KSV1870-Umfrage: KMU leiden unter wirtschaftsfeindlichem Klima

KSV1870-Umfrage: KMU leiden unter wirtschaftsfeindlichem Klima
KSV1870-Umfrage: KMU leiden unter wirtschaftsfeindlichem Klima

Österreichs Unternehmen ersticken unter der Last der Bürokratie.

Die flaue Konjunktur schlägt den KMU in Österreich auf den Magen: Nur 11 Prozent schätzen die gesamtwirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut ein. Zwei Drittel planen heuer keine zusätzlichen Stellen, 16 Prozent würden sogar Personal verringern, so eine Umfrage des KSV1870.

In Zeiten flauer Konjunktur reiten viele Betriebe auf der Optimierungswelle, um den Status quo zu erhalten. Zwei Drittel planen für 2016 keine zusätzlichen Stellen, 16 Prozent möchten sogar verringern. Zusätzliche Belastungen aus der Steuerreform werden beklagt und strenge Arbeitszeitregelungen hält knapp ein Drittel der Befragten (32 %) für wirtschaftsfeindlich. Mehr als die Hälfte (56 %) wünscht sich eine Flexibilisierung. Magere 11 Prozent schätzen die gesamtwirtschaftliche Lage derzeit als sehr gut oder gut ein.

Von Stellenabbau bedroht sind laut Umfrage verstärkt Dienstnehmer von Gewerbebetrieben (22 %), kleine (20 %) und Kärntner (21 %) Unternehmen. Bei den Branchen führt die dienstnehmerintensive Branche Gastgewerbe mit 35 Prozent, gefolgt von Holz/Möbel (24 %), Papier/Druck/Verlagswesen (21 %) und der Bauwirtschaft (20 %). Sicherer dürften die Arbeitsplätze im Technologie- und Industrie-Bereich sein. Im Bereich elektronische Datenverarbeitung (42 %), Chemie/Pharmazie/Kunststoff/Gummi (27 %), Elektro/Elektronik (22 %) und Maschinen/Metall (21 %) sind spürbare Erhöhungen geplant.

Bei den großen Betrieben ist die Lage etwas besser: 29 Prozent wollen Mitarbeiter einstellen (Durchschnitt aller Unternehmen: nur 18 %).

Erhöhte Kapitalertragssteuer trifft Unternehmen am stärksten

Dabei würden einige Maßnahmen die Betriebe entlasten. „Lohn-Nebenkosten senken, Bürokratie verringern, Flexibilisierung der Arbeitszeit, Steuern senken, Ausbildung verbessern und weniger Gesetze/Deregulierung/weniger Auflagen sind Forderungen, die seit Jahren vergeblich erhoben werden. Tatsächlich fährt der Zug sogar in die entgegengesetzte Richtung, wie die weiteren Belastungen durch die jüngste Steuerreform zeigen“, sagt Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH. Am stärksten betrifft die Betriebe nach eigener Angabe die Erhöhung der Kapitalertragssteuer für Gewinnausschüttungen (70 %). Damit werden Unternehmen aller Größenordnungen in die Pflicht genommen, besonders betroffen fühlen sich mit 83 Prozent die kleinen Betriebe.

An zweiter Stelle rangieren die Herabsetzung der AfA für Betriebsräumlichkeiten und die Abschaffung des Bildungsfreibetrages bei der Weiterbildung von Mitarbeitern mit jeweils 67 Prozent. Letztere ist eine Maßnahme, die auf die Erwerbstätigen großer Betriebe besonders stark durchschlägt. Von der Kassen- und Belegerteilungspflicht und der teilweisen Umsatzsteuererhöhung sind jeweils die Hälfte der Unternehmen betroffen, ebenso wie von der Erhöhung des Grundanteils bei Gebäuden und Verminderung der AfA-Grundlage sowie von der Verlängerung der Verteilungsfrist für Instandsetzungskosten bei Gebäuden. Weiters genannt wurde die Änderung beim Sachbezug für privat genutzte Firmenwagen.

Unternehmen wünschen sich flexiblere Arbeitszeitregelung

Mehr als die Hälfte (56 %) meint, dass eine Flexibilisierung notwendig sei, 32 Prozent bezeichnen die derzeitigen Gesetze sogar als wirtschaftsfeindlich. Bei diesem Thema gibt es eine Kluft zwischen Kleinst- und Kleinbetrieben, die sich verstärkt neue Lösungen wünschen und Mittel- und Großbetrieben, die die aktuelle Gesetzeslage noch eher für gut befinden und ausreichend Spielraum orten. Grundsätzlich sprechen sich aber auch mittlere und große für eine Flexibilisierung aus.

„Je größer ein Unternehmen, desto eher kann es personelle Engpässe abfedern. Kleine haben viel weniger Handlungsspielraum. Hinzu kommt, dass neue Generationen andere Erwartungen an modernes Arbeiten haben, als in der Früh ein- und nach acht Stunden wieder auszustempeln. Starre Vorschriften passen weder zu den heutigen ökonomischen Gegebenheiten, noch zu den unterschiedlichen Lebenskonzepten von Mitarbeitern“, definiert Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, die derzeitige Situation.

Magere Aussichten für die Wirtschaft

Nur 11 Prozent der Befragten schätzen aktuell, dass es der Gesamtwirtschaft sehr gut/gut geht. 51 Prozent orten eine befriedigende Lage. 38 Prozent sind überzeugt, dass es der Wirtschaft in Österreich schlecht oder sogar sehr schlecht geht. Für das Gesamtjahr 2016 soll sich kaum etwas ändern, so die Prognose der Befragten. Johannes Nejedlik: „Der viel beschworene Wirtschaftsmotor KMU wird weitgehend sich selbst überlassen und wirksame Entlastungen sind nicht in Sicht. Wo sind die Ideen der Politik dazu?“

Burn out: Mitarbeiter in Konzernen mehr gefährdet

Dass die derzeitige Situation der Wirtschaft für alle Beteiligten belastend ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der Umfrage: In jedem fünften Unternehmen gab es in den vergangenen Jahren Burn-out-Fälle. Bei den großen Unternehmen sind es sogar mehr als die Hälfte (53 %). Positiv hervorzuheben ist, dass sich die besonders betroffenen Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst sind und verstärkt entsprechende Unterstützungsprogramme anbieten.

Mehr Informationen zur Umfrage und aktuellen Insolvenzen finden Sie auf der Seite des KSV1870.

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