geldpolitik. All diese Maßnahmen kurbeln den Konsum an." Die Aussichten seien nicht schlecht: "Es gibt keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung dieses Jahr verschlechtert."

Wegen der etwas besser als erwartet ausgefallenen Wachstumsdaten nahmen am Markt Zweifel an weiteren konjunkturstützenden Maßnahmen durch die Regierung in Peking zu. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern habe dies den Anstieg der Ölpreise gebremst. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und verbraucht dementsprechend viel Rohöl.

Die Ölpreise seien außerdem durch die Entwicklung der Ölreserven in den USA gestützt worden, hieß es weiter von der Commerzbank. Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Interessenverband American Petroleum Institute (API) einen Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 3,1 Millionen Barrel registriert hatte. Die offiziellen Daten der US-Regierung werden am Nachmittag erwartet.

Die Warnung

Die Organisation der Industrieländer (OECD) warnte jedoch, dass die Konjunkturmaßnahmen zwar kurzfristig das Wachstum in China voranbringen, aber langfristig die Bemühungen untergraben, die - auch für viele große OECD-Länder - hohe Schuldenlast zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren.

"Die Politik sollte sich auf langfristige Strategien konzentrieren, die Wirtschaft in Richtung höheren heimischen Konsums und Dienstleistungen zu bewegen, die Effizienz der Wirtschaft zu verbessern und sicherzustellen, dass zukünftiges Wachstum nachhaltiger, grüner und sozial gerechter ist", heißt es in einer Stellungnahme der OECD zu ihrem neuen Jahresbericht über China.

Im Handelskonflikt mit den USA könnte das stabile Wachstum zunächst die Verhandlungsposition Chinas stärken. Doch dürften ein Scheitern der laufenden Gespräche und eine folgende neue Eskalation der Sonderzölle schwere negative Auswirkungen haben, warnte die OECD. Darunter hätte auch die Weltwirtschaft noch weiter zu leiden, da China zu einem Viertel zum globalen Wachstum beitrage.

Die beiden größten Volkswirtschaften, die USA und China, haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA wollen eine Verringerung des US-Handelsdefizits und fordern besseren Marktzugang, wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt.

Sollte es keine Einigung in den andauernden Handelsgesprächen geben, drohen neue Strafmaßnahmen. Die amerikanischen Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden.

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