Kredite: Eine Lose-Lose Situation für Unternehmen und Banken

Kredite: Eine Lose-Lose Situation für Unternehmen und Banken
Kredite: Eine Lose-Lose Situation für Unternehmen und Banken

Die Aussichten auf Kredit sind für Unternehmen derzeit nicht günstig. Es gibt neue Hürden.

Die Kreditaufnahme ist für Unternehmen so schwierig und unattraktiv wie schon lange nicht mehr. Banken würden gerne Kredite geben, stecken aber in einem engen Korsett aus Vorschriften und Regulierungen. Es ist für beide Seiten eine Lose-Lose-Situation.

Österreichs Unternehmen stehen bei der Aufnahme von Krediten vor immer größeren Hürden. "So geht es nicht!", warnt der Kreditschutzverbands KSV1870 vor einem Teufelskreis: Unternehmen brauchen Kredite, resignieren aber zusehends. 59 Prozent von ihnen gaben in einer vom KSV1870 initiierten Umfrage an, dass die Kreditaufnahme schwierig oder sehr schwierig ist. Fast zwei Drittel aller Unternehmen scheinen angesichts dieser Tatsache zu resignieren und wollen 2016 gar keinen Kredit beantragen.

Auf der anderen Seite stehen die Banken, die gerne Kredite vergeben würden, das aufgrund ihrer Vorschriften und Regulierungen aber nicht dürfen. "Die Banken stecken in einem immer enger geschnürten Korsett, siehe Basel III und die Eigenkapitalvorschriften. Gleichzeitig ist die Rechtssicherheit ins Wanken geraten und allgemeine Regulierungswut greift um sich", erklärt Gerhard Wagner, Prokurist der KSV1870 Information GmbH.

Wagner führt weitere Gründe an, weshalb die Banken so verhalten agieren: "Eine Bankenabgabe wird erfunden, Fremdwährungskredite überfallsartig konvertiert, bestehende Verträge durch Anlassgesetzgebung ausgehebelt. Auch im Bankenbereich ist Hyperregulierung schädlich, gemeinsam mit fehlender Nachfrage und schwachen Investitionsimpulsen führt sie zu Stillstand, das darf niemanden wundern.“

Je kleiner ein Unternehmen ist, desto trüber ist auch dessen Einschätzung der Situation. So sind etwa 65 Prozent der Kleinstunternehmen der Meinung, dass man für eine Kreditaufnahme gute Nerven braucht. Die Großen tun sich etwas leichter, aber immerhin noch 41 Prozent bezeichnen eine Kreditaufnahme als schwierig oder sehr schwierig.

Sicherheiten, Sicherheiten, Sicherheiten

Problematisch ist für viele Unternehmer, dass sie nicht nur solide Geschäfte nachweisen müssen, sondern dass von ihnen auch immer mehr private Sicherheiten verlangt werden. Zwei Drittel der vom KSV befragten 1600 Unternehmen gaben an, dass die Banken derartige Forderungen gestellt hatten. Bei den Kleinstunternehmen sind es sogar drei Viertel (74 Prozent).

39 Prozent berichten von Kreditablehnung für Anträge, die früher bewilligt worden sind (Dienstleister: 43 Prozent). Jeder Fünfte (21 Prozent) meint, dass Kredite nicht in der gewünschten Höhe verfügbar sind. Zinserhöhungen sind für 17 Prozent ein Thema, wobei auch hier verstärkt große Unternehmen (19 Prozent) betroffen sind. 9 Prozent geben an, dass Kredite nicht für die angestrebte Laufzeit gewährt werden.

Selbst wenn die Unternehmen einen Kredit bekommen würden, heißt das noch lange nicht, dass sie auch mit den Konditionen glücklich sind. 28 Prozent sprechen aktuell von schlechten Konditionen und hohen Kosten, vor allem der Handel und die Dienstleister. Nur jeder fünfte mittelgroße Betrieb berichtet von guten Rahmenbedingungen. Das Ergebnis ist, dass nur 16 Prozent aller Teilnehmer (Gewerbe: 20 Prozent) im Jahr 2016 eine Kreditfinanzierung anstreben. 63 Prozent wollen keinen Kredit beantragen. 21 Prozent sind noch unentschlossen.

Konjunkturbremse

KSV-Prokurist Wagner sieht dadurch auch die gesamte Konjunktur des Landes bedroht „Ohne Kredite keine Konjunkturbelebung“, skizziert er die derzeitige Situation: „Ein Entlastungspaket für Unternehmen inklusive einer entsprechenden Entbürokratisierung sowie eine Abkehr von der Praxis der Anlassgesetzgebung sind die Rezepte, die wieder eine Vertrauensbasis zwischen allen Beteiligten herstellen können“.

Die sei kurzem auch gesetzlich verankerte Möglichkeit einer Finanzierung via Crowdfunding ist dabei kein Ausweg. Für 85 Prozent der Befragten ist Crowdfunding bzw. -investing nämlich nicht das geeignete Mittel zur Finanzierung von Unternehmensprojekten. Mittlere Unternehmen schließen diese Möglichkeit sogar überhaupt so gut wie aus. Nur 15 Prozent aller Teilnehmer der KSV-Umfrage sind auf der Pro-Crowdfunding-Seite, insbesondere Kleinstunternehmen (17 Prozent) und Dienstleister (21 Prozent).

„Im Alternativfinanzierungsgesetz wird als Einsatzbereich von Crowdfunding bzw. -investing die Finanzierung von Kleinstunternehmen und KMU genannt. Letztere sehen das momentan kaum als Option. Die Masse der Unternehmen bleibt damit bei Finanzierungsvorhaben auf Kredite oder Eigenmittel angewiesen“, hält Prokurist Wagner fest. Ein Lichtblick: Als strategisches Investment kommen Crowdfunding-Projekte für jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) grundsätzlich infrage. 34 Prozent sind unentschlossen – hier gibt es also noch Chancen für Firmen, die auf Schwarmfinanzierung setzen. 45 Prozent lehnen diese aber kategorisch ab.

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