Privates Risikokapital als Schrittmacher für KMU

Finanzminister Hans Jörg Schelling will die Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften reaktivieren. Für Privatinvestoren sollen die Einstiegshürden auf 10.000 statt 100.000 Euro festgelegt werden. Und es soll zu weiteren Steuerbefreiungen kommen.

Privates Risikokapital als Schrittmacher für KMU

Wien. Das zarte Pflänzchen Konjunktur soll gepflegt werden. Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sieht Bedarf. Und zwar soll es für Privatinvestoren schmackhaft gemacht werden, ihr Geld vor allem in Klein- und Mittelbetrieben zu investieren. Unter dem Titel Risikokapital sollen Kapitalgeber mit entsprechenden Zuckerln gelockt werden.

Der Grund für das Vorpreschen des Finanzministers: Klein- und Mittelbetriebe (KMU) haben derzeit wenig Möglichkeiten sich über Risikokapital zu finanzieren. Gleichzeitig ist es für Unternehmen massiv erschwert worden, Kredite bei Banken aufzunehmen.

Aufgrund der Vorschriften und Regulierungen im Bankensektor wird auch die Kreditvergabe der Banken erschwert. Aufgrund der sogenannten Basel-III-Vorschriften mit den restriktiven Eigenkapitalvorschriften wurde den Banken auch der Handlungsspielraum massiv eingeschränkt, was sich bei KMU vor allem seit Jahresbeginn 2016 stark bemerkbar macht. Nach einer Umfrage vom KSV1870 hat sich die Kreditaufnahme für Unternehmen massiv erschwert. 63 Prozent der befragten Unternehmen wollen schon gar keinen Kredit mehr beantragen. Bei Kleinstunternehmen winken bereits 65 Prozent der befragten Unternehmer ab.

Neuer Anreiz

Um die zuletzt positiven Wachstumsaussichten zu unterstützen will Finanzminister Schelling mit einem neuen Mittelstandsfinanzierungsgesetz die Konjunktur ankurbeln. Mit dem "MiFiG neu" soll den Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften neues Leben eingehaucht werden. Sie sollen den KMU das Geld vergeben, damit die weiter investieren und expandieren können.

KMU hatten bisher Schwierigkeiten Risikokapital zu lukrieren. Um derartige Finanzierungen zu forcieren, soll die Mindestinvest-Schwelle pro Investor von bisher 100.000 Euro auf 10.000 Euro gesenkt werden, wie Schelling am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" im ORF-Radio angekündigt hat. Dann könne ein deutlich breiteres Feld an Kapital generiert werden.

Die Steuerzuckerln

Gleichzeitig lockt Schelling mit Steuerzuckerln. Für geringe Gewinnausschüttungen die Kapitalertragssteuer (KESt) gestrichen werden - bis zu 15.000 Euro jährlich an Ausschüttung sollen KESt-befreit sein. Gewinnausschüttungen an die MiFiG sollen zudem von der Körperschaftssteuer (KÖSt) befreit sein. Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Zielunternehmen (sowie Veräußerungsverluste) sollen steuerneutral sein.

Das neue Modell soll noch heuer mit einem Gesetz unter Dach und Fach gebracht werden. Die näheren Details werden laut Schelling derzeit mit dem Koalitionspartner verhandelt. Frühestens im November soll "MiFiG neu" in Kraft treten.

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